Die FSA, das Licht eines verloschenen Sterns — von Thierry Meyssan

Obwohl die französische Presse  einmal mehr den “unmittelbaren Umsturz” in Syrien und die von “Flucht von Baschar el-Assad” ankündigt, hat […]

Obwohl die französische Presse  einmal mehr den “unmittelbaren Umsturz” in Syrien und die von “Flucht von Baschar el-Assad” ankündigt, hat sich die Realität am Boden völlig geändert. Die “befreiten Zonen” schmelzen wie der Schnee in der Sonne. Jeglicher Stützpunkte beraubt, hat die FSA keinerlei Perspektiven mehr, während Washington und Moskau die Vorbereitungen zum Ende der Partie einläuten.

Der Countdown hat begonnen. Sobald die neue Obama-Administration vom Senat bestätigt worden ist, wird sie einen Friedensplan für Syrien im UN-Sicherheitsrat vorlegen. Obwohl Präsident Obama sein eigener Nachfolger ist, hat  seine ehemalige Regierung laut Gesetz nur das Recht, Routinesachen zu beenden und kann keine wichtigen Initiativen ergreifen. Politisch hatte Barack Obama nicht reagiert, als im vollen Wahlkampf einige seiner Kollegen das Genfer Abkommen zum Scheitern gebracht hatten. Aber er unternahm die große Säuberung, als er wiedergewählt war.

Wie erwartet ist General David Petraeus, Architekt des Krieges in Syrien, in die vorbereitete Falle getappt und musste zurücktreten. Wie erwartet wurden die gegen ein Abkommen mit der Russischen Föderation eingestellten NATO-Bosse und Vertreter des Anti-Raketen-Schildes mit Ermittlungen wegen Korruption überzogen und zum Schweigen gezwungen. Wie erwartet wurde Außenministerin Hillary Clinton außer Gefecht gesetzt. Nur die Methode ihrer Beseitigung überraschte: ein schwerer “krankheitsbedingter Unfall”, der sie in ein Koma gestürzt hatte.

Auf der Seite der Vereinten Nationen gingen die Dinge inzwischen weiter. Die Abteilung für friedenserhaltende Maßnahmen unterzeichnete ein Protokoll mit der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) im September. Sie leitete im Oktober in Kasachstan ein Manöver von der OVKS, welches den Einsatz der “blauen Pelzmützen” in Syrien simulierte. Im Dezember versammelte sie die militärischen Vertreter der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, um ihnen zu zeigen, wie dieser Einsatz stattfinden könnte. Obwohl sie diese Lösung nicht teilten, beugten sich Franzosen und Briten dem Willen der Vereinigten Staaten.

Gerade auf dem Boden ist die syrische Regierung in einer starken Position. Die militärische Lage hat sich geändert. Die Franzosen selbst haben aufgehört, von “befreiten Gebieten” zu reden, welche sie mittels eines Mandates der Vereinten Nationen verwalten wollten. Diese Bereiche sind immer weiter geschrumpft, und da, wo sie weiterbestehen, sind sie in Händen von wenig vorzeigbaren Salafisten. Die FSA-Truppen erhielten Befehle, ihre Positionen aufzugeben und sich um die Hauptstadt herum für einen letzten Angriff zu formieren. Die Contras hofften, die palästinensischen, überwiegend sunnitischen Flüchtlinge gegen das multireligiöse Regime aufzuwiegeln zu können, so wie Hariri im Libanon versucht hatte, die sunnitischen Palästinenser aus dem Lager von Nahr el Bared gegen die schiitische Hisbollah aufzuhetzen. Wie im Libanon scheiterte dieses Projekt, weil die Palästinenser sehr wohl wissen, wer ihre Freunde sind und wer wirklich für die Befreiung ihres Landes kämpft. Insbesondere im israelischen 8-Tage-Krieg gegen Gaza sind es die iranischen und syrischen Waffen, die den Unterschied ausmachten, während die Golf-Monarchien nicht den kleinsten Finger rührten.

Einige dem Khaled Mechaad treue und vom Katar finanzierte Elemente der Hamas haben hunderten Kämpfern der Unterstützungs-Front für die Kämpfer in der Levante (syrisch-libanesischer Zweig der Al-Kaida mit Verbindungen zu Katar) die Tore des Lagers Yarmouk geöffnet. Sie kämpften vor allem gegen die Männer der Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando ( PFLP-GC). Die syrische Regierung hat die 180.000 Einwohner des Lagers per SMS aufgefordert, den Ort schnellstens zu verlassen und bot ihnen eine vorübergehende Unterbringung in Hotels, Schulen und Gymnasien von Damaskus an. Einige zogen es vor, den Libanon zu erreichen. Am nächsten Tag hat die syrische arabische Armee das Lager mit schweren Waffen angegriffen und seine Kontrolle übernommen. 14 Palästinensische Organisationen unterzeichneten dann eine Erklärung, die das Camp zur “neutralen Zone” deklarierte. Die FSA-Kämpfer zogen sich in einwandfreier Ordnung zurück und setzten ihren Krieg gegen Syrien auf dem Lande fort, während die Zivilisten ihre Häuser oder die Ruinen ihrer Häuser wiederaufsuchten.

Strategisch gesehen ist der Krieg schon vorbei: Die FSA hat alle populäre Unterstützung verloren und hat keine Chancen mehr auf Sieg. Die Europäer denken immer noch, sie könnten das Regime durch Bestechung von hochrangigen Offizieren „wechseln“ und einen Staatsstreich provozieren, aber sie wissen, dass sie es nicht mit der FSA zustande bringen werden. Die Contras kommen weiter, aber der Strom von Geld und Waffen versiegt. Ein großer Teil der internationalen Unterstützung wurde eingestellt, obwohl man die Folgen auf dem Schlachtfeld noch nicht sieht, so wie wie ein Stern lange nach seinem Tod noch leuchtet.

Die USA sind eindeutig entschlossen, das Blatt zu wenden und die FSA zu opfern. Sie selbst gaben die stupiden Befehle, welche die Contras in den Tod schickten. Letzten Monat kamen mehrere Tausend ums Leben. Zur gleichen Zeit kündigt der National Intelligence Council in Washington zynisch an, dass der “internationale Dschihadismus” bald verschwinden wird. Andere Verbündete der Vereinigten Staaten sollten sich nun fragen, ob der neue Wind nicht bedeutet, dass man auch sie opfern wird.

Übersetzung
Horst Frohlich (mit sprachlichen Änderungen durch politaia.org)

http://www.voltairenet.org/article176996.html

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