Update: Der Abt des Vatopedi-Klosters (Athos) in U-Haft

Athen — Wegen seiner Verwicklung in einen millionenschweren Immobilienbetrug hat die griechische Justiz gegen den Abt des Vatopedi-Klosters auf dem […]

Athen — Wegen seiner Verwicklung in einen millionenschweren Immobilienbetrug hat die griechische Justiz gegen den Abt des Vatopedi-Klosters auf dem Berg Athos Untersuchungshaft angeordnet. Nach Angaben der griechischen Justiz werden dem Abt Efraim Geldwäsche und Betrug vorgeworfen. Er soll versucht haben, sich auf Kosten des Staates bei einem Immobiliendeal ein lukratives Bürogebäude nahe Athen zu erschleichen.

Immobilienskandal (Wikipedia)

Das Kloster und sein aus Zypern stammender Abt Efraim stehen im Mittelpunkt eines Immobilienskandals, der die Regierung des Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis aufs Schwerste erschüttert. Hauptstreitpunkt im Skandal um umstrittene Immobilientransaktionen zwischen dem griechischen Staat und dem Kloster ist der Vistonida-See. Der See war dem Kloster angeblich vor fast 1000 Jahren von byzantinischen Kaisern vermacht worden. Obwohl die Besitzansprüche des Klosters streitig waren, wurden sie vom Staat anerkannt. Im Tausch gegen den See mit seiner gesamten Wasseroberfläche und allen Ufergrundstücken erhielt das Kloster 260 werthaltige Grundstücke in touristisch entwickelten Gebieten, auch im Olympiadorf in Athen, die es teilweise sogleich mit Gewinn weiterverkaufte. “Sie haben dem Staat den See – sprich «Luft» verkauft – und dafür wertvolle Büros, Grundstücke und Gebäude in Athen zum Austausch bekommen” kritisierte die Opposition[1].

Im lauschigen Innenhof des Klosters

Der dem Staat entstandene Schaden, der dadurch entstanden ist, dass die vom Kloster beanspruchten Seegrundstücke stark überbewertet und die staatlichen Tauschgrundstücke stark unterbewertet wurden, wird mit 100 Millionen Euro beziffert[2]. Der Immobilienskandal führte bereits zum Rücktritt des in die Immobiliengeschäfte verwickelten Handelsmarineminsters Giorgos Voulgarakis. Zwei Staatsanwälte traten zurück, weil sie von der Regierung in ihrer Ermittlungstätigkeit behindert worden seien[3] Unter starken Beschuss der Opposition geriet ferner der Regierungssprecher Staatsminister Theodoros Rousopoulos, ein Freund des Vatopedi-Abtes Efraim und gleichzeitig enger Vertrauter von Ministerpräsident Kostas Karamanlis; Rousopoulos trat am 23.Oktober 2008 zurück.

Der Immobilienskandal um das berühmte Kloster auf dem Berg Athos im Nordosten Griechenlands hatte zwei Minister der konservativen Regierung von Kostas Karamanlis zum Rücktritt gezwungen und zu dessen Wahlniederlage im Herbst 2009 beigetragen. Im Dezember 2010 waren der Abt und seine rechte Hand, der Mönch Arsenios, bereits zu einer mehrmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil sie einen Richter zu korrupten Machenschaften verleitet hatten.

Soweit die Meldung und hier nun eine Stellungnahme zum Skandal von der Seite des Klosters:

Verlautbarung

Heiliger Berg im Jahre 2009

Informations-Bulletin in Sachen des Klosters Vatopaidi:

Während der soeben vergangenen Monate hat sich eine Aufregung ohnegleichen erhoben, was die Nutzung des Besitzes des Klosters und insbesondere den Tausch des Vistonida-Sees betrifft, aber auch in Bezug auf die Verwendung der finanziellen Mittel, die sich daraus ergeben haben.

Der Abt und die ganze Bruderschaft des Heiligen Klosters Vatopaidi bringen hiermit ihre tiefempfundene Traurigkeit darüber zum Ausdruck und bitten Christi Herde um Verzeihung, weil wir Ihnen ganz ohne unsere Absicht – und ohne dies vorausgesehen zu haben – zu einem Stolperstein geworden sind.

Weiterlesen…

Der hier folgende Text stellt eine Reihe von Tatsachen und Beweisen dar, die dazu verhelfen werden, die Angelegenheit klarzustellen.

Kurzer historischer Rückblick:

Das Kloster Vatopaidi wurde im 4. Jahrhundert von Kaiser Theodosius dem Grossen gegründet. Später wurde es zerstört und aufgelassen. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurde es renoviert von seinen Neugründern Nikolaos, Athanassios und Antonios. Das Kloster hat sich über die Jahrhunderte hinweg als eines der grössten Zentren der Orthodoxie unter Beweis gestellt, da in ihm die Praxis des Hesychasmus gelebt wurde, und eine ganz Schar von Heiligen daraus hervorging. Zugleich betätigte sich das Kloster auf vielfältige Weise in der Missionsarbeit, sowohl binnen Griechenlands als auch ausser halb dessen.

Das Kloster hat in seiner mehr als tausendjährigen Geschichte einen unschätzbaren Beitrag an das Leben des Griechischen Volkes geleistet. Während der türkischen Herrschaft hat das Kloster im Jahre 1749 die Athonias Akademie gegründet, und wie es wohlbekannt ist, war sie die wichtigste Bildungseinrichtung für die unterjochten Griechen. Sie brachte eine Anzahl herausragender Persönlichkeiten hervor wie etwa einen apostelgleichen Kosmas Aitolos, wie einen Rigas Ferraios und wie zahlreiche Lehrer für das Griechische Volk.

An die Revolution im Jahre 1812 hat das Kloster grosszügige wirtschaftliche Hilfe geleistet, und Grigorios, der Metropolit von Eirinoupolis, spendete seinen Segen über das Banner der Revolution in den Fürstentümern Transdanubiens, wobei er selbst eine halbe Million Piaster dazu beisteuerte. Das Kloster hat auch zur Neugründung der Grossen Bildungsstätte der Nation – der Universität von Athen und der Theologischen Schulde von Chalki – seinen Beitrag geleistet. Ferner unterstützte es den Aufbau einer Sprachschule in Konstantinopel, aber auch die meisten Bildungseinrichtungen im Griechischen Staat.

Im Jahre 1912 rettete es die Einwohner von Vrasna und Stavros auf Chalkidiki vor dem sicheren Tod, indem es den Türken eine erpresste Steuer bezahlte, welche die Menschen aus den Dörfern selbst zu bezahlen nicht imstande waren. Nach dem Grossbrand in Thessaloniki im Jahre 1917 spendete es grosszügige finanzielle Hilfe an die Bedürftigen. Nach dem Zusammenbruch in Kleinasien im Jahre 1923 und nach der gegenseitigen Umsiedlung der Bevölkerung übereignete das Kloster zunächst 6‘200 Hektaren Land und bald darauf noch einmal 3‘800 Hektaren, damit die Flüchtlinge sich darauf niederlassen konnten. Das Land befand sich auf Thasos und Chalkidiki (Ouranopoulis, Nea Triglia, Nea Roda sowie die ganze Insel Amouliani, Moudania, Vatopedi und Hagios Mamas).

Bestrebungen, das Kloster zu restaurieren

In den 1950er Jahren blieben Berufungen zu einem Leben auf den Heiligen Berg in bedenklicher Weise aus. Im Kloster kam es zu einem jähen Niedergang, sowohl in matierieller als auch in geistlicher Hinsicht. Im Jahre 1990 erliess der Ökumenische Patriarch und die Heilige Gemeinschaft des Heiligen Bergs einen Beschluss, wonach der Lebensgang im Kloster vom idiorrythmischen zum könobitischen übertragen werde. Das Kloster wurde mit einer Gruppe von achtzehn Mönchen besiedelt, und diese standen unter der geistlichen Leitung von Altvater Iosif aus der Neuen Skit; Priestermönch Efraim wurde als erster Abt inthronisiert.

Der neuen Bruderschaft lag es in allererster Linie daran, das Kloster geistlich wiederzubeleben, und sie legte eine Liste von Prioritäten fest, was die materiellen Aufgaben betraf, die man auszuführen hatte. Heute zählt die Gemeinschaft im Kloster 110 Mönche aus zwölf Ländern.

Das Kloster Vatopaidi ist ein enormer Gebäude-Komplex mit über 35‘000 Quadratmetern. Die Skiten und Kellia, die ihm unterstellt sind, verzeichnen eine Fläche von mehr als 50‘000 Quadratmetern. Seit dem Jahre 1990 ist etwa ein Drittel des Klosters renoviert worden, und zwar zu Kosten von 45 Mio. Euros. Es war auch nötig, die Skit des hl. Andreas (Seraï) in Karyes, die Skite des hl. Demetrios, die alte Athonias-Schule und zahlreiche Kellia zu restaurieren, die zum Kloster gehören und insgesamt 50‘000 Quadratmeter bebauten Grunds ausmachen. Man sollte auch im Sinn behalten, dass das jährliche Budget seitens des Staates und seitens der Europäischen Union nur einen kleinen Teil der Kosten deckt: So wären Restaurationsarbeiten unmöglich ohne wesentlichen finanziellen Beitrag seitens des Klosters selbst.

Marginalie: Konservierung der Schätze

Im Kloster werden 3‘500 Ikonen, 2‘200 Manuskripte, 350‘000 Dokumente, 40‘000 Inkunabeln und eine grosse Anzahl Kunstwerke aufbewahrt – Goldstickereien, Kunstwerke aus Gold und Silber, alles Erbstücke von unschätzbarem kulturellem und historischem Wert. Jahrelang lagen sie vernachlässigt da, der Zersetzung und dem Zerfall preisgegeben. Es wurden zwei neue Sakristeien gebaut, um diese Schätze auszustellen und aufzubewahren. Die Konservierung der Fresken von Manouil Panselinos (1312 n.Chr) in der Hauptkirche – im Katholikon – wurde bereits abgeschlossen. Ebenso die Konservierung von tragbaren Ikonen zu Hunderten, von Manuskripten und von vielen Gegenständen, die beim Gottesdienst im Gebrauch sind.

Rahmentext: Mönche haben keine persönlichen Interessen, noch dienen sie jenen von andern. Zwischen eines Mönches Armut und dem Klostergut ist eine klare Unterscheidung zu machen.

Das karitative Werk des Klosters

Angesichts der Art und Weise, wie die Fakten verlästert wurden, sieht sich das Kloster gezwungen, eine repräsentative Liste über sein karitatives Werk zu veröffentlichen.

Jahr für Jahr wird das Nettoeinkommen des Klosters wie folgt verwendet für:

• Stipendien an Studenten;

• Hilfe an mittellose Familien;

• Medizinische Hilfe für Mittellose;

• Freikauf von mittellosen Gefangenen und Verbesserung der Lebensbedingungen in Strafanstalten;

• Entzug für Drogenabhängige und andere Suchtkranke;

• Finanzielle Unterstützung für Klöster, sowohl in Griechenland, als auch im Ausland;

• Finanzielle Unterstützung für kirchliche Organisationen und Institutionen in Griechenland, auf Zypern, in Amerika, in Russland, in Serbien, in Afrika und in unterschiedlichen Regionen des Ökumenischen Patriarchats.

Jahr für Jahr besuchen etwa 25‘000 Pilger das Kloster. Der Aufwand für freie Kost und freie Beherbergung für diese Besucher, aber auch für die 150 Angestellten des Klosters ist enorm. Tag für Tag werden etwa 700 Personen verköstigt.

Den Veröffentlichungen des Klosters zu unterschiedlichen geistlichen, akademischen und musikalischen Themen wurden seitens der Athener Akademie und von unterschiedlichen Europäischen Körperschaften Preise verliehen. Diese Drucke stellen die geistlichen und kulturellen Werte des Heiligen Bergs und der Orthodoxie über die ganze Welt hin dar.

Das Kloster beabsichtigte, einen grossen Teil des Erlöses, der sich aus dem Tausch des Vistonida-Sees und aus der Bewirtschaftung des Klosterguts im Allgemeinen ergeben sollte, für karitative Zwecke einzusetzen. Aus diesem Grund hat das Kloster das „Gregorianische Institut zur Erforschung der Kultur des Karitativen Werks“ gegründet (Notariatsakt Nr. 11816/22.5.2007). Der Gründungsakt wurde dem Parlamentsausschuss für Öffentliche Ausgaben zugestellt, damit das Parlament davon Vormerk nehme. Zweck des Instituts ist, nachhaltige Programme im Sozialbereich umzusetzen. Noch lange vor dem gegenwärtigen Tumult hatte das Kloster bereits folgende Vorhaben angekündigt:

• Zentrum zur Rehabilitation Behinderter in Grammatiko, Attika mit einem Budget von 40 Mio. Euros;

• Heim für Betagte als Pilotprojekt in Limassol, auf Zypern, mit einem Budget von 5 Mio. Euros;

• Zentrum für den Drogenentzug in Mesoyeia.

Der Vistonida-See

Dieser See ist der letzte noch verbleibende Teil ausserhalb des Heiligen Berges (3%), nämlich davon, was das Kloster seitens der Kaiser ererbt hat, die es gegründet hatten, aber auch seitens von Wohltätern. Und dieser ganze Rest ist entweder zu unterschiedlichen Zeitpunkten dem Griechischen Staat übergeben oder schlicht und einfach enteignet worden.

Rahmentext: Das Kloster Vatopaidi mit seinen Skiten und Kellia, die dazu gehören, ist ein enormer Gebäudekomplex mit 85‘000 Quadratmetern bebauten Grunds.

Im Jahre 1994 forderte die Regierung der Präfektur von Xanthi die Rechte des Klosters an der kleinen Insel Ada Bourou im Vistonida-See ein. Der Fall ging an die zuständige Rechtsabteilung, an den Beirat für Öffentlichen Grund. Und im Jahre 1998 wurde ein einstimmiges Urteil veröffentlicht, wonach diese Behörde die Rechte des Klosters anerkannt hat. In den vergangenen Monaten wurden verleumderische Anklagen gegen das Kloster erhoben, die öffentlichen Behörden Griechenlands getäuscht und irregeführt zu haben hinsichtlich der Klage auf die Eigentumsrechte am Vistonida-See, an seinem Ufer und im Hinblick auf den vorgeschlagenen Tausch. Es muss betont werden, das Kloster hat zu keiner rechtswidrigen Transaktion, noch zu illegalem Handeln Hand geboten. Vermittels seiner Vertreter hat es – und tut es dies noch – einfach seine Rechte zu wahren versucht und vor den gemäss dem Gesetz eingesetzten öffentlichen Organen Griechenlands einen transparenten Prozess angestrebt.

Die Eigentumsrechte am Vistonida-See, an dessen Ufern und an dessen kleinen Nebeninseln stehen ausser Frage und sind rechtlich vollauf bezeugt. Alle Titel hinsichtlich des Eigentums des Klosters am Vistonida-See beruhen auf Goldenen Bullen seitens der Kaiser von Byzanz sowie seitens der Vertreter der Sultane, und sie stützen sich auch auf Dokumenten der Synoden sowie auf Sigillia der Patriarchen von Konstantinopel. All diese Dokumente sind von den Gerichten Griechenlands als Eigentumstitel für gültig befunden worden. Nach der Gründung des modernen Griechischen Staats wurden die Rechte des Klosters durch zwei Rechtsgutachten von Neuem bestätigt, nämlich seitens herausragender Professoren der Juristischen Fakultät der Universität von Athen -: von K. Raktivan, G. Streit, K. Rallis, D. Papoulias, K. Polygenis, und von D. Dingas. Im Jahre 1924 haben die Behörden Griechenlands ein Gesetz erlassen zur Zustimmung dafür, dass das Kloster 3‘800 Hektaren Lands auf Chalkidiki zur Ansiedlung von Flüchtlingen aus Kleinasien zur Verfügung stelle und weiter dass der ganze Vistonida-See beim Kloster verbleiben solle. Alles oben Ausgeführte wurde abermals  gestützt und bestätigt durch das von Ioannis Konidaris, Professor für Kirchenrecht an der Universität von Athen, veröffentlichte Gutachten vom 28. Oktober 2008. So wurden diese Eigentumstitel von der Grundbuchbehörde in Xanthi und Rodopi anerkannt. Dies bewegte den Beirat für Öffentlichen Grund und Tausch von Eigentum – mit unterschiedlichen Mitgliedern und unter verschiedenen Regierungen – dazu, einstimmig zu Gunsten des Klosters Eigentumsrechte zu entscheiden, gestützt auf vier Gutachten und unterschiedliche Argumente aus der Zeit von 1998 bis 2004.

Marginalie: Am 5. November 2003 hat das erstinstanzliche Gericht von Rodopi in Vollebesetzung die über die bei ihm vom Kloster erhobene Klage verhandelt, um einen endgültigen Entscheid zu erhalten, wonach die Eigentumsrechte am Vistonida-See als sicher bestätigt sind. Am 25. Juni 2004 reichten die Parteien dem Gericht eine gemeinsame Erklärung ein mit dem Antrag, keinen Entscheid zu erlassen, da der Beirat für Öffentlichen Grund einmal mehr einstimmig zu Gunsten des Klosters entschieden hatte. Erklären die Parteien gemeinsam, sie wollten keinen Entscheid, der dann veröffentlicht wird, unterlässt dies der Gerichtspräsident nach gefestigter Praxis. Die erst kürzlich ergangene Weisung, das Urteil zu veröffentlichen, erhebt ernst zu nehmende Fragen in Bezug auf die Unabhängigkeit der Judikative in Griechenland.

Der Angriff auf die Eigentumstitel des Klosters bedeutet einen ernst zu nehmenden Schlag gegen die Rechte aus dem Eigentum und ermöglicht, das Kirchengut ausserhalb des Griechischen Staatsgebiets – in den Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandria und Jerusalem, aber auch im Kloster der hl. Katharina auf dem Sinai – seitens weiterer Parteien in Anspruch zu nehmen. Auch die Untersuchung im Hinblick auf die Beteiligten aus den Öffentlichen Behörden, welche darauf folgte, hat das Vertrauen der Öffentlichkeit schwer erschüttert  und bedeutet einen Schlag gegen jene, die mit den Griechischen Behörden zu tun haben.

Der Vorgang des Tauschs

Der Tausch des Vistonida-Sees und dessen Ufer gegen anderen Grundbesitz wurde von den Griechischen Behörden vorgeschlagen, um den Forderungen der Behörden vor Ort stattzugeben. Das Kloster wollte den Vistonida-See nicht eintauschen. Dies war schon aus der Tatsache klar, dass das Kloster Aufträge vergeben hatte, um Studien zu erarbeiten, wie der See und das Gebiet um ihn herum am besten zu bewirtschaften sei.

Die Evaluation des Werts von Land und See übertrugen die Griechischen Behörden der von Gesetzes wegen zuständigen Einrichtung, dem Rat der staatlich geprüften Schätzer; dieser ist unabhängig und gehört nicht zum öffentlichen Bereich. Die Schatzung wurde auf der Grundlage von internationalen und europäischen Schatzungsmodellen erstellt, und zwar ohne jegliche Einflussnahme und Einmischung, geschweige denn der Einflussnahme durch das Kloster.

Die Griechischen Behörden haben das im Tausch zu übergebende Grundstück ausgewählt, und zwar durch das Ministerium zur Entwicklung der Landwirtschaft und vermittels der Öffentlichen Gesellschaft für Landbesitz.

Ein Teil des im Tausch erhaltenen Landes wurde später nach den Regeln der Verfassung des Heiligen Bergs versteigert.

Das Olympische Landstück ist im Gebiet von „Thrakien/Makedonien“und wurde dem Kloster gleichwohl gegeben, auch wenn es sich als unmöglich herausstellte, die dortigen Einrichtungen des Arbeitsministeriums zu verlegen aufgrund von Problemen, die mit dem Ministerium zusammenhängen.

Nachdem man Studien erstellt hatte, zog es das Kloster vor, den Wert des Landes durch eine nach dem Gesetz veranstaltete Versteigerung zu realisieren. Die erste Versteigerung wurde als unvorteilhaft befunden. Danach wurde das Land an Noliden Ltd. Verkauft zu einem Betrag von 41 Mio. Euros.

Dieselbe Gesellschaft bot dem Kloster – unter Auflagen – eine Spende von 9 Mio. Euros an, um sich an der Gregorianischen Fürsorgestiftung zu beteiligen, insbesondere in der Finanzverwaltung des Rehabilitationszentrums für Behinderte, das in Grammatiko in Attika gebaut werden sollte. Auf diesem Olympischen Landstück plante die Gesellschaft eine Klinik für Herzchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe zu bauen, mit einem Investitionsbudget von 200 Mio. Euros, was 2‘000 Arbeitsplätze schaffen würde. Nach all dem Tumult ist es Noliden Ltd. bedauerlicherweise nicht möglich, die Investition zu tätigen oder das Fundament für das Rehabilitationszentrum zu errichten. Das Kloster hat es auf sich genommen, die 9 Mio. Euros zurückzugeben.

Minister beider grossen Parteien, Mitglieder des Höchsten Gerichts, Räte spezialisierter Beratungsgremien, Universitätspofessoren und Staatsanwälte als Experten: Dutzende Beamte in hohem moralischen Ansehen und mit hoher Ausbildung, sie alle haben Rechtsgutachten unterzeichnet, und zwar zu Gunsten des Klosters, von 1998 bis 2008. Es war dem Kloster unmöglich, sich Zugang zu diesen Prozessabläufen und zu den Handlungen der damit befassten Behörden zu verschaffen, um seinen Einfluss auf sie auszuüben und sie zu täuschen.

Einfrieren der Bankkonti des Klosters

Es ist erstaunlich, dass die verantwortlichen Behörden unsere Konti eingefroren halten, und so dem Kloster sein Einkommen aus jetzt nahezu vier Monaten vorenthalten. Dadurch, dass die Konti eingefroren waren, wurde das Kloster seines wesentlichen Einkommens, das es hat, beraubt, sei dies aus der Verpachtung von Land, sei es aus seinen andern Investitionen. Wissen die dafür verantwortlichen Behörden eigentlich nicht, es leben 110 Mönche und 150 Angestellte im Kloster und das Kloster richtet pro Jahr seine Gastfreundschaft an bis zu 25‘000 Pilger aus?

Wie sollen diese laufenden Kosten beglichen werden? Deshalb ist es unausweichlich, Restaurierungen und Renovierungen zu stoppen und die Gastfreundschaft einzuschränken.

Verwendung der Einkünfte des Klosters

Das Kloster ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts. Mit andern Worten gesagt, ist es nicht eine private, sondern eine öffentliche Stiftung, Besitz und Eigentum des Griechischen Volkes. Vermittels seiner Fahrhabe und seiner Immobilien stellt jedes Kloster sicher, seine Kosten für Essensration, Gastfreundschaft, Renovierung von Gebäuden und Konservierung der Schätze, aber auch sein Werk in Mission und Wohltätigkeit bestreiten zu können. Die Äbte der Klöster haben das Recht und auch die Pflicht, für das Gut ihrer Klöster zu sorgen, und dies ist nicht verboten von den Kanones der Kirche, vorausgesetzt, dies ist zum Wohle des Klosters und nicht zu ihrem eigenen, persönlichen Gewinn.

Mönche haben kein persönliches Interesse, noch dienen sie jenen anderer. Zwischen der Armut eines Mönchs und dem Besitz des Klosters muss eine klare Unterscheidung gemacht werden. Es ist offensichtlich und muss dennoch vermerkt werden, sowohl die Mönche als auch der Abt in einem Konöbium haben keinen persönlichen Besitz, und so sind jegliche Anklagen in Sachen Bestehens von persönlichen Bankkonten ungerechtfertigt und vollkommen unbegründet.

Das Kloster Vatopaidi hat in Sachen Finanzen Berater beauftragt, um die beste Art und Weise zu finden, mit dem Klosterbesitz umzugehen, ebenso wie es andere kirchliche Organisationen ebenfalls getan haben. Das ganze Kapital des Klosters, wovon viel  aus Darlehensvergabe stammt, ist auf Bankkonten, die auf den Namen des Klosters lauten, hinterlegt, wie es das Gesetz verlangt, und selbstverständlich nicht auf persönlichen Konti, da es solche nicht gibt.

Die Zusammenarbeit der Klosters mit Kapitalgesellschaften geht auf die Tatsache zurück, dass gewisse Aufgaben Finanzberatern im Laienstand anvertraut wurden, die geistliche Kinder des Klosters sind; dies, um die Mönche von gewerblichen und finanziellen Transaktionen zu entheben. In regelmässigen Abständen legt der Finanzberater des Klosters dem Rat der Altväter einen Bericht vor, und dieser Rat ist eine Körperschaft des Klosters selbst.

Der Vorschlag des Klosters zu einem Vergleich

Weil so viel Aufhebens erwirkt wurde, was sowohl gegenüber dem Kloster als auch der Kirche im Allgemeinen ein Affront ist, versandte das Kloster Briefe an folgende Adressaten, um den Frieden wiederherzustellen:

a) an den Minister für die Entwicklung der Landwirtschaft – 23. September 2008;

b) an den Minister für die Finanzen sowie an den Minister für die Entwicklung der Landwirtschaft – 17. Oktober 2008; sowie eine Kopie davon an den Ministerpräsidenten – 20. Oktober 2008; und …

c) … an den Finanzminister – 9. Dezember 2008;

und zwar mit dem Vorschlag, den ganzen Grundbesitz an die Öffentlichen Behörden Griechenlands zurückzuübereignen, der durch den Tausch auf legitimem Weg ans Kloster gekommen war. Ferner werde das Kloster auch nicht den Anspruch stellen, die Öffentlichen Behörden Griechenlands sollten seine Grundrechte am Vistonida-See und seinen Ufern anerkennen, zumal die Gerichte über das Eigentum entscheiden werden.

Hintergedanken

Obschon vielerlei unterschiedliche Interessen mit je eigenen finanziellen und politischen Marschplänen hineinspielen, ist die Tatsache kaum zu übersehen, der eigentliche Zweck hinter dem ganzen Tumult liegt in der Diffamierung von Institutionen sowie in der Trennung von kirchlicher und staatlicher Verwaltung. Einige Leute haben die Gelegenheit ergriffen, gegen die Kirche einen Schlag zu führen, indem sie in die Glut bliesen,  um dem Mönchtum Schaden zuzufügen und um den Glauben an christliche Ideale in der Gesellschaft Griechenlands zu erschüttern.

Der Mönch und die Welt

Die Beziehungen eines Mönchs zu anderen Menschen sind von orthodoxen patristischen Prinzipien durchdrungen: von Selbstlosigkeit und von echter Liebe. Pilger nach dem Heiligen Berg kennen diese Liebe aus eigener Erfahrung. Diese geistliche Hefe nehmen sie mit zurück in ihre Familien, in ihre Pfarreien, und so kommt Segen über die Familie, über die Gesellschaft und über die Welt. Wir bitten darum, auch Sie mögen darum beten, Christus und Seine Allreine Mutter, der das Kloster ja geweiht ist, möchte doch in der gegenwärtigen Prüfung eine segensreiche Lösung gewähren.

Ihr Heiliges Kloster von Vatopaidi.

Rahmentext: Das Kloster ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts. Mit andern Worten gesagt, ist es nicht eine private, sondern eine öffentliche Stiftung, Besitz und Eigentum des Griechischen Volkes. Vermittels seiner Fahrhabe und seiner Immobilien stellt jedes Kloster sicher, seine Kosten für Essensration, Gastfreundschaft, Renovierung von Gebäuden und Konservierung der Schätze, aber auch sein Werk in Mission und Wohltätigkeit bestreiten zu können.

Während der soeben vergangenen Monate hat sich eine Aufregung ohnegleichen erhoben, was die Nutzung des Besitzes des Klosters und insbesondere den Tausch des Vistonida-Sees betrifft, aber auch in Bezug auf die Verwendung der finanziellen Mittel, die sich daraus ergeben haben.

Der Abt und die ganze Bruderschaft des Heiligen Klosters Vatopaidi bringen hiermit ihre tiefempfundene Traurigkeit darüber zum Ausdruck und bitten Christi Herde um Verzeihung, weil wir Ihnen ganz ohne unsere Absicht und ohne dies vorausgesehen zu haben, zu einem Stolperstein geworden sind.

Der hier folgende Text stellt eine Reihe von Tatsachen und Beweisen dar, die dazu verhelfen werden, die Angelegenheit klarzustellen.

Die orthodoxe Mönchsrepublik Athos: Das legale Steuerparadies für die Superreichen

Kloster Vatopedi (Athos)

Das scheinheilige Getue unserer Politiker, nicht nur, wenn es um angebliche Steuerparadiese wie Österreich, Luxemburg oder die Schweiz geht, wird ad absurdum geführt, wenn man die Mönchsrepublik Athos unter die Lupe nimmt.

1981 hat die Europäische Gemeinschaft die kleine Republik auf einer Halbinsel in der Ägäis hochoffiziell als EU-Unterstaat mit einem politisch-rechtlichen Sonderstatus anerkannt. Das kam nicht von ungefähr, denn die Inselrepublik existiert schon seit 1.047 Jahren und ihre auf der Haut eines Ziegenbocks geschriebene Verfassung ist noch heute gültig. Aber das wird wohl kaum der wahre Grund für den Sonderstatus sein.

Der Heilige Berg Athos, griechisch Ágion Óros genant, bezeichnet mehrere Dinge. Einmal ist es die Bezeichnung für den östlichen Finger der Halbinsel Chalkidiki. Auf dieser Halbinsel gibt es dann noch die 2.033 Meter hoch aufragende Erhebung, die auch Athos genannt wird. Und schließlich wird die orthodoxe Mönchsrepublik auf der Halbinsel ebenfalls verkürzt mit dem Namen Athos belegt. Die Mönchsrepublik Athos  ist aber kein selbstständiger Staat, sondern Teil der Region Zentralmakedonien in Griechenland. Diese Mönchsrepublik umfasst ein Gelände von rund 336 Quadratkilometern. Gut 2.200 Männer, in der Mehrzahl Mönche orthodoxen Glaubens, leben ständig auf dem Heiligen Berg.

Die Mönchsrepublik Athos ist nach dem Völkerrecht ein Teil Griechenlands. Sie hat aber einen besonderen Autonomiestatus und die inneren Angelegenheiten und die Verwaltung des Gebietes liegen in der Hand der dort lebenden Mönche. Der Athos ist steuerlich und zollrechtlich kein Gemeinschaftsgebiet der EU.

Es gibt sie also doch noch: Die letzte echte Steueroase der EU. Keine Regierung oder Organisation der Welt kann der autonomen parlamentarischen Republik mitten in Europa etwas vorschreiben.

Auch wenn das Land, das kaum jemand kennt, zur EU gehört, leben die Bewohner in einer anderen Zeitrechnung: Der Tag beginnt nicht mit dem Sonnenaufgang, sondern fängt mit dem Sonnenuntergang bei Null Uhr zu zählen an. Die Tage werden nach dem julianischen Kalender gezählt, der gegenüber dem ab 1582 in Westeuropa eingeführten gregorianischen Kalender mittlerweile um 13 Tage nachgeht. Die Bewohner leben seit Jahrhunderten unbehelligt, weil sie in Festungen an einem 2.033 Meter hohen Berg leben, der von Steilküsten des Mittelmeeres geschützt wird. Niemand darf dort ankern. Nur über eine Fähre gelangt man von einer vorgelagerten Hafenstadt in das autonome Gebiet.

In der Hauptstadt gibt es eine Agrarbank. Die Bewohner sind tief religiös, aber nicht katholisch, und haben ein Schweigegelübde abgelegt. Diese Diskretion zieht seit Jahren unvorstellbar große Vermögen nahezu magisch an. Die dortige Bank hat sich unter den reichsten Menschen der Welt den Ruf eingehandelt, diskreter zu sein als jede andere Bank der Welt.

Prominente wie der russische Oligarch Roman Abramowitsch, einer der reichsten Männer der Welt, durfte vor der Küste der Republik ankern und soll pro Tag 1,5 Millionen Euro Liegegebühr gezahlt haben. Auch soll er in der autonomen Republik ein Gotteshaus renovieren lassen haben. Abramowitsch brachte in die Oase Millionen. Andere neureiche Russen kamen mit Kisten voller Edelmetall (Platin und Gold), Diamanten und Antiquitäten. Niemand zahlt Einkommensteuer. Und bei der Einfuhr von Baustoffen, Öl, Lebensmitteln und Konsumgütern sowie bei der Ausfuhr etwa von Kunsthandwerk werden weder Zölle noch Umsatzsteuer erhoben.

Der Ansturm auf die paradiesische Republik ist inzwischen so groß, dass man extra einen Hubschrauberlandeplatz eröffnete. Einer der ersten, der dort landete, soll der frühere amerikanische Präsident George Bush gewesen sein. Nach ihm soll der russische Präsident Wladimir Putin da gewesen sein. Seitdem sollen EU-Politiker und russische Oligarchen den verschwiegenen Service der kleinen Republik nutzen.

Umgekehrt trifft man Bewohner der Republik, die Koffer voller Diamanten nach Amsterdam und Antwerpen bringen. Angeblich versucht das Europaparlament, dieses Geldwäsche-Paradies in der Ägäis trocken zu legen. Das können Sie getrost vergessen.  2003 verlangte das Europaparlament in einem allerdings nicht bindenden Beschluss mit knapper Mehrheit die Abschaffung der autonomen Inselrepublik.

Aber angeblich verwahrt sich die Republik sich gegen die Einmischung. Da könnte man ja gleich die City of London trockenlegen. Und das passiert garantiert nicht.

Quellen:

Die orthodoxe Mönchsrepublik Athos: Der östliche Finger der Halbinsel Chalkidiki ist ein Klosterland.

http://www.gomopa.net/print.php?paper=/Pressemitteilungen.html?id=622&meldung=Die-letzte-Steuer-und-Schwarzgeldbastion-der-EU

APF

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