Hintergrund: Die Mujahedeen e-Khalq – eine iranische Terrororganisation unter westlichen Fittichen

Bild oben: Camp Aschraf Der Westen wirft dem Iran gerne vor, ein Hort des Terrors zu sein. An einer bedeutenden […]

Bild oben: Camp Aschraf

Der Westen wirft dem Iran gerne vor, ein Hort des Terrors zu sein. An einer bedeutenden Terrororganisation hat er jedoch selbst Gefallen gefunden: Die so genannten Volksmodschahedin (MEK) sind im Iran verhasst, aber ihren westlichen Freunden durchaus nützlich.

von Zlatko Percinic

Was auch immer die Eingebung dahinter gewesen sein mag: Anfang des neuen Jahrtausends ist Washington unvermittelt zu dem Schluss gelangt, die iranische Terrororganisation Mujahedeen e-Khalq (MEK) könnte zu einem nützlichen Instrument gegen den Iran werden. Diese Sicht hat sich insbesondere nach dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak gefestigt.

Und das, obwohl die ersten US-Sondereinheiten, die sich Camp Aschraf näherten, dem einst von Saddam Hussein genehmigten Aufenthaltsort für MEK-Kämpfer und deren Familien, auf erbitterten Widerstand der schwer bewaffneten “Flüchtlinge” stießen. Im Zuge dieser Kämpfe stuften die USA die MEK von einer Terrororganisation zu einer “enemy force” hoch, also einem Feind der Koalitionstruppen.

Die Führung der MEK widerspricht der Darstellung, dass Kampfhandlungen zwischen ihnen und den US-Truppen stattgefunden hätten, doch in den Dokumenten des US-Militärs und der US-Special Forces findet diese ausdrücklich Bestätigung. Die Spezialeinheiten mussten sogar einen Toten in ihren Reihen im Zuge dieser Kämpfe hinnehmen, was in der Welt der Eliteeinheiten besonders bitter ist.

Der Weg zum Terror

Die Mujahedeen e-Khalq (Heilige Krieger des Volkes, oder auch als Volksmodschahedin bekannt) entstanden 1964 als Freiheitsbewegung gegen den iranischen Herrscher, Schah Muhammad Reza Pahlavi. Sie bekämpften die westliche Orientierung des Schahs und seines durch die USA geschulten und ausgerüsteten Sicherheitsapparates, des SAVAK, der für tausende tote und gefolterte Menschen verantwortlich war.

Als Hauptunterstützer des Schahs betrachteten sie die Vereinigten Staaten von Amerika. Den USA galt schließlich die volle operationelle Aufmerksamkeit der Gruppierung, da aufgrund dessen äußerst effektiver Unterdrückung jeglicher Opposition eine Konzentration auf das iranische Regime wohl das Aus für die MEK bedeutet hätte. Im Jahr 1971 unternahmen die MEK ihren ersten bekannten Versuch, einen Anschlag auf eine amerikanische Einrichtung auszuüben.

Doch der geplante Mordanschlag auf den US-Botschafter in Teheran, Douglas McArthur, schlug fehl. Leider hatten insgesamt sechs weitere US-amerikanische Staatsbürger nicht das gleiche Glück wie der US-Botschafter: Sie fielen in den Jahren 1973 bis 1976 den Mujahedeen e-Khalq zum Opfer. Erst als Washington daraufhin den Druck auf den Schah erhöhte, damit dieser endlich etwas gegen diese Terroristen unternehme, richtete sich die Wut der so genannten Volksmodschahedin direkt gegen den Schah. Zusammen mit der immer größer werdenden Anhängerschar des Ajatollah Ruhollah Chomeini sorgten sie schließlich für die Vertreibung des verhassten Staatsoberhauptes Muhammad Reza Pahlavi im Jahr 1979.

In den Wirren des postmonarchischen Irans gerieten die einstigen Verbündeten zu den erbittertsten Feinden und lieferten einander gnadenlose Straßenschlachten. Es waren schließlich ausgerechnet Dokumente und Aufzeichnungen des SAVAK, die Chomeini den entscheidenden Vorteil lieferten, um die Hintermänner der MEK und deren Anhänger ausfindig zu machen und in den Untergrund zu vertreiben. Die Zeit der berüchtigten Terrorwelle der Mujahedeen e-Khalq im Iran begann allerdings mit der Absetzung des ersten Präsidenten Banisadr 1981, dem man nach Saddam Husseins Angriff auf den Iran am 22. September 1980 Inkompetenz in der Verteidigung des Landes vorwarf.

Banisadr wandte sich nach seinem Sturz an die einzig verbliebene Kraft im Iran, die es mit Chomeini hätte aufnehmen können: die MEK unter der Führung von Massoud Rajavi. Angeblich soll Banisadr eine Nachricht an Rajavi übermittelt haben, in der hieß:

Es gibt keinen anderen Weg, beginne ihre Köpfe einzuschlagen!

Rajavi ließ sich nicht lange bitten und ließ am 27. Juni 1981 bei einer Freitagspredigt von Ajatollah Ali Khamenei, dem heutigen Revolutionsführer und der obersten Instanz im Iran, eine Bombe detonieren, die diesen zwar nicht tötete, aber seine rechte Hand schwer verletzte, welche er bis heute nicht mehr einsetzen kann. Die MEK nutzte den Schock des Angriffes auf Khamenei und ließ bereits am nächsten Tag eine noch größere Bombe hochgehen. Dieses Mal war es das Hauptquartier der regierenden Partei von Chomeini, die getroffen wurde. Dabei verloren 74 Menschen ihr Leben, darunter ranghohe Regierungsmitglieder sowie der äußerst einflussreiche Ajatollah Beheshti.

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Rajavi und Saddam Hussein Aufnahme um 1986 – Quelle: Iran Press Service

Dieser Terrorakt traf nicht nur Chomeini und seine Regierung, sondern auch die Bevölkerung zeigte sich tief erschüttert über diesen feigen Angriff der Mujahedeen e-Khalq. Das kaltblütige Kalkül von Banisadr und Rajavi war, die Regierung so sehr zu erschüttern, dass sie auseinanderbrechen würde und beide die Macht an sich reißen könnten. Niemand rechnete aber mit der Wut der Bevölkerung auf die MEK, die nach diesem Bombenanschlag vorherrschte.

Genau einen Monat danach wählte das Volk einen neuen Präsidenten aus dem Lager von Ayatollah Chomeini: Muhammad Ali Radschai erhielt eine überwältigende Mehrheit. Diese Wahl besiegelte schließlich das politische Aus der MEK im Iran. Nur zwei Tage nach der Wahl, am 29. Juli 1981, setzten sich Banisadr und Rajavi in einer Nacht- und Nebel-Aktion nach Frankreich ab, wo sie politisches Asyl erhielten. Rajavi allerdings wollte das Exil noch nicht als das Ende seiner Opposition zu Chomeini betrachten und griff auch weiter auf das Mittel des Terrorismus zurück, dieses Mal allerdings aus sicherer Entfernung im französischen Paris.

Banisadr und Saddam Hussein als Weggefährten

Am 30. August 1981 gelang den MEK noch ein letzter spektakulärer Anschlag auf die Spitze des Regierungsapparates im Iran. Wieder detonierte ein in einem Kassettenrekorder versteckter Sprengsatz im Büro des erst frisch gewählten Präsidenten Muhammad Ali Radschai und tötete diesen sowie seinen Ministerpräsidenten Bahonar. Diesem Anschlag folgte eine gnadenlose Jagd auf die Fußsoldaten und Anhänger der MEK, die sich dem langen Arm der unterschiedlichen Häscher nicht mehr entziehen konnten und schließlich in den Irak flüchteten. Saddam Hussein, ganz nach dem uralten Motto des Mittleren Ostens von wegen “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”, nahm die Kämpfer der MEK mit offenen Armen im Irak auf und stellte ihnen gar ein ganzes Areal, das Camp Aschraf, zur Verfügung.asharf_camp_landkarte

Als der französischen Regierung die Aktivitäten von Massoud Rajavi während des Iran-Irak-Krieges zu heiß wurden, forderte sie diesen 1986 auf, Frankreich zu verlassen. Nach Rücksprache mit Saddam Hussein durfte Rajavi sein Hauptquartier ebenfalls im Camp Aschraf einrichten. Allerdings musste er im Gegenzug versprechen, mehr zu unternehmen als die bisherigen Guerilla-Angriffe auf Irans Militäreinrichtungen. Konsequenterweise gründete Rajavi 1987 den militärischen Arm der Mujahedeen e-Khalq, die “National Liberation Army” oder NLA.

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