Bernard Lewis und die Umgestaltung des “Middle East” — Teil I

Bernard Lewis, Emeritus der Princeton University, ist zweifelsohne ein Experte für die Ethnien Irans, der Türkei, Zentralasiens und der arabischen Staaten. […]

Bernard Lewis

Bernard Lewis, Emeritus der Princeton University, ist zweifelsohne ein Experte für die Ethnien Irans, der Türkei, Zentralasiens und der arabischen Staaten. Er ist der Erfinder des geopolitischen Begriffes des sog. „Middle East“, das deckungsgleich mit dem ursprünglichen Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches ist. Heute versteht man darunter gewöhnlich Südwestasien und Nordostafrika von Libyen bis Afghanistan, oft von Marokko bis Pakistan (Websters Third New International Dictionary of the English Language, Unabridged, 1993, p. 1430). Bernard Lewis, ein turkophiler Historiker und Publizist mit Schwerpunkt Orientalistik war zuletzt Politikberater von George W. Bush. Und weil Bernard Lewis tatsächlich ein Experte auf diesem Gebiet ist, liegt genau hierin auch die Tragödie, denn er nutzt sein Wissen als Motor der Zerstörung und Vernichtung. Nur wenige kennen Bernard Lewis überhaupt und nur wenige haben jemals von einem Bernard-Lewis-Plan gehört. Aber was wie eine Verschwörungstheorie oder ein Politkrimi klingt, weil man glaubt zivilisierte Menschen, die sich zu Menschenrechten und zur Souveränität von Staaten bekennen, tun doch anderen Nationen so etwas nicht an, wird in dieser mehrteiligen Artikelreihe eines Besseren belehrt werden:

Das Prinzip des Bernard-Lewis-Plans

Dem Literaturtheoretiker Edward Said zufolge, ist Lewis’ Darstellung des Orients geprägt von willkürlichen Zuschreibungen. Andere Wissenschaftler, wie etwa S.M. Stern kritisieren, dass Lewis die gleichen Thesen über Jahre in verschiedenen Publikationen immer wieder veröffentlicht, ohne die wissenschaftliche Debatte ausreichend zu berücksichtigen. Ursprünglich wurde unter der Leitung von Zbigniew Brzezinski in der Carter-Regierung begonnen den Bernard-Lewis-Plan umzusetzen, um die südlichen Grenzen der Sowjetunion, durch die Stärkung muslimischer Radikaler gegen die Kommunisten zu destabilisieren. Der wichtigste Aspekt dieser Strategie in den letzten 30 Jahren war die Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan, bis zum heutigen Tag war dies die größte verdeckte Operation des CIA .

Der “Greater Middle East”

Der Plan zum “Greater Middle East” der deckungsgleich mit dem Bernard- Lewis-Plan ist, wurde von der privaten US-amerikanischen Rand Corporation entwickelt und wurde im Herbst 2003 auf dem G8-Gipfel der reichsten Industriestaaten der Erde in Sea Island, Georgia / USA in seinen Grundlinien bestätigt. Formal schlug Bernard Lewis beispielsweise die Fragmentierung Irans entlang ethno-regionaler und sprachlicher Grenzen in verschiedenen Projekten, wie dem Al Ahwas [Ahvâz] Projekt in der iranischen Provinz Xuzestân, dem Paschtunistan-Projekt in Belutschistan, dem Greater Kurdistan-Projekt in Kurdistan und dem Greater Âzarbâyjân-Projekt in Aserbeidschan vor. Dreyfus und Le Marc bieten hierzu eine kurze Zusammenfassung der Pläne und der Methodik.

Nach Lewis sollten die Briten Aufstände für eine nationale Autonomie von Minderheiten, wie der libanesischen Drusen, der Belutschen, der Aserbeidschaner, der Türken, der Alawiten in Syrien, mystischer Sekten im Sudan, der Kurden und verschiedener arabischer Stämme mit dem Ziel initiieren, den Nahen Osten in ein Mosaik von konkurrierenden Ministaaten aufzubrechen und eine Schwächung der Souveränität der bestehenden Republiken und Königreiche zu erzielen. Sie sollten den Funken liefern, für eine ganze Reihe abtrünniger Bewegungen Irans, wie radikale Elemente der Kurden, Aserbaidschaner, Belutschen und Araber. Nebenbei würden diese Unabhängigkeitsbewegungen wiederum eine große Gefahr für die benachbarte Türkei, Irak, Pakistan und anderen Nachbarstaaten verursachen und die Region destabilisieren. Robert Olson hat eine überraschend offene und nüchterne Einschätzung des Greater Âzarbâyjân-Projektes zur Verfügung gestellt und schreibt, dass es in der Tat Basen und Netzwerke der USA und Israel in Nordirak, in der Ost-Türkei, in der Republik Aserbeidschan, insbesondere in Nachitschewan gibt, die anti-iranische, separatistische Hasspropaganda in die iranische Provinz Aserbeidschan senden. Es gibt tatsächlich einen vom Ausland finanzierten anti-iranischen Radiosender, bekannt unter dem Namen VOSA, die Stimme des südlichen Aserbeidschan.

Subversive Aktivitäten von Anti-Iranern

Senderstation im Truck

Über die Beziehungen zwischen VOSA und dem israelischen Radiosender Reshet Bet wurde erstmals vom unabhängigen Reporter Nick Gnade berichtet, er schrieb: „[…] Reshet Bet ist natürlich ein News Service von Radio Israel. Die deutsche Telekommunikationsabteilung lokalisierte den Standort von VOSA in der Nähe von Israel, Jordanien und Saudi-Arabien (BCDX 351). VOSA ist eindeutig überwacht und arrangiert von Israels Geheimdienst, dem Mossad. […]“

Olson berichtet uns auch von anspruchsvollen Telekommunikationsgeräten auf Spezialfahrzeugen, die regelmäßig auf iranischem Staatsgebiet Propaganda auf Video- und Radio-Laufwerken ausstrahlen. Die Hauptaufgaben von VOSA-Reshet Bet und der Telekommunikationsgeräte auf Spezialfahrzeugen wie der Smar Truck II sind auf die iranischen Âzarbâygâner gerichtet, um sie mit falschen und provozierenden Informationen zu manipulieren. Olson beschreibt auch einen Plan der USA für die Stationierung schweren militärischen Geräts in der Republik Âzarbâyjân, dies wurde auch von Moscow News am 26. September 2005 bestätigt.

Die geopolitischen Ziele zur Zerstückelung Irans werden nicht nur in Aserbeidschan verfolgt, sondern betreffen ganz Iran. Doch vor allem Aserbeidschan bietet eine große Angriffsfläche im Hinblick auf die Ambitionen der Türkei und der Republik Aserbeidschan in den Augen der türkischen Wölfe in Baku. Irans reichste landwirtschaftliche Provinz ist ideal für verdeckte, subversive Aktivitäten des Auslandes, um die nationale Einheit Irans zu beschädigen und das persische Erbe auszulöschen, welches ein Haupthindernis bei der Umsetzung des Bernard-Lewis-Planes darstellt. Die Installierung der Mullahs in Iran 1978, war einer der Maßnahmen, das persische Erbe zu tilgen.  Der politische Reporter, Michel Chossudovsky schrieb folgendes: „Washington hat sich an verdeckten Geheimdienst-Operationen beteiligt. Amerikanische und britische Geheimdienste und Spezial Forces haben zusammen mit ihren israelischen Kollegen sich an diesen Operationen beteiligt. Das „Targeting Iran“  dient im Großen und Ganzen den Interessen der anglo-amerikanischen Ölkonzerne, dem Wall Street Finanz-Establishment und dem militärisch industriellen Komplex. Es ist Teil um des Kampfes um Öl.  In Baku, in der Republik Âzarbâyjân diskutierte schon EX-US-Verteidigungsminister Rumsfeld und das kurzfristige Ziel war schon damals Iran zu neutralisieren. Das langfristige Ziel des Pentagons im Rahmen des „Caspian-Plans“ ist es, militärische und wirtschaftliche Kontrolle über das gesamte Kaspische Meer auszuüben, insbesondere im Hinblick auf die Ölreserven und Pipeline-Korridore.“

Die unheilige Allianz

Propaganda der Grauen Wölfe

In der Praxis bedeutet das, dass westliche Staaten sich mit gefährlichen, rassistischen Organisationen wie SANAM (GAMOH), Graue Wölfe etc. verbünden, in dem Bestreben, einen souveränen Staat, der zu den ältesten Staaten der Welt gehört, zu zerstückeln. Man macht sich wenig Gedanken über die dramatischen Folgen solcher unverantwortlicher Handlungen. Die Ideologen der Grauen Wölfe glauben naiv, dass die gegenwärtige anti-iranische geopolitische Lage ihnen erlauben wird, ihren Traum eines Pan-türkischen Superstaates von China bis zum Balkan mit Zentralasien, dem Kaukasus, Russland, der Ukraine und Persien im Kielwasser zu verwirklichen.

Die westliche Schirmherrschaft für Ideologen der Grauen Wölfe, wie Herrn Chehreganli ist letztlich sinnlos und kostet dem Steuerzahler Milliarden USD, Euros und britische Pfund. Wieviel könnte man erreichen, wenn man dieses Geld, in Bildung, Völkerverständigung, Gesundheitswesen oder in Opfer von Naturkatastrophen stecken würde?

Chehreganli bezeichnet die in Aserbeidschan lebenden Kurden als “nur iranische Gäste in Süd-Aserbeidschan”! Und er schreibt auf seiner eigenen Seite: “Im Moment leben in der Provinz West-Aserbeidschan etwa 500.000 Kurden, und wenn sie sich normal benehmen, würde es kein Problem geben, ansonsten müssen sie packen und gehen”! In Bezug auf die Kurden im Irak hatten er und seine Anhänger immer wieder die türkische Regierung aufgefordert, die türkische Armee solle in den Norden Iraks in die Städte Kirkuk und Mossul einmarschieren und diese Gebiete besetzen, denn er nennt diese Gebiete “ein historisches Land den Türken gehörend, das durch die Kurden besetzt wurde”!

Seit je her bewertet die Erdöl-Lobby die wirtschaftliche Gleichung höher als die Menschliche und die Zerstückelung Irans nach dem Bernard-Lewis-Plan wird als eine wirtschaftliche Notwendigkeit gesehen. Der Bernard- Lewis-Plan ist aber auch gegen die Türkei und den Irak gerichtet. Jetzt, nachdem die US-Truppen aus dem Irak abgezogen sind und ein destabilisiertes Land zurückgelassen haben, wird sich der Bernard-Lewis-Plan, eine Dreiteilung Iraks in einen kurdischen Norden, einem verarmten sunnitischen Mittelteil und einem schiitischen Südteil wohl bald von selbst verwirklichen. Beinahe täglich ereignen sich Terroranschläge und das Land steht heute, acht Jahre nach der US-Invasion, am Rande eines Bürgerkrieges. Schon Leslie H. Gelb, Ex-Vorsitzender des Council on Foreign Relations, hat am 25. November 2003 in der New York Times vorgeschlagen, nach dem Vorbild der Zerschlagung Jugoslawiens auch den Irak zu liquidieren.

Der Yinon-Plan ist die israelische Variante des Bernard-Lewis-Plans. Die Zeitschrift The Atlantic und das amerikanische Armed Forces Journal veröffentlichten beide 2006 weitverbreitete Karten, die sich an den Konzepten des Yinon-Plans orientierten. Neben einem dreigeteilten Irak, den auch der sogenannte »Biden-Plan« des heutigen amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden vorsah, setzte sich der Yinon-Plan auch für eine Aufteilung des Libanon, Ägyptens und Syriens ein. Auch die Zersplitterung des Iran, der Türkei, Somalias und Pakistans passt in das Konzept dieser Politik. Darüber hinaus befürwortet der Yinon-Plan eine Auflösung [der existierenden staatlichen Strukturen] Nordafrikas, die, so prognostiziert er, von Ägypten ausgehen und dann auf den Sudan, Libyen und den Rest der Region übergreifen werde.”]
Der Yinon-Plan ist ein israelischer Strategieplan zur Garantie der israelischen Überlegenheit und stellt insofern eine Fortsetzung der britischen strategischen Zielplanung dar. Er fordert und drängt darauf, dass Israel seine geopolitische Umgebung über eine Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Staaten in kleinere und schwächere staatliche Gebilde umgestalten müsse. Israelische Strategieexperten sahen den Irak als die größte strategische Herausforderung seitens eines arabischen Staates an.  Den ersten Schritt zur Umsetzung dieser Pläne bildete der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der schon im Yinon-Plan [dieses Strategiepapier wurde nach seinem Verfasser Oded Yinon, einem hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums, der es 1982 veröffentlichte, benannt.

Bei der Bildung eines Groß-Kurdistans würde es nicht nur zu einem Zerfall Iraks kommen, sondern auch zu einem Zerfall Syriens, der Türkei und Irans. Durch die Bildung eines Groß-Aserbeidschan würde Iran einen erheblichen Teil seiner industriellen Basis verlieren und es würde ebenso der pan-kurdischen separatistischen Bewegung in allen betroffenen Ländern Auftrieb gewährt werden und zu einer Verkleinerung bestehender Staatsgebiete führen. Die Förderung des Zerfalls des gesamten Nahen und Mittleren Ostens entlang ethnischer und religiöser Grenzen ist wesentlicher Bestandteil des Bernard-Lewis-Plans. Lewis schlägt vor, der Westen solle Separatismus und autonome Gruppen wie die Kurden, Kopten in Äthiopien, Aserbeidschaner etc. zur Verursachung lokaler Störungen fördern.

Es gibt Hinweise darauf, dass der Iran-Irak-Krieg 1980 – 1988 Teil des größeren Bernard-Lewis-Plans gewesen war. Beweise für die britische Herkunft der irakischen Invasionspläne wurden zu Beginn des Krieges am 16. Oktober 1980 in der New York Times in einem Artikel von Halloran R. mit dem Titel British in 1950, Helped Map Iraqi Invasion of Iranvorgelegt. Die Mainstream Medien ignorierten damals diesen Bericht. Dort konnte man den detaillierten Invasionsplan aus dem Jahre 1950, den britische Militärberater für den Irak 30 Jahre vor der Invasion Saddam Husseins in den Iran vorbereitet hatten, lesen. Und die Hauptessenzen entsprachen detailliert der irakischen Invasion am 22. September 1980. Das Hauptziel des Krieges war die iranische Provinz Xuzestân zu besetzen, dann einen Waffenstillstand auszuhandeln, der einen Verzicht auf die iranische Provinz zu Gunsten Iraks beinhalten sollte. Der britische Plan wurde von der irakischen Armee mit geringen Abweichungen exakt durchgeführt und schließlich war es die USA, die überraschend durch die Irangate-Affäre 1986 einen irakischen Sieg über Iran verhinderte. Die Beseitigung Irans von der Landkarte, nahm schon lange vor 1978 ihren Anfang, schon Mohammad Rezâ Šâh Pahlavi musste erbittert um die nationale Einheit Irans kämpfen.

Warum in aller Welt baut man seinen Wohlstand auf dem Niedergang und dem Verderben anderer Völker auf? Warum hält man die Mullahs in Iran am Leben, während man gleichzeitig Terroranschläge gegen sie logistisch und finanziell unterstützt? Und wann wird man begreifen, welches geopolitsche Spiel gespielt wird?

Bernard Lewis und “The Middle East” (2)

[Quellen: F.William Engdahl, A Century Of War – Anglo-Amerikan Oil Politics And The New World Order; Lukerly Court Documents Shed Light on CIA Illegal Operations in Central Asia Using Islam & Madrassas; Livingstone David, Terrorism and the Illuminati, Guns, Drugs and Jihad; Rumi, Raza, Ataturk’s Turkish Republic in Danger; Alexandrovna, Larisa; Kane, Muriel (2007-06-27), New documents link Kissinger to two 1970s coups Global Research.ca. Retrieved on 2008-12-29; Rasti, Gulen, the CIA and the American Deep State; Dreyfus and LeMarc, 1980, p.157; Olson, 2004, p.89; Matini Jalal, “Azerbaijan Koja Ast?”, 1989, Iranshenasi, I(3), p.447; Philip Robins, Suits and Uniforms: Turkish Foreign Policy Since the Cold War, Hurst & Company, London, p.172-173; New York Times Halloran R. British in 1950, Helped Map Iraqi Invasion of Iran; Pârse & Pârse; Websters Third New International Dictionary of the English Language, Unabridged, 1993, p. 1430; Mir Ali Asghar Montazam, The Life and the Times of Ayatollah Khomeini; Foreign Policy; Zbigniew Brzezinski; Ralph Peters, Armed Forces Journal 2006, Blood borders: How a better Middle East would look like; New York Times; Rozaneh Magazine; Sean Gervasi, Deutschland, die USA und die jugoslawische Krise: Der Bürgerkrieg als tödliches Schattenspiel, Covert Action Quarterly, Band 43, S. 41, 43; Olson, Robert, Turkey-Iran Relations, 1979-2004: Revolution, Ideology, War, Coups and Geopolitics, 2004, p.236; Dr. Brenda Shaffer, Borders and Brethren: Iran and the Challenge of Azerbaijani Identity ]

http://parseundparse.wordpress.com/2012/01/23/bernard-lewis-und-the-middle-east-1/#more-3313

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