Dies und Das – Abschuss, so oder so – Saker

Syrien hat einen israelischen Militärjet abgeschossen. Oder auch nicht. Und einen zweiten haben sie nicht voll erwischt aber beschädigt. Genug, […]

Syrien hat einen israelischen Militärjet abgeschossen. Oder auch nicht. Und einen zweiten haben sie nicht voll erwischt aber beschädigt. Genug, um die anderen beiden zu einer überstürzten Rückkehr zu zwingen. Oder auch nicht.

Das Fla-System, das dabei zum Einsatz kam, war die S-200, ein noch von Assads Vater angeschafftes und ziemlich altes System. Oder auch nicht.
Das Ganze über Nordsyrien. Oder über oder bei Palmyra. Oder an der Grenze zum Nord-Libanon.

So in etwa stellt sich die Nachrichtenlage dar.

Viele werden nun meinen, das sei keine Nachricht, das sei viel zu unklar und vage; man wisse ja rein gar nichts wirklich. Und sie würden irren.

Tatsächlich sagen einem die Meldungen so einiges.

Die wohl wichtigste Ansage ist die, dass Syrien nicht mehr still hält. Und dass es in Koordination mit Russland handelt. Und dass Russland ein fein abgestimmtes Gerüst des Vorgehens und der Eskalation verlangt und vergegeben hat.

Die Frage „Hat Syrien denn nun einen israelischen Militärjet abgeschossen oder nicht?“ ist relativ bedeutungslos. Die Antwort darauf wäre letztlich eine Formalie. Der wirklich entscheidende Faktor ist weitestgehend der gleiche. Dieser ist die Feststellung, dass Syrien nicht mehr still hält und dass es sich das leisten kann.

Leisten wiederum kann es sich das aus drei denkbaren Gründen:

a) Die Amis haben Israel komplett fallen lassen – äusserst unwahrscheinlich und selbst wenn, wäre es nicht wirklich eine Erklärung, weil es als Falle betrachtet werden müsste.

b) Die Iraner. Auch unwahrscheinlich. Aus verschiedenen Gründen, u.a. dem, dass niemand eine solche Eskalation will, nicht mal die Amis. Aber auch aus dem, dass es ein *russisches* System war oder gewesen sein soll. Das ist keineswegs ein Zufall.

c) Die Russen – die realistischste Variante. Aus allerlei Gründen.

Was sagt uns die „Postkarte“?

Nun, zunächst mal lässt es die Russen aussen vor, denn die S-200 ist ja ein syrisches System; zwar vor Ewigkeiten in Russland gekauft, aber eben seit Jahrzehnten ein syrisches System, in syrischem Besitz und mit syrischen Kräften besetzt und genutzt und zumindest formal unter syrischem Kommando.

Allerdings – und auch das ist Teil der Botschaft – gibt es in der Region jemanden mit etlichen ähnlich alten S-200, von dem bekannt ist, dass er erhebliche Aufwertungen vorgenommen hat, nicht zuletzt die Einbindung in moderne Aufklärungssysteme. Nämlich den Iran.

Und so ist auch der Iran, ähnlich wie Russland, im Spiel; nicht offen und offiziell aber erkennbar und für die Israelis erschreckend, u.a. weil der Iran allerlei alte russische Systeme erheblich modernisiert und kampfwert-gesteigert hat.

Weiterhin sagt uns die Postkarte, dass Russland die Aktion und neue Linie ganz offensichtlich abgesegnet hat; ohne russischen Segen wäre es eine Suizid-Aktion der Syrer gewesen.

Nun ist es aber so, dass Krieg seine eigenen Gesetze hat, teils sehr komplexe Gesetze. Diesen zufolge kann ein Schmetterling, z.B. in Form einer einzige Gewehrsalve, durchaus einen Orkan auslösen, z.B. in Form eines großen Krieges.

Zur Kunst des Krieges – oder sollte ich sagen des Kriegs-Schach? – gehört also keineswegs nur, wie der Laie meint, das Handwerk des Kampfes.

Ein brillanter General ist nicht jener, der einfach wie ein Dirigent seine Truppen zu einer mehr oder weniger optimalen Symphonie des Kampfes führt. Nein, es ist jener, der das Schachspiel des Krieges beherrscht und der diverse und komplexe Mitteilungen und Situationen entziffern, verstehen, und auch selbst verfassen kann. Es ist jener, der die ersten Schritte, die dem Laien noch gar nicht als kriegerisch, ja, vielleicht nicht einmal als militärisch (relevant) erkennbar sind, so gestaltet, dass die weiteren Züge bereits weitgehend festgeschrieben sind – und zwar zu eigenen Gunsten. Und es ist jener, der das Potential von Ansagen und deren Schattierungen zu verstehen und zu nutzen weiss und so Kriege möglichst gar nicht erst zu Kriegen werden lässt, sie aber zugleich, sozusagen im Stadium der Entstehung gewinnt (-> Krim Befreiung).

Das Schachspiel, von dem wir hier reden, ist eines, in dem Israel zum einen die bisher undenkbare Option der Niederlage und Vernichtung aufgezeichnet wird und zum anderen die Einladung bestätigt wird, mit am Tisch zu sitzen in der neuen multipolaren Weltordnung – und zwar lebend.

Und ich bitte zu bemerken: Die bisherige Situation existiert bereits nicht mehr. Nun gibt es eine neue Situation, eine, in der Israel nicht mehr ungestraft und ganz nach Laune marodieren darf und kann.

Falls es das nicht verstehen sollte, dann werden demnächst hässliche Verluste durch noch stärker modernisierte Waffensysteme entstehen. Und irgendwo am Ende dieses Weges, den Israel besser nicht beschreiten sollte, würde es dann direkt mit russischen Waffen konfrontiert und zwar mit der Sorte, die keine vagen Nachrichten-Situationen entstehen lässt, sondern erschreckend gewiss für abgeschossene israelische Flieger sorgt, dokumentiert von russischen Drohnen und anderen Systemen.

Aber obgleich es hierzu noch einiges mehr zu sagen gäbe, möchte ich noch auf etwas anderes eingehen, insbesondere auf zwei Dinge.

Zum einen hat Russland damit auch eine Aussage in Richtung usppa gemacht – und zwar keineswegs zufällig wenige Tage, nachdem die Amis dreist mit wehenden ami Fetzen auf ihren Fahrzeugen in Syrien aufgetaucht sind. Die Ansage ist sehr ähnlich jener, die man Israel gemacht hat. Die Amis sollten sich darauf einrichten, sehr sehr artig zu agieren in Nordsyrien, oder aber von syrischen Truppen mit erstaunlich gestärkten Fähigkeiten und Mitteln vernichtet zu werden.

westjordanKurz, Russland hat klar gemacht, dass es keinen Millimeter von der großen Linie der neuen Weltordnung abweichen wird und dass es gewillt – und ganz zweifellos auch in der Lage – und übrigens im großen geostrategischen Vorteil ist, das mit allen erforderlichen Mitteln durchzusetzen.

Zum anderen hat Russland mit seiner Postkarte noch etwas klar gemacht und damit eine drastische Änderung des Status Quo herbeigeführt und zwar in der Palästina-Israel-Frage und nebenbei auch noch in der Libanon-Frage.

Die bisherige Situation war gekennzeichnet dadurch, dass Israel, abgesehen von ein bisschen polit-blabla der NATO-Länder, im wesentlich ganz nach kriminellem Belieben verfahren konnte und das auch tat. Ich erinnere nur an das Beispiel der akut illegalen aber international tolerierten oder sogar ignorierten Besetzung – und Ausbeutung – der Golan-Höhen.

Und während das alles Jahrzehnte lang so geschah und unter „Zwei-Staaten Lösung“ Geplapper der NATO-Länder, raubte Israel de fakto einfach dreist immer mehr palästinensische Flächen und trieb die Palästinenser immer weiter richtung Ausrottung.

golan_heights_400Putin ist – und hat dabei weite Teile der Russen hinter sich – ein Verfechter des Rechts, um nicht zu sagen, getrieben und fast besessen von der Vorstellung, Recht sei der unbedingte Maßstab des Handelns. Gleich, ob er das offen ausspricht; so jemand kann in Sachen Palästina-Israel nur eine Position vertreten, die nämlich der Gebietsaufteilung von 1949 oder maximal die von 1967. Beides würde äusserst erhebliche Einbußen für Israel bedeuten und zudem die Frage von Reparations- (und Säuberungs-) Zahlungen durch Israel aufwerfen.

Was die Trump-Administration zu all dem meint, ist übrigens weitgehend belanglos. Die entscheidende Macht im Nahen Osten ist nun klar Russland. Wie hart die Amis das erklärt brauchen, wieviele Tote sie z.B. in Norden Syriens brauchen, um das zu begreifen ist ihr Problem – das Ergebnis aber wird jedenfalls das sein, was Russland als korrekt und notwendig erachtet.

Quelle

 

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