Trump: Die Klarstellung

Zwei Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus sollte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, seine Einstellung hinsichtlich der […]

Zwei Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus sollte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, seine Einstellung hinsichtlich der von seinen Vorgängern geplanten Umgestaltung des erweiterten Mittleren Ostens, klarstellen. Wenn er wirklich dem Djihadismus ein Ende setzen will, sollte er die Widerstandsfähigkeit Syriens würdigen und in einem Zug die Positionen von Großbritannien, Saudi-Arabien und die Türkei neu ausrichten.

von Thierry Meyssan

Bereits mit der Ernennung des neuen Verteidigungsministers General James Mattis hatte Donald Trump um Pläne gebeten, die es ermöglichen sollten, nicht nur hier und dort Djihadisten umzusetzen oder sich auf die einen oder die anderen zu stützen, sondern sie Alle zu eliminieren.

Während seiner Rede vor dem Kongress am 28. Februar hat er bestätigt, dass es sein Ziel ist, mit dem “radikalen islamischen Terrorismus” Schluß zu machen. Um Interpretationsfehler zu vermeiden, hat er präzisiert, dass sowohl Moslems wie Christen beide Opfer dieses Terrorismus sind. Er ist somit nicht gegen den Islam, sondern nur gegen eine politische Ideologie, welche islamische Rechtfertigungen benutzt.

Es sieht ganz danach aus, dass die US-Kommandokette bald korrigiert werden soll. Einmal die Ziele und Mittel von Trump fixiert, hätten die Militärs freie Hand, um eine Operation so durchzuführen, wie es ihnen gut erscheint. Die Verantwortungen wären somit von Anfang an aufgeteilt: Das Pentagon hat die Fehler, das Weiße Haus die Niederlagen zu übernehmen.

Deshalb ist es nur angemessen, so schnell wie möglich die Haltung der USA gegenüber der Arabisch-Syrischen Repubik zu präzisieren. Sie müsste am 22. März in Washington während einer Zusammenkunft der Anti-Daesh-Koalition angekündigt werden, an welcher auch Außenminister Rex Tillerson teilnehmen wird. Zumindest kann man für den Augenblick sagen, dass sich in diesem Punkt nichts geändert hat: Botschafterin Nikki Haley hat im Sicherheitsrat das n-te Projekt einer franko-britischen Resolution gegen Syrien unterstützt und das sechste chinesische und das siebte russische Veto kassiert.

Der syrische UNO-Botschafter Bachar Jaafari hat angeprangert – dass hinter dem franko-britischen Manöver, ohne Beweise und einzig auf Grundlage von angeblichen Zeugen, die sich aus Aggressoren zusammensetzen, Anschuldigungen zu erheben – nur der Versuch stehe, einen Regime-Change zu rechtfertigen und Israel, trotz des Atomwaffensperrvertrages, die Absolution für den Besitz der Atombombe zu erteilen.

Den Djihadismus zu beenden würde bedeuten, den gemeinsamen Plan Washingtons und Londons, den erweiterten Mittleren Orient umzumodellieren, um dort überall die Moslembrüder an die Macht zu bringen, aufzugeben. Das hieße anzuerkennen, dass der “arabische Frühling” nichts anderes war, als die Neuauflage der “arabischen Revolte” 1916 durch die CIA und den MI6.

Das würde das Vereinigte Königreich zwingen, eine Landkarte aufzugeben, an der es seit einem Jahrhundert geduldig zeichnet; für Saudi-Arabien würde es bedeuten, die weltweite Arabische Liga niederzureißen, welche seit 1962 die Djihadisten koordiniert; für Frankreich, von seiner Phantasie eines neuen Mandates in Syrien abzulassen; und für die Türkei, damit aufzuhören Pate ihrer politischen Organisationen zu sein. Es handelt sich also wahrscheinlich nicht allein um eine US-Entscheidung, sondern es werden mindestens vier weitere Staaten mit einbezogen.Sykes-Picot-Agreement-of-1916

Trotz des Anscheins, geht diese Entscheidung weit über Syrien hinaus. Sie führt uns zum möglichen Ende angelsächsischer Machtpolitik und ihren unzähligen Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen. Es handelt sich in der Tat um das Wahlprogramm Donald Trumps, aber niemand weiß bis jetzt, ob er dieses gegen den außergewöhnlichen Widerstand der US-Eliten auch wirklich wird ins Werk setzen können.

Der Chef des Vereinigten Generalstabs, General Joseph Dunford, hat seinerseits kürzlich an einer Zusammenkunft mit seinen entsprechenden türkischen und russischen Kollegen in Ankara teilgenommen. Es ging darum, Störungen der Armeen untereinander – auf einem Schlachtfeld mit vielfältigen Akteuren – zu vermeiden. Der Iran war nicht eingeladen worden, wobei man davon ausging, dass seine bewaffneten Kräfte auf dem Terrain – im Gegensatz zur HIsbollah – sich seit langem schon darauf beschränken, nur ihre schiitischen Bevölkerungsanteile zu verteidigen.

Während also die arabisch-syrische Armee Palmyra erneut befreit hat, wurde das US-Kontigent, welches illegal auf syrischem Boden weilt, auf 900 Mann aufgestockt. Es hat Nordsyrien durchquert, wobei es sich möglichst deutlich bemerkbar gemacht hat.

Die wichtigste praktische Frage wäre zu erfahren, auf welche Truppen die USA rechnen, sich bei dem Angriff auf Rakka zu stützen. Die Presse erzählt unablässig, dass das Pentagon auf die Kurden der YPG zählt, andere Quellen hingegen rufen eine mögliche Wiederholung des Schemas von Mossul auf – US-Berater welche die nationale Armee einrahmen.

Während der Zusammenkunft in Ankara schien General Dunford vor allem mit vorhersehbaren türkisch-kurdischen Konflikten beschäftigt gewesen zu sein, dies umso mehr, als sich ein Teil der YPG dazu entschlossen hatte, sich gegenüber einem möglichen türkisch-mongolischen Einfall unter den Schutz von Damaskus zu stellen.

Erst am 22. März werden wir wissen, ob Präsident Trump eingesteht, dass die Obama-Administration ihren Krieg gegen Syrien verloren hat und ob seine Absicht, den Djihadismus ausradieren zu wollen, seriös ist. Was wird dann aus denen, die während eines Jahrhunderts treue Erfüllungsgehilfen der britischen Politik waren?

Übersetzung
Ralf Hesse

Quelle
Al-Watan (Syrien)

http://www.voltairenet.org/article195614.html

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