Israel und der Krieg im Jemen

“Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der Mossad bei der Steuerung des Konflikts im Nahen Osten – weg von […]

“Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der Mossad bei der Steuerung des Konflikts im Nahen Osten – weg von Arabern-gegen-Israel hin zu Sunniten-gegen-Schiiten – seine Hände im Spiel hat.”

Von Dr. Ashraf Ezzat/ Veterans Today (Ägypten)

Übersetzung: politaia.org

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Das Muster ist leicht erkennbar. Es ist klarer als je zuvor. Was sich im Irak, in Syrien und in Libyen abspielte, kommt nun in den Jemen. Ein weiteres arabisches Land zerbröckelt unter den Stürmen des Arabischen Frühlings – der sich bald in einem islamischen Winter wandeln wird.

Die Situation im Nahen und Mittleren Osten könnte gar nicht komplizierter sein. Im Nachgang zu den arabischen Aufständen destabilisiert eine tödliche Mischung aus religiösen Extremismus, Stellvertreterkriegen, Spannungen zwischen Sekten und Stammesrivalitäten die ganze Region.

Zwar mag der Jemen eines der ärmsten arabischen Länder sein, so ist er jedoch immer eine strategische Region gewesen. Das jemenitische Bab-el-Mandeb, eine Meerenge zwischen dem Jemen und dem östlichen Horn von Afrika, dient als eine strategische Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer via dem Roten Meer und dem Suezkanal.

Jegliche Unruhen im Jemen könnten Auswirkungen auf die maritimen wirtschaftlichen Gegebenheiten und die Schifffahrt haben- insbesondere die Öl-Frachtschifffahrt.Weiterhin könnten die Unruhen, so wie sie sich jetzt zeigen – einen saudisch-iranischen Krieg provozieren.

Die saudische Ostprovinz

Die saudische Ostprovinz

Historische gesehen ist der Jemen ein genuiner Teil des alten Arabien. Die Genealogie vieler Stämme in der saudischen Ostprovinz kann auf den nördlichen Jemen zurückgeführt werden. Die ganze Ostprovinz ist nicht nur die größte Provinz Saudi-Arabiens, sondern wird auch von einer zwei Millionen starken Population von Schiiten dominiert, die als Schwerpunkt der Opposition gegen die Monarchie der Sauds angesehen wird.

Insofern ist zu verstehen, dass Saudi-Arabien so schnell und entschieden gegen die schiitischen Huthi-Milizen und Streitkräfte im Jemen vorgegangen ist. Der schiitische Aufstand könnte sich sehr wohl zu einem Arabischen Frühling in Saudi-Arabien auswachsen.

Der historische Hintergrund des sunnitisch-schiitischen Schismas liegt in dem Disput über die Nachfolge des Propheten Mohammed – er starb im Jahre 632 – als Kalif der islamischen Gemeinschaft. Über die Jahre hinweg waren die sunnitisch-schiitischen Beziehungen sowohl von Zusammenarbeit als auch Konflikten geprägt; sie äußerten sich jedoch niemals in einem vollständigen Krieg, wie wir ihn heute beobachten. Die eigentliche Gewalttätigkeit zwischen den beiden Sekten eskaliert seit der amerikanischen Invasion des Irak im Jahre 2003.

Das sich wiederholende Muster, Spannungen zwischen Sekten im Nahen und Mittleren Osten (in der Hauptsache Sunniten gegen Schiiten) als Instrument einzusetzen, um die Spielregeln zu ändern, läßt stark auf die Einmischung einer dritten Partei schließen. Interessanterweise wurden die Bürgerkriege in Syrien und dem Irak durch eine Reihe von massiven Bombenanschlägen durch anonyme Akteure entzündet – höchstwahrscheinlich handelte es sich dabei um verdeckte Operationen.

Die Wahl der Zeitpunkte dieser Bombenanschläge führte zu einer Eskalation der Gewalt, die alle verbliebenen Möglichkeiten für Gespräche oder Versöhnung ausschlossen. Israel als ein Staat im Nahen Osten, laut arabischer Definition ein zionistischer Aggressor, hat ein genuines Interesse an der Destabilisierung der Region.

Wir können deshalb die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der Mossad bei der Steuerung des Konflikts im Nahen Osten – weg von Arabern gegen Israel hin zu Sunniten gegen Schiiten – seine Hände im Spiel hat.

Um dieses lange geplante israelische Ziel zu erreichen, musste man einen neuen großen Spieler mit neuen Taktiken in der Region einführen. Anstelle der traditionellen militärischen Konfrontation setzt man ISIS ein, um einen neuen asymmetrischen Krieg gegen Israels Feinde im Nahen und Mittleren Osten zu führen. Innerhalb von ein paar Jahren half ISIS  – ausgebildet und ausgerüstet von den USA und infiltriert durch den Mossad – den Israelis Ziele zu erreichen, von denen es seit Jahrzehnten träumt.

Mit dem Beginn der Aufstände des “Arabischen Frühlings” entwickelten sich der Irak und danach Syrien zu Schauplätzen für verdeckte Operationen und Stellvertreterkriege, die alle unter dem Deckmantel des sunnitisch-schiitischen Konfliktes ausgeführt wurden. Auf diesen Schlachtfeldern konnte ISIS gedeihen.

Im Jemen wurden die schiitischen Huthis erst kürzlich vom Iran ermutigt, das Machtvakuum zu nutzen, das infolge der bedrohlichen Aufstände des “Arabischen Frühlings” folgte. Dies geschah zu dem Zeitpunkt, als der Iran gerade ein Abkommen über sein Atomprogramm mit den USA und der EU unter Dach und Fach brachte. Einige Analysten meinen, dass der Iran den Jemen als einen Faustpfand bei den Verhandlungen mit den USA einsetzte. Andere meinen, der Bürgerkrieg zwischen den schiitischen Huthis und den sunnitischen Stämmen wurde provoziert, um die Aufmerksamkeit von der syrisch-irakischen Front abzulenken, über welche der Iran ebenso zunehmend die Kontrolle erringt.

Wichtig ist, dass der Kriegsbeginn im Jemen ein Alarmsignal für die Saudis darstellt. Der Iran unterstützt die Huthis nicht nur aus Gesichtspunkten der regionalen Hegemonie, sondern auch, um die östlichen Grenzen Saudi-Arabiens zu destabilisieren.  Die Iraner setzten die Saudis ganz einfach unter Druck und zeigten den USA ein paar Muskeln.

Die Saudis haben mit dem Spiel angefangen und erzürnten die Iraner, als das Königreich die Rebellen in Syrien unterstützte und den Krieg gegen Assad finanzierte – Irans langjährigen Verbündeten.

All die Zwistigkeiten im Jemen hätten eingedämmt und gelöst werden können, wäre es nicht zu den Bombenanschlägen vom 20. März gekommen. Nach den synchronisierten Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen in der jemenitischen Hauptstadt Saana, bei denen über 140 Huthis getötet wurden, ist das Land nicht mehr dasselbe, das es war.

Die Huthis beschuldigten die Al-Kaida des Jemen, die Anschläge getätigt zu haben, aber Al-Kaida bestritt die Anschuldigungen

In einer späten und zögerlichen Stellungnahme und auf eine Art, als wäre es ein nachträglicher Einfall, übernahm ISIS die Verantwortung. ISIS hat keinerlei Beweise vorgelegt, um seine Behauptung zu manifestieren, keine Bilder oder Videos vom “letzten Willen der Märtyrer”. Man zeigte lediglich editierte Photos mehrerer Individuen, welche die Attentate ausgeführt haben sollen. Nichtsdestoweniger durchschauten die Huthis den ISIS-Bluff und lenkten ihre Gegenschläge gegen den Süden, Richtung Al-Kaida.

Die gebombten Moscheen waren Versammlungsplätze für Mitglieder der Huthi-Rebellen. Nach den zwei Anschlägen brach im Jemen die Hölle los. Die Huthis – in Tateinheit mit den Teilen der Streitkräfte, die loyal zum ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh stehen – dehnten ihre militärischen Operationen im Jemen aus und planten, Aden einzunehmen, nachdem sie schon die Hauptstadt Saana unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Als die von den Saudis angeführte Militärkoalition damit begann, die Hochburgen der Huthis zu bombardieren, brach das Land schnell in Chaos aus.

Die Anschläge auf die Moscheen der Houthis brachten das jemenitische Fass zum überlaufen. Seit dem Beginn des ersten der sogenannten “Arabischen Frühlinge” gab es ähnliche Attacken und Anschläge. Sie alle wurden von anonymen Drahtziehern ausgeführt. Die Anschläge ähneln sich insofern, als sie das kalkulierte Risiko eingehen, jede friedliche Demonstration in einen totalen Krieg und Chaos zu wandeln.

Es ist offensichtlich, dass die Bombenanschläge von Saana, wie auch die früheren Anschläge in Syrien und im Irak, von verdeckten professionellen Agenten ausgeführt wurden – professionell genug, um die regionalen Auswirkungen vorherzusehen.

Im Jemen gibt es viele Verschwörungstheorien über die Anschläge. Eine davon besagt, dass sie von einer Gruppe getätigt wurden, welche ein handfestes Interesse an einem Vorwand für die saudische Invasion  hat. Ein dramatisches Resultat des Krieges im Jemen war auch die Gründung einer neuen “Arabischen NATO- Allianz”.

Wenn man sich vor Augen hält, dass die Streitkräfte der neuen arabischen Allianz den Iran – und nicht Israel – als den Feind der Araber ansehen, braucht man nicht viel nachzudenken, um zu erraten, wer am meisten von den Anschlägen in Saana profitiert.

Quelle: http://www.veteranstoday.com/2015/04/10/israel-and-the-yemen-war/

Der Jemen ist ein Staat in Vorderasien, im Süden der Arabischen Halbinsel. Er ist etwa anderthalbmal so groß wie Deutschland und grenzt im Norden an Saudi-Arabien, im Osten an Oman, im Süden an den Golf von Aden und das Arabische Meer, im Westen an das Rote Meer. Die Staaten Dschibuti und Eritrea liegen etwa 20 bzw. 30 Kilometer entfernt jenseits des Roten Meeres. Die Küstenlänge beträgt 2400 Kilometer; die Binnengrenzen sind 1746 Kilometer lang. Zum Jemen gehören auch die 3814 km² große Inselgruppe Sokotra sowie zahlreiche kleinere Inseln im Bab al-Mandab im Roten Meer und im Arabischen Meer.

Jemen

Jemen

Blick auf Saana

Sanaa liegt mitten im jemenitischen Hochland auf 2200 Meter. Im Osten und im Westen von hohen Bergen eingezäunt und vom Fluß Saila von Nord nach Süd durchflossen. Vielfältig und spontan ist die Architektur von Sanaa, so dass die Blicke immer wieder an den oberen Stockwerken und Dächern hängen bleiben. Die Häuser sind dicht aneinandergedrängt und teilweise abenteuerlich ineinander verschachtelt. Fensterbögen mit bunt ausgelegtem Fensterglas und geometrische Ornamente verzieren die Häuser. Reiche Häuser haben sogar doppelte Fensterbögen.

Im Jahr 1990 vereinigten sich die zwei früheren Staaten Nordjemen (Hauptstadt Sanaa) und die Volksdemokratische Republik Jemen (Südosten, Hauptstadt Aden) zum heutigen Staat. Seit 2013 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen, Anhänger von Ex-Präsident Ali Abdullah Salih, Separatisten des Südjemen, Al-Qaida-Ableger der AQAP, mit der Armee der Zentralregierung um die Macht. In diesem Konflikt gelang es den Huthi-Milizen, die Hauptstadt Sanaa und große Teile des Landes zu erobern, und sie standen kurz vor der Eroberung der provisorischen Hauptstadt Aden. Daraufhin begann Saudi-Arabien unter militärischer Mitwirkung acht anderer Staaten am 25. März 2015 eine militärische Intervention unter dem Namen Sturm der Entschlossenheit zu Gunsten des Staatspräsidenten Hadi. Quelle: Wikipedia

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