Naturwissenschaftler schreiben Geschichte neu

Revolutionäre Änderungen unseres Geschichtsbildes nach mathematischen und astronomischen Analysen von Eugen Gabowitsch, Karlsruhe 60 Publikationen, darunter ca. 10 Bücher, zählt […]

Revolutionäre Änderungen unseres Geschichtsbildes nach mathematischen und astronomischen Analysen
von Eugen Gabowitsch, Karlsruhe

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A. T. Fomenko

60 Publikationen, darunter ca. 10 Bücher, zählt die Veröffentlichungsliste der Forschergruppe “Neue Chronologie” der Moskauer Universität (MGU). Etwa 80% hat Mathematikprofessor A. T. Fomenko als Autor oder Mitautor geschrieben,.
Fomenko ist heute nicht nur der wissenschaftliche Leiter, sondern auch der anerkannte geistige Übervater dieses Forschungsprojektes. Er ist einer der bekanntesten Mathematiker unserer Zeit (180 Publikationen, 22 Bücher). Mehrere seiner mathematischen Bücher sind auch im Springer Verlag erschienen. Er ist Vollmitglied der Akademie der Wissenschaften der Russischen Föderation (RF) und der Akademie der Naturwissenschaften der RF. Lange Jahre vereinte er seine wissenschaftliche Arbeit mit der Funktion des Dekans der Mathematischen Fakultät der MGU. Außerdem ist er als hervorragender Maler bekannt.

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Isaac Newton

Isaac Newton

Zu Fomenkos Vorgängern im Bereich der kritischen Analyse der gängigen Chronologie, die er oft in seinen Büchern nennt, gehört kein Geringerer als Isaac Newton. Sein Buch “The Chronology of Ancient Kingdoms Amendet” erschien 1728, einige Jahre nach einer nicht genehmigten Publikation des Manuskriptes auf Französisch (Paris, 1725). Das Buch wurde 1770 neu verlegt und geriet danach in Vergessenheit. Erst 1988 wurde es wiederveröffentlicht.
In diesem Werk zeigt Newton, daß die traditionelle Chronologie einigen astronomischen Überlieferungen widerspricht. Er plädiert für eine andere, größtenteils kürzere Geschichtsschreibung, ist aber noch weit von radikalen modernen Vorstellungen über die – absichtliche oder aus Unkenntnis geschehene – chronologische Fälschung der Geschichtsschreiber früherer Zeiten (XV.-XVIII. Jh.) entfernt.

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Nikolaj Morosow

Der wichtigste Vorgänger der Moskauer Gruppe “Neue Chronologie” war zweifelsohne der hervorragende russische Wissenschaftler Nikolaj Morosow (1854-1946). Seine enzyklopädischen Kenntnisse der Naturwissenschaften und der Geschichte erwart er hauptsächlich während seiner 25-jährigen Einkerkerung im berüchtigten Schlisselburg-Gefängnis (1881-1905) als Autodidakt. 1907 veröffentlichte er zwei Bücher über das Periodensystem von Mendeleew, später auch mathematische, astronomische und meteorologische Bücher.
1910 und 1914 erschien in Moskau zwei seiner Bücher mit kritischen Betrachtungen biblischer Texte: “Offenbarungen im Gewitter und Sturm. Geschichte der Entstehung der Apokalypse.” und “Propheten. Geschichte der Entstehung der biblischen Prophezeiungen, deren literarische Darstellung und Charaktereigenschaften“.
Er präsentiert in diesen Büchern Berechnungen für mehrere in der Bibel in versteckter Form erwähnte und von ihm entdeckte astronomische Ereignisse. Nach Analyse der erzielten Ergebnisse über unmögliche und mögliche Datierungen dieser Ereignisse kam er zum Schluß, daß – im Verhältnis zur traditionellen Chronologie – Datierungen vieler historischen Geschehnisse mindestens um mehrere Jahrhunderte (bis zu 1000 Jahren) näher an unsere Zeit verlegt werden müssen.
Nach der Oktoberrevolution leitete Morosow ein großes Forschungszentrum für Naturwissenschaften in Moskau und wurde hauptsächlich als Chemiker hoch geschätzt. Mit Unterstützung seiner enthusiastischen Mitarbeiter setzte er die ausführliche naturwissenschaftliche Analyse der Bibel und der historischen Dokumente, die zu der biblischen Periode zugeordnet werden fort. Als Ergebnis dieser Arbeit wurden in den Jahren 1924-32 sieben Bände seines wichtigsten Werkes “Christus (Geschichte der menschlichen Kultur aus der naturwissenschaftlichen Sicht)” in Moskau und Leningrad veröffentlicht. Diese sieben Bände, sowie der nicht vollendete Band 8 (wird als Manuskript aufbewahrt), zitiert Fomenko oft und ziemlich ausführlich in seinen Büchern.
Das Hauptresultat von “Christus“: die traditionelle Chronologie kann nicht stimmen, sie ist künstlich verlängert worden, die ganze antike Geschichtsperiode bis zum IV. Jh. ist eine riesige Fälschung. Dies wird an vielen Beispielen demonstriert, wobei sich ganze Dynastien aus der Altertumsgeschichte als Duplikate späterer Herrscherfamilien entlarven.

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Morosow nannte mehrere Kritiker der von Joseph Justus Scaliger (1540-1609) und Dionisios Petavius (1583-1652) entwickelten Chronologie:
– den Professor de Arcilla (Universität Salamanca, XVI. Jh.), der zwei kritische Arbeiten veröffentlichte: “Programma Historiae Universalis” und “Divinae Florae Historicae“, um zu zeigen, daß die ganze Altertumsgeschichte im Mittelalter erdacht wurde,
– den Historiker, Archäologen und Jesuiten Jean Hardouin (1646-1724) , der die komplette antike Literatur als eine Sammlung der Werke der Mönche des XVI. Jh. entlarvte,
– den deutschen Privatdozenten Robert Baldauf, der in den Jahren 1902-3 das Buch “Geschichte und Kritik” schrieb, in dem er aufgrund der literaturwissenschaftlichen Überlegungen behauptete, daß nicht nur die klassische Literatur, sondern auch Werke, die dem frühen Mittelalter zugeordnet werden, währen der Renaissancezeit und in den danach folgenden Jahrhunderten gefälscht worden sind,
– den englischen Historiker Edvin Johnson (1842-1901), den Autor des Buches “Rise of English Culture”, London, 1904, in dem die traditionelle Chronologie ernsthaft kritisiert wurde.

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Wie sind die von Morosow entdeckten chronologischen und geschichtlichen Fälschungen entstanden? Viele alte Manuskripte, die – wie Morosow zeigte – die gleiche Epoche der Geschichte eines Landes beschrieben, wurden mehrmals als voneinander völlig unabhängige und unterschiedlichen Ländern zugeordnete Dokumente interpretiert. Für die Plazierungen dieser Duplikate auf der Zeitachse wurden ganze historische Epochen, wirkliche und erdachte, weit in die Vergangenheit verschoben.
Dieser Verschiebungsmechanismus wurde später auch vom hauptsächlich in den USA bekannten russisch-jüdischen Wissenschaftler Immanuel Velikovsky (1895, Moskau, Rußland – 1979, Princeton, USA) am Beispiel der Geschichte des Alten Ägypten demonstriert.
Velikovskys Bekanntschaft mit Morosow‘s Büchern kann mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden: Nach einem Studium der Naturwissenschaften in Edinburgh studierte er Geschichte, Geisteswissenschaften und Medizin in Moskau. Trotzdem fand ich in seinen Büchern keine Erwähnung des Namens Morosow. Auch heute wagen viele Autoren, die Ideen von Morosow aufgreifen, nicht, ihn zu zitieren, weil es unter Historikern zum schlechten Ton gehört, “solche Spinner” positiv zu erwähnen. Inzwischen ist auch Velikovsky selbst von den Hütern der reinen traditionellen Lehre der chronologischen Orthodoxie als Spinner abgestempelt.

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Immanuel Velikovsky

Später studierte Velikovsky Biologie in Berlin, Neurologie in Zürich und Psychoanalyse in Wien. Er promovierte 1921 an der MGU, übersiedelte bald danach nach Jerusalem, wo er zu den Mitgründern der Hebrew University gehörte, und kam 1939 nach USA.
Laut Velikovsky sind mehrere Jahrhunderte des ägyptischen Altertums dadurch “entstanden”, daß die hellenischen Historiker von der Beschreibung ein und derselben Ereignisse durch ägyptische und vorderasiatische Quellen auf verschiedene Herrscher oder sogar Dynastien schlossen.
Auch die wichtigste Komponente der Morosowschen Methode (Benutzung natürlicher Phänomene für die Verbesserung historischer Datierungen) wurde von Velikovsky benutzt. Er identifizierte die biblische Beschreibung der zehn Plagen als die einer riesigen Naturkatastrophe. Als er eine Erläuterung äußerst ähnlicher katastrophaler Ereignisse in ägyptischen Quellen fand, die von der traditionellen Chronologie einer ganz anderen historischen Epoche zugeordnet wurde, entstand die Hypothese der erfundenen Dynastien, die er in mehreren Büchern begründete.
Velikovskys Bücher wurden ab ca. 1950 bis nach seinem Tod in den USA veröffentlicht. Sie wurden von vielen renommierten Wissenschaftlern als unseriös abgetan und auf eine sehr undemokratische Weise bekämpft, da Velikovsky auch das Postulat der Stabilität des Sonnensystems ignorierte und die zehn Plagen mit einem Aufruhr im Sonnensystem zu erklären versuchte. Trotzdem gibt es bis heute Wissenschaftler, die Velikovsky für ein Genie halten und seine Theorien an amerikanischen Universitäten lehren oder weiterentwickeln.
Auch die Erwähnung seines Namens, ebenso wie Morosows, gehört bis heute zum schlechten Ton, diesmal nicht nur unter Historikern, sondern auch in naturwissenschaftlichen Kreisen. Die Wissenschaft produziert eben nicht nur eigene Kultfiguren, Autoritäten und Götzenbilder, sondern auch Ketzer und Ausgestoßene.

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Auf Deutsch sind Velikovskys Bücher erst seit Ende der 70er Jahre zugänglich. Von der offiziellen Wissenschaft wurden sie hauptsächlich verschwiegen. Trotzdem entstand Anfang der 80er in Deutschland eine Gruppe, die Velikovskys Ideen ernst nimmt, sie kritisch betrachtet und versucht weiterzuentwickeln. Diese Gruppe gibt seit 1989 in München die Zeitschrift “Zeitsprünge” (früher “Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart”, Herausgeber und Redakteur Dr. Heribert Illig) heraus.
Die Mitglieder dieser Gruppe haben seit 1988 mehrere Bücher veröffentlicht, die auf eine ziemlich radikale Kürzung der Chronologie hindeuten. So wurde im Buch von Dr. Heribert Illig und Prof. Gunnar HeinsonWann lebten die Pharaonen?” (München ???, 1990) die ägyptische Chronologie um mehr als zwei Jahrtausende verkürzt.
Im vergangenen Jahr veröffentlichte Illig im ECON Verlag das Buch “Das erfundene Mittelalter. Die größte Zeitfälschung der Geschichte“, in der die ganze Zeit zwischen 600 und 900 nach Christus als völlig erfunden dargestellt wird. Unter anderem wurde aus dem uns so vertrauten Karl dem Großen ein Karl der Fiktive.

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In den Publikationen Fomenkos von und seiner Mitarbeiter geht die Rekonstruktion der Chronologie noch entschiedener vor sich. Die Gruppe “Neue Chronologie” zeigt, daß fast sämtliche Datierungen aufgrund von in alten Manuskripten und Büchern erhaltenen Horoskopen, Himmelskörper-Finsternissen und überhaupt Sternenhimmel-Beobachtungen zu Datierungen im IX.-XVII. Jahrhundert unserer Ära führen, und daß fast das ganze Gebäude der uns vertrauten Geschichtsschreibung durch mehrfache Wiederholung der Ereignisse aus dem XIV.-XVII. Jh. und die Zerstreuung der so entstandenen Duplikate entlang der – Tausende von Jahren langen – Zeitachse entstanden sind. Sogar entlang mehrerer Zeitachsen, wenn wir unterschiedliche Erdregionen zusammen mit diesen Erdteilen zugeordneten Zeitachsen betrachten.
Unsere heutige Geschichte ist ein Ergebnis der jahrhundertelangen Mischung der historischen “Karten” aus mehreren unvollständigen geschichtlichen Kartenspielen. Stellen Sie sich vor, daß jemand alte Spielkarten sammelt und oft nur einige oder sogar nur eine einzige Karte aus einer alten Packung findet. Wenn Sie sich nun noch einen Schubladen vorstellen, in dem diese spärlichen Reste unterschiedlicher Kartenspiele lange Zeiten aufbewahrt werden, dann haben sie ein Modell für die Grundlage unserer Geschichtsschreibung.
Wenn nun jemand (ein Erbe des Sammlers) alle diese Karten, Hunderte an der Zahl, für verschiedenartig hält, weil z. B. ein König aus einem Spiel etwas anders gemalt wurde als ein anderer König, und versucht sie zu ordnen, hintereinander zu legen, vielleicht sogar dazu noch mehrere Tische benutzt, ohne zu wissen, daß es nur knapp über 50 unterschiedliche Karten gibt, dann bekommen wir ein anschauliches Modell unserer Chronologie.
Endlich, wenn sich in der Schublade zwei Kartenspiele mit ähnlichen vorhandenen und fehlenden Karten befinden und diese bei der Hintereinanderlegung aller Karten nicht als gleiche erkannt werden, sondern zweimal mit der gleichen Kartenreihenfolge innerhalb des unvollständigen Spiels auf einem Tisch (oder auf zwei verschiedenen) in die zu schaffende Kartenordnung eingegliedert werden, dann bekommen wir eine Vorstellung von der möglichen Entstehung der Zeitsprünge.

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Fomenko entdeckte einige sich oft wiederholende Zeitsprünge in der orthodoxen Geschichtsschreibung der Alten Welt:
– ca. 100 Jahre (z.B. in der Datierung der Dschingis-Chan-Epoche, die in Wirklichkeit zum XIV. Jh. gehört),
– ca. 330 Jahre (s. oben den Abschnitt über das erfundene Mittelalter),
– ca. 1000 oder oft 1054 Jahre, die durch die späte Einführung der Ära “Nach Christi Geburt” entstanden sind (Nach Fomenko lebte Jesus Christus ca. 1054-1085 und wurde in Konstantinopel gekreuzigt und beerdigt),
– 1780 oder 1800 Jahre, was hauptsächlich in der biblischen Geschichte vorkommt.
Diese globalen chronologischen Verschiebungen, die teilweise auch miteinander kombiniert wurden, führten dazu, daß sich die ganze heutige Geschichtsschreibung als Zusammensetzung von mindestens vier Kopien einer – wie uns heute scheint – relativ kurzen Epoche entlarvt. Sogar diese kurze Epoche (XIV.-XVII. Jh.) beinhaltet einige Duplikate und Verschiebungen, ist aber hauptsächlich korrekt.
Die ihr vorangegangene Zeit (X.-XIII. Jh.) hat uns nur sehr spärliche Informationen hinterlassen und wurde mit Duplikaten aus der späteren Zeit “gefüllt”. Trotzdem kann man auch einige Beispiele der Wanderung einiger Chroniken aus dieser Zeit in die Vergangenheit entdecken.
Die noch früheren Zeiten sind nach Fomenko rein mythisch, weisen keine brauchbaren historischen Überlieferungen nach und bestehen nur aus Duplikaten späterer Zeiten und wenigen mythologisierten Namen.

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