Kolonialkriege des Westens: Nun kommt Mali an die Reihe

Im Zuge der Rekolonisierung Afrikas sind nun Truppen Frankreichs und, wie Le Figaro meldet, Deutschlands nach Mali verfrachtet worden. Das […]

CFA-Franc-Zone

Im Zuge der Rekolonisierung Afrikas sind nun Truppen Frankreichs und, wie Le Figaro meldet, Deutschlands nach Mali verfrachtet worden. Das Kriegsministerium in Berlin streitet ab, dass es deutsche Soldaten an der Operation in Mali teilnähmen. Frankreich hält Westafrika ohnehin für seinen Besitz und hat dort seine Truppen nie vollständig abgezogen.

Frankreichs unangefochtene politische, wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung in seinen ehemaligen Kolonien in Afrika südlich der Sahara beruht auf einer Währungseinheit, dem CFA-Franc. Diese 1948 ins Leben gerufene Währung sollte es Frankreich erlauben, das Schicksal seiner vierzehn ehemaligen Kolonien – Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun, Äquatorialguinea, Guinea Bissau und den Tschad - zu bestimmen. Selbst nachdem diese Länder vor mehreren Jahrzehnten ihre Unabhängigkeit erreicht hatten, wurde die Franc-Zone* beibehalten[1].

Französische und deutsche Soldaten haben am Donnerstag in der zentralen Region von Mali ihre Stellungen bezogen, während einheimische Islam-Kämpfer eine Offensive im Norden des Landes führen, wie die französische Tageszeitung „Le Figaro“ am Freitag schreibt.

Der französische Fernsehsender BFM TV hat die Berichte über die Stationierung eines französischen Militärkontingentes in Mali unter Berufung auf den Apparat von Präsident Francois Hollande bestätigt. Die Personalstärke der Truppe wurde allerdings nicht mitgeteilt.

Angesichts der jüngsten Offensive radikaler Islamisten in Mali hatte der Präsident der malischen Übergangsregierung am Donnerstagabend ein offizielles Gesuch um militärische Hilfe an Frankreich gerichtet. Die Extremisten hatten zuvor die Ortschaft Konna nahe der strategisch wichtigen Stadt Mopti eingenommen und die malische Armee von dort vertrieben. Sollte ihnen die Eroberung Moptis gelingen, wäre die Hauptstadt Bamako unmittelbar bedroht[2].

Schon am Donnerstagabend waren zwei ausländische Militärtransportflugzeuge mit Soldaten und nach unterschiedlichen Angaben zwei oder vier Kampfhubschrauber in Sévaré bei Mopti gelandet, um der bedrängten malischen Armee beizuspringen. Ein namentlich genanntes Mitglied der malischen Regierung sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei den ausländischen Soldaten handele es sich neben „einigen anderen Europäern überwiegend um Franzosen“. Frankreich unterhält mehrere Stützpunkte in der Nähe Malis, unter anderem in der Elfenbeinküste, in Burkina Faso, in Mauretanien sowie in Senegal. In Tschad unterhält die französische Armee eine Staffel mit modernen Kampfflugzeugen. Das deutsche Verteidigungsministerium verneinte auf Anfrage die Präsenz deutscher Soldaten in Mali [3].

Merkel erklärte im November 2012 nach Gutsherrenart die Bereitschaft Deutschlands, sich an einer Ausbildungs- und Unterstützungsmission der EU für den Kampf der Regierung in Mali gegen “radikale Islamisten” zu beteiligen. “Freiheitliche demokratische Staaten können nicht akzeptieren, dass der internationale Terrorismus im Norden des Landes ein sicheres Rückzugsgebiet erhält”, log Merkel auf einer Bundeswehrtagung in Strausberg bei Berlin [4].

Die Bereitschaft Deutschlands? Sind Sie gefragt worden? So ganz nebenbei erfährt man, dass sich die zur NATO-Söldnerarmee umgebaute Bundeswehr nun auch im Senegal einmischt (siehe Video unten). Die Einsätze sind von langer Hand vorbereitet und werden vom US-AFRICOM und seine alliierten Hilfstruppen durchgeführt [5].

Die Situation in Mali

Mali ist mit einer Fläche von 1,24 Mio. km² fast viermal so groß wie die BRD. Das Land reicht von der Oberguineaschwelle im Süden über das Nigerbecken und die Sahelzone im Zentrum des Landes bis in die Sahara, die ca. 60 % der Landesfläche einnimmt.

Mali leidet an einer anhaltenden Landflucht. Sie ist ein Beweis dafür, dass in der Realität die neoliberalen Kreditauflagen und Entschuldungsprogramme des Internationalen Währungsfonds (IWF), gekoppelt mit einer seit Jahrzehnten praktizierten aggressiven Freihandelspolitik, längst die Herrschaft übernommen haben und von einer eigenständigen staatlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr die Rede sein kann. Hinzu kommen zahlreiche bilaterale Wirtschaftsabkommen mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die die betroffenen afrikanischen Länder zwingen, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu liberalisieren, und europäischen Unternehmen den Zugang zu den lokalen Märkten zu eröffnen.

Im Gefolge der Finanzkrise haben sich die Getreideimporte nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) in den letzten Jahren um bis zu 50 Prozent verteuert.
Die Gründe für diese Nahrungsmittelkrise liegen in einer von den USA und der EU jahrzehntelang durchgesetzten Politik, in der internationale Institutionen wie Weltbank und IWF die afrikanischen Länder zwangen, die staatlichen Subventionen für die Landwirtschaft zu streichen und die lokale Agrikultur in die globale Wirtschaft zu integrieren. Als Resultat wird Getreide exportiert, die regionalen Märkte zerfallen, die Landflucht verstärkt. Die eklatante Umweltverseuchung durch den Uran- und Goldbergbau ausländischer Konzerne verschärft die Problematik.

Seit Mitte Januar 2012 eskalieren gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rebellierenden Tuareg und den Streitkräften Malis. Unmittelbarer Auslöser des Konflikts ist die Rückkehr tausender Tuareg aus Libyen; dort standen sie seit Jahren in den Diensten der Armee, kämpften zuletzt auf Seiten Muammar al Gaddafis und mussten nach dem Ende des Bürgerkrieges in ihre Heimatregionen in der Sahelzone zurückkehren, in denen prekärste Lebensbedingungen herrschen. Insbesondere im Norden Malis kam es daraufhin zu massiven sozialen Unruhen; der seit 2009 notdürftig befriedete Konflikt zwischen der Regierung und den um größere Eigenständigkeit kämpfenden Tuareg flammte wieder auf. Im Norden Malis hat er mittlerweile das Ausmaß eines Bürgerkrieges angenommen. Aufgrund der Eskalation des Konflikts befinden sich Angaben der UNO zufolge inzwischen mehr als 170.000 Menschen auf der Flucht. Betroffen sind neben Mali vor allem Niger und Mauretanien.

Westliche Presse schreit Zeter und Mordio

Nachdem so der Boden für die Pläne der Globalisten vorbereitet wurde, treten nun die “radikalen Islamisten” auf den Plan und zerstörten ausgerechnet ein UNESCO-Kulturerbe. Sogleich wird allenthalben der Ruf nach einer Intervention der “Internationalen Gemeinschaft” laut. Und zufällig ist die Gruppe, welche die Zerstörungen in Timbuktu anrichtete mit dem CIA-Terrornetzwerk Al-Kaida verbandelt. Was für ein Zufall.

“Islamistische Extremisten setzten nach Augenzeugenberichten auch am Montag ihr Zerstörungswerk am Weltkulturerbe in den malischen Städten Timbuktu und Gao fort. Die bewaffneten Angreifer seien dabei, weitere Mausoleen und Denkmäler zu zerschlagen, berichtete Hamsatou Mohamed aus Timbuktu der Nachrichtenagentur dpa telefonisch. Internationale Organisationen und Regierungen äußerten sich bestürzt über die Zerstörungen. Bereits am Wochenende seien 7 der 16 Mausoleen Timbuktus zerstört worden, berichtete die Angestellte. Die Wächter seien aus Furcht vor den Islamisten geflohen. „Sie wollen einfach alles, was uns wichtig ist, zerstören und sind nicht zu stoppen.“ Die Regierung von Mali beklagte, die Zerstörungen seien „so schrecklich wie Kriegsverbrechen“. Die Regierung will die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft um Hilfe bitten, um die Gewalttaten zu beenden……..” (http://www.focus.de/politik/ausland/konflikte-weitere-zerstoerungen-in-timbuktu_aid_776036.html)

“Die Welterbestätten der Stadt sind zumeist aus fragilem Lehm, und es sind eine ganze Reihe solcher Trupps, die in ihrer Zerstörungswut durch die Stadt ziehen – Angehörige der Rebellengruppe Ansar Dine (Verteidiger des Islam), der Verbindungen zum Terrornetzwerk AL-Kaida nachgesagt werden. Ansar Dine hält seit mehreren Monaten die Macht über die Stadt mit gut 50.000 Einwohnern, …….” (http://www.welt.de/kultur/history/article107621987/Welterbe-von-Timbuktu-im-Fokus-der-Islamisten.html).

Mali hat große Vorkommen an Gold und Uran.

UN-Sicherheitsrat dringt auf raschen Einsatz

Auf Grundlage der UN-Resolution 2085 laufen Vorbereitungen für die Bildung einer 3300 Soldaten umfassenden afrikanischen Einsatztruppe. Bislang hatte der UN-Sicherheitsrat einen möglichen Kampfeinsatz dieser afrikanischen Truppe von zahlreichen Bedingungen abhängig gemacht und es ausdrücklich vermieden, ein Datum für ein militärisches Vorgehen gegen die Islamisten zu nennen. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Situation plädierte aber auch der Sicherheitsrat inzwischen für eine „rasche Entsendung“ der überwiegend aus Westafrika stammenden Truppe.

[1] http://www.politaia.org/sonstige-nachrichten/dass-franzosiche-konlonialreich-im-gewande-der-cfa-zone/

[2] http://de.rian.ru/security_and_military/20130111/265303996.html

[3] http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/krieg-in-westafrika-hollande-schliesst-kampfeinsatz-in-mali-nicht-aus-12021580.html

[4] http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/merkel-kuendigt-mali-einsatz-an–64852510.html

[5] http://www.politaia.org/rustung/das-u-s-africom-setzt-seine-imperialistische-agenda-um/

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