Gas-Rush im Mittelmeer — wachsende Spannungen in der Ägäis (Teil 2) — von William Engdahl

Kommentar: Was wir schon lange berichtet hatten, bestätigt sich nun. William Engdahl spricht zwar die potentiellen griechischen Einnahmen in Höhe […]

Kommentar: Was wir schon lange berichtet hatten, bestätigt sich nun.

William Engdahl spricht zwar die potentiellen griechischen Einnahmen in Höhe von 300 Milliarden Euro  [absolute Untergrenze, Anm. v. politaia] in den nächsten 25 Jahren an, verweist jedoch nicht auf die parallel laufende Euro-“Spekulationskrise” hin, welche Deutschland und Österreich plündert, obwohl Griechenland seine Schulden selbst bezahlen könnte. Die griechischen Öl- und Gasfunde werden in der europäischen Presse verschwiegen, während der Druck auf Deutschland wächst.Die Bankster sahnen dreifach ab, nämlich durch ihre Spekulationsgewinne, den Aufkauf der Ölfelder zu Schleuderpreisen und die Bailouts, die von der Bundesbank zu tragen sind . Ein viertes Zuckerl sind die Spannungen, die zwischen den Volksgruppen und den Staaten entstehen. Wie heißt der Slogan der Globalisten? Divide et Impera. [Kommentar Ende]



Wachsende Spannungen wegen der Energiereserven in der Ägäis

von F. William Engdahl

Nach dem Studium im Bereich des östlichen Mittelmeers konzentriert sich William Engdahl auf die vor kurzem in der Ägäis entdeckte Ressourcen, die tief greifende Umwälzungen in der geopolitischen Landschaft versprechen. Im Falle Griechenlands, dessen Reserven und ihre Ausbeutung die Landesschulden tilgen könnten, haben die ausländischen Herren dieses Staates, der seine Souveränität verloren hat, ganz andere Pläne. So kam Hillary Clinton persönlich nach Athen, um die Interessen der Vereinigten Staaten und die ihres Ehemanns Bill in der Region zu verteidigen, wodurch sie den Spannungen mit Russland massenhaft neue Nahrung gab.

Die Entdeckung Ende 2010 erheblicher Reserven von Erdgas in israelischen Gewässern im Mittelmeer hat die Nachbarn angespornt, ihre eigenen Gewässer genauer zu überprüfen. Die Ergebnisse zeigen, dass das ganze östliche Mittelmeer immense unerschlossene Öl und Gas Reserven enthält. Dies hat enorme politische, geopolitische, wirtschaftliche Folgen und könnte auch militärische Auswirkungen haben.

Die ersten Erkundungen haben bestätigt, dass die Öl-und Gasreserven in den Gewässern vor der Küste von Griechenland, der Türkei, Zypern und vor Syrien ganz beeindruckend sind.

Der griechische Energie-Sirtaki

Mit der verheerenden finanziellen Krise des Landes ist es nicht verwunderlich, dass die griechische Regierung sich ernsthaft an die Suche von Öl und Gas gemacht hat. Seitdem sie die Reserven gefunden hat, begann das Land ein eigenartiges Ballett mit dem IWF und den Regierungen der Europäischen Union zu tanzen, eine Art „Energie Sirtaki“, um herauszufinden, wer diese großen Entdeckungen kontrollieren wird und damit, wem sie zuletzt zugutekommen werden.

Im Dezember 2010, als es noch möglich schien, die griechische Krise ohne die Pläne für eine gigantische Rettung oder durch Privatisierung zu lösen, bildete das griechische Ministerium für Energie eine Gruppe von Experten, welche die Aussichten für Öl- und Gasvorkommen in ihren Gewässern studieren sollten. Die Öl- und Gasindustrie des Landes begann nach einer ersten kleinen Entdeckung von Erdöl im Jahr 2009 ihre Investitionen zu erhöhen. Dann wurden größere geologische Untersuchungen durchgeführt. Die ersten Schätzungen ergaben, dass die Ölmenge vor der griechischen Küste im Ionischen Meer im Westen 22 Milliarden Barrel und im Norden und im Osten der Ägäis rund 4 Milliarden Barrel übertreffen würde.  [1]

Die südlichen Teile des Ägäischen Meeres und des Meeres von Kreta sind noch nicht erforscht und die Zahlen könnten sich letztlich als viel höher erweisen. Ein älterer Bericht des Nationalen Griechischen Rates für Energiepolitik kündigte an: ” Griechenland ist eines der am wenigsten erforschten Länder Europas für potenzielle Ölreserven.” [2]. Laut dem Analysten Aristoteles Vassilakisliegen die Erdgasmengen bei $ 9 Billionen“ [3].Auch wenn nur ein kleiner Teil davon verfügbar wäre, würde er ausreichen, die Finanzen Griechenlands und der gesamten Region radikal zu verändern.

David Hynes, der Ölressourcen-Experte der Tulane-Universität (New Orleans) verriet vor kurzem einem Publikum in Athen, dass Griechenland möglicherweise seine Krise und die Rückzahlung der Schulden durch die Ausbeutung der neuen Erdöl- und Erdgaslagerstätten überwinden könnte. Er schätzte, dass diese dem Land mehr als 300 Milliarden Euro in 25 Jahren einbringen könnte. Aber stattdessen muss die griechische Regierung derzeit Gehälter-Kürzungen und Renten Aussetzungen akzeptieren, um ein zweites Darlehen von der EU und dem IWF zu bekommen, was das Land nur noch tiefer auf den Weg des wirtschaftlichen Niedergangs bringen wird.  [4]

Es ist bekannt, dass die Führer des IWF und der EU und auch jene von Deutschland fordern, dass Griechenland seine Häfen und öffentliche Unternehmen, darunter natürlich die Ölgesellschaften des Staates verkaufe, um seine Schulden zu reduzieren. Im besten Fall würde der Verkauf der Anteile des Landes 50 Milliarden Euros bringen [5].Die Pläne sehen vor, dass die öffentliche Erdgas-Firma DEPA, 65 % ihrer Aktien für die Rückzahlung der Schulden privatisiere [6]. Käufer kämen wahrscheinlich vom Ausland, wie es auch für andere griechische Unternehmen in ähnlicher Situation der Fall war.

Das Problem, über die Anforderung des IWF hinaus, dass Griechenland seine Erdölvorkommen verschleudert, liegt in der Tatsache, dass Griechenland keine Ausschließliche Wirtschafts-Zone (AWZ) beantragt hat, wie es die meisten anderen Länder, die nach Öl bohren, gemacht haben. Es gab bis jetzt nur wenig Bedürfnis dazu. Eine AWZ verleiht dem Staat bestimmte Rechte auf die Bodenschätze in seinen Gewässern nach dem im November 1994 in Kraft getretenen Dritten UNO-Übereinkommen über das Gesetz des Meeres. Kraft diesem kann eine Nation eine Exklusivität (AWZ) bis auf 200 Seemeilen vor der Küste für sich beanspruchen [7].

Die Türkei hat schon gesagt, dass sie es für einen „ Kriegsakt” halten würde, falls Griechenland weiter weg in der Ägäis bohren würde [8]. Bisher hatte dies noch keine Folgen, weil keine Öl- oder Gasreserve bekannt war. Das hat sich nun geändert.

Evangelos Kouloumbis, ehemaliger Minister für Industrie sagte kürzlich, dass das Land „50% seines Bedarfs mit dem im Offshore-Bereich in der Ägäis entdeckten Öl abdecken könnte und dass das einzige Hindernis der türkische Widerstand gegenüber einer möglichen griechischen Förderung sei”  [9].

Auch Hillary kann tanzen

Bericht des Epikaira Magazin : „Hillary kam nach Griechenland um Öl-Exploration-Verträge abzuschließen” 21. Juli 2011.

Im Juli 2011 trat Washington dem griechischen „Energie-Sirtaki“ bei. Außenministerin Hillary Clinton besuchte Athen und hatte Energiefragen im Auge. Sie wurde von ihrem Sonderbeauftragten für Euroasiatische Energiefragen Richard Morningstar begleitet. Morningstar war als Berater [Berater heißt Befehlsgeber, Anm. v. Politaia] von Präsident Bill Clinton für Energie-Diplomatie im kaspischen Becken zuständig und ist einer der strategischen Agenten Washingtons in den geopolitischen Kämpfen bei der Zerstückelung der ehemaligen Sowjetunion und der Einkreisung Russland gewesen.

Morningstar und der sehr umstrittene Matthew Bryza waren die wichtigsten Architekten in Washington bezüglich der US-Öl- und Erdgas-Pipelineprojekte, welche die russischen  Lieferungen von Gas in die Europäische Union verhindern sollten. Bryza ist ein Gegner der russischen South Stream-Pipeline, die durch die Länder des Mittelmeers geht [10]. Es ist klar, dass die Obama-Verwaltung nicht neutral zu den neuen Entdeckungen von Öl und Gas steht. Drei Tage nach Hillarys Abfahrt aus Athen hat die griechische Regierung die Errichtung einer neuen staatlichen Agentur vorgeschlagen, welche die  die  Ausschreibungen für Prospektion und Bohren verwalten sollte.

Morningstar ist der amerikanische Wirtschaftsguerilla-Spezialist gegen die russische Energiepolitik. Er unterstützte entscheidend die umstrittenen BTC-Pipeline, welche von Baku ausgehend über Tbilissi in Georgien bis zum türkischen Hafen von Ceyhan verläuft - ein kostspieliges Unternehmen, nur um einen Transit über Russland zu vermeiden. Er hat offen vorgeschlagen, dass Griechenland und die Türkei ihre historischen Auseinandersetzungen über Zypern und viele andere Fragen aufgeben und sich soweit verständigen sollten, ihre Reserven an Öl und Gas in der Ägäis gemeinsam zu verwalten. Er sagte der griechischen Regierung, dass sie die Zusammenarbeit mit Moskau bezüglich der  South Stream-Pipeline und der Burgas-Alexandropolis-Pipeline vergessen sollten  [11].

Laut einem im Juli 2011 veröffentlichten Bericht des Politologen Aristoteles Vassilakis, sei es das Ziel von WashingtonGriechenland und die Türkei zur Vereinigung ihrer Kräfteaufzufordern, die Erträge des Öls und des Gases zu teilen. Nach seinem Bericht schlägt Washington vor, Griechenland 20 % vom Umsatz zuzuschreiben, 20 % der Türkei und dass die US-Firma Noble Energy, die bereits vor der Küste in israelischen und griechischen Gewässern bohrt, den Löwenanteil, nämlich 60 % bekommt [12].

Bill, der Ehemann von Außenministerin Hillary, ist Lobbymann in Washington im Namen der Noble Energy Firma [13]

Zypriotische Komplikationen

Der Zypriotische Präsident Demetris Christofias und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu auf Zypern im Februar 2012.

Als ob diese geopolitischen Komplikationen nicht schon genug wären, hat Noble Energy auch große Mengen von Gas vor der Küste der Republik Zypern entdeckt. Dezember 2011 verkündete das Unternehmen, dass Bohrungen in einem Gebiet gelungen wären, die mindestens 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas versprechen. Charles Davidson, der Generaldirektor von Noble Energy, wies gegenüber der Presse darauf hin, dass „diese neueste Entdeckung zeigt, dass dieses Becken von primärer Wichtigkeit auf globaler Ebene, in Bezug auf Quantität und Qualität ist“. [14].

Zypern ist eine komplizierte Schachfigur. Vor kurzem freigegebene Regierungsdokumente aus den 70er Jahren zeigen, dass Henry Kissinger, der damalige US-Außenminister, die Bewaffnung des Regimes seines ehemaligen Schülers in Harvard und Premierminister Bulent Ecevit aktiv gefördert und erleichtert habe, um 1974 in Zypern eine türkische Invasion  zu organisieren, wodurch die ethnische Teilung der Insel in einen türkischen Teil im Norden und einem anderen griechischen und zypriotischen im Süden erfolgte; eine Teilung, die auch heute noch erhalten bleibt. Die Kissinger-Strategie, von den Briten unterstützt, wurde entwickelt, um einen Vorwand für eine permanente militärische US- und britische Präsenz zu schaffen, um eine militärische Abhörstation im östlichen Mittelmeer während des Kalten Krieges zu erstellen. [15]

Der griechische Teil des Südens, wo Noble Energy große Vorkommen von Gas entdeckt hat, ist heute Mitglied der EU. Sein Präsident, Demetris Christofias, ist der einzige kommunistische Führer der Europäischen Union. Er ist auch ein enger Freund von Israel und Russland. Darüber hinaus ist er sehr kritisch gegenüber der US-Außenpolitik sowie jener der Türkei [16].

Im Moment plant Israel eine Unterwasser-Gasleitung vom israelischen Feld der Levante durch die Hoheits-Gewässer von Zypern bis zum griechischen Festland für die Versorgung des EU-Marktes. Die Regierungen von Zypern und Israel einigten sich auf die Abgrenzung von ihren jeweiligen Wirtschaftszonen und ignorierten dabei die Türkei. Letztere bedrohte Zypern offen aufgrund seiner Vereinbarung mit Noble Energy. Russland reagierte, indem es erklärte, dass es die türkischen Drohungen gegen Zypern nicht dulden würde, was die russisch-türkischen Beziehungen noch ein bisschen mehr kompliziert macht [17].

Die türkisch-israelischen Beziehungen andererseits, einst freundschaftliche Beziehungen, werden in den letzten Jahren unter Erdogans Außenpolitik zunehmend angespannt. Ankara äußerte seine Besorgnis über die jüngsten Zusammenhänge zwischen Israel und seinen historischen Gegnern Griechenland und dem griechischen Teil Zyperns. Die türkische Republik Nordzypern , Verbündete der Republik Türkei, fürchtet, nicht rechtmäßig in der gemeinsamen Nutzung des Gaess behandelt zu werden, nachdem Israel und Nikosia eine Vereinbarung trafen, welche die 250 Kilometer der Meereenge zwischen den beiden Partnern aufteilt. [18]

Beim Blick auf die Karte des östlichen Mittelmeers wird deutlich, dass der große Hunger auf  Öl und Gas und deren Betrieb den Grundstein eines groß angelegten Konflikts in derRegion  legt, welche die strategischen Interessen der Vereinigten Staaten, Russlands, der Europäischen Union, Israels, der Türkei, Syriens und des Libanon betrifft.

Übersetzung
Horst Frohlich
Mit sprachlichen Korrekturen zum besseren Verständnis von Politaia.org

Quelle:

http://www.voltairenet.org/Wachsende-Spannungen-fur-Energie

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