Die vatikanische Büchse der Pandora — Tedeschis Rückversicherung

Der frühere Chef der Vatikanbank , Gotti  Tedeschi, wird nun als Feind Nummer 1 des Heiligen Stuhls angesehen, nachdem die […]

Der frühere Chef der Vatikanbank , Gotti  Tedeschi, wird nun als Feind Nummer 1 des Heiligen Stuhls angesehen, nachdem die Polizei einen Schatz von kompromittierenden Dokumenten über die finanziellen Machenschaften der Bank entdeckte. Die Vatikanbank, eine kriminelle Vereinigung, welche auch unter dem ehrwürdigen Namen Istituto per le Opere di Religione (IOR) (deutsch Institut für die religiösen Werke) firmiert, steht seit langem wegen ihrer ungewöhnlichen Geschäftspolitik im Fadenkreuz der Kritik.

Ende der 1970er Jahre gab es einen Skandal um undurchsichtige Geschäfte, in die das IOR und die Banco Ambrosiano sowie die Mafia verwickelt waren. Der Mord an Roberto Calvi (Juni 1982 in London) und an seiner Sekretärin und Vertrauten Graziella Corrocher († 17. Juni 1982) wurde dabei auch dem Vatikan angelastet. Eng mit diesem Skandal verknüpft ist der Name des damaligen Leiters des IOR, Erzbischof Paul Casimir Marcinkus. Diesem wurden Verbindungen zur italienischen Mafia nachgesagt.

Es wird vermutet, dass über die Banco Ambrosiano die geheime Finanzierung der Solidarność-Bewegung in Polen stattgefunden habe.

Der Zusammenbruch der Banco Ambrosiano und die Ermittlungen rund um diesen Bankrott, den Tod Roberto Calvis und Johannes Pauls I. entwickelten sich zu einer wirklichen Bedrohung nicht nur für das IOR, sondern für die Reputation des Vatikans schlechthin. Diese Geschehnisse sowie der Tod Johannes Pauls I. werden unter anderem im Film Der Pate III (1990) aufgegriffen und filmisch interpretiert. Beweise für die darin behaupteten Verbindungen liegen jedoch nicht vor.

In der Folge richtete Johannes Paul II. eine Aufsichtskommission von fünf Kardinälen ein, die so genannte Commissione Cardinalizia di vigilanza. Dieses Gremium soll darüber wachen, dass das IOR sich nicht mehr in dunkle Geschäfte verwickeln lässt oder diese selber initiiert. Mitglieder dieser Kommission sind derzeit (Stand 2008) die Kardinäle Tarcisio Bertone, Attilio Nicora, Jean-Louis Tauran, Telesphore Placidus Toppo sowie Odilo Pedro Scherer.

2009 erregte das Enthüllungsbuch „Vatikan AG“ des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi über das Finanzgebaren der Vatikanbank großes Aufsehen in Italien. Der Bankpräsident, Angelo Caloia, musste nach 20 Jahren an der Spitze der Vatikanbank zurücktreten.

Am 21. September 2010 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei 23 Millionen Euro von einem Konto des Instituts und leitete Ermittlungen gegen den Präsident der Bank, Ettore Gotti Tedeschi, und den Generalsekretär der Bank, Paolo Cipriani, wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein. Tedeschi wies die Vorwürfe vehement zurück. Ein italienisches Gericht lehnte im Oktober 2010 die Forderung des IOR auf Freigabe der einen Monat zuvor beschlagnahmten 23 Millionen Euro ab. Auch wurden neue Vorwürfe gegen das IOR erhoben……

Seit Anfang April 2011 kann im Vatikanstaat Geldwäsche mit Haftstrafen bis zu zwölf Jahren, Terrorfinanzierung mit bis zu 15 Jahren bestraft werden…..

Anfang 2012 wurden erneut Details über angebliche undurchsichtige Geschäfte und Korruptionsfälle der Vatikanbank öffentlich. Im März 2012 kritisierte das Außenministerium der Vereinigten Staaten den Heiligen Stuhl und es kam zu einer Schließung eines Kontos des IOR bei JP Morgan.[Quelle: Wikipedia]

Anfang der Woche führte die Polizei eine Razzia im Haus und im Büro von Ettore Gotti Tedeschi durch. Die Polizei suchte nach Unterlagen in dem Bestechungsskandal bei der Finmeccanica. Die Finmeccanica S.p.A. ist einer der größten Industriekonzerne Italiens. In die ehemalige Staatsholding wurden in den 1990er Jahren fast alle italienischen Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtunternehmen eingegliedert. Die Firma wurde früher von einem engen Freund von Tedeschi geleitet.

Tedeschi teilte der Presse mit, er habe die mit der Durchsuchung beauftragten Beamten zunächst für Killer gehalten.

Was die Polizei jedoch vorfand, war etwas gänzlich anderes. Sie stieß auf 47 Ordner mit privaten Kommunikationsaufzeichnungen, welche die inneren verborgenen Abläufe am Heiligen Stuhl beschreiben. Die Unterlagen enthalten Finanzdokumete, detaillierte Berichte über Finanztransaktionen und vertrauliche interne Berichte; all das wurde von Tedeschi gesammelt, um ein überzeugendes Bild der Korruption im Vatikan darstellen zu können.

Als bekannter Wirtschaftsprofessor und Chef des italienischen Ablegers der Bank Santander hatte Tedeschi im Jahre 2009 den Job als Präsident des IOR angetreten und damit einen vergifteten Kelch angenommen, denn seine Aufgabe sollte es sein, Transparenz in ein Unternehmen einzuführen, dessen Name ein Synonym für Geldwäsche und Korruption geworden war. Nach bewegten drei Jahren, die sich durch innere Kämpfe und öffentliche Skandale auszeichneten, wurde Gotti Tedeschi im Mai 2012 seines Postens enthoben.

“Ich habe für meine Transparenz die Rechnung erhalten” sagte der indignierte Banker zu den Medien, als er aus vorzeitig aus der Anhörung zu seiner Entlassung herausstürmte. In den vertraulichen Aufzeichnungen der Anhörung (welche Rothschild’s Reuters “zugespielt” wurden) wurde der Banker beschuldigt, ein “zunehmend erratisches persönliches Benehmen”  und “einen Mangel an Klugheit und Sorgfalt in Kommentaren bezüglich des IOR” an den Tag zu legen.

Es mag aber durchaus andere Gründe gegeben haben.

Nachdem Tedeschi gewahr wurde, dass sein Kampf gegen die Korruption fehlschlagen würde, begann er, den Medien wichtige Dokumente zuzuspielen. Tröpfchen für Tröpfchen gelangten so kompromittierende Enthüllungen an die italienische Öffentlichkeit: Vatileaks war geboren. Wahrscheinlich wurden die Informationen vom persönlichen Butler des Papstes in die Medien geschleust.

In der Anhörung hatte das Gremium, welches die Entlassung verfügte, Tedeschi indirekt beschuldigt, für einige der Enthüllungen verantwortlich zu sein. Das Gremium betonte seine “Unfähigkeit, eine formale Erklärung über die Verbreitung von Dokumenten abzuliefern, die bekanntermaßen zuletzt im Zugriff des Präsidenten (der Bank) gewesen waren.”

Während die Enthüllungen eine Waffe Tedeschis gegen seine Feinde gewesen sein mögen, bereitete er andererseits für sich eine Rückversicherung  vor, falls die Schlacht verloren ging. Sozusagen eine Bombe, die den Deckel der Büchse der vatikanischen Pandora absprengen würde. Vor einigen Monaten soll er Freunden erzählt haben, dass er ein umfangreiches Dossier zusammenstellen würde,” für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte. Gotti  Tedeschi wollte demnach drei Exemplare des Schriftsatzes einem Freund,  einem Journalist und dem Papst zukommen lassen.

Und genau dieses Dossier hatte die Polizei aufgefunden.

Der Vatikan kann seine Panik kaum überspielen und fordert die Dokument ungeöffnet zurück. Die Wahrscheinlichkait dafür ist eher gering. Die italienischen Strafverfolgungsbehörden sind häufig im Streit mit dem Vatikan und beschuldigen diesen, seine Souveränität auszunutzen, um saubere Regelungen zu  umgehen.

Angeblich verfügt Tedeschi eine Liste seiner persönlichen Feinde im Vatikan; es sind Leute, die nach seinem Gefühl vor nichts haltmachen, um die Reform des IOR zu verhindern. Freunde von Tedeschi berichten, dieser sei niedergeschlagen und habe Angst. Die Polizei erwägt, den Banker unter bewaffneten Personenschutz zu stellen.

Das wäre kein schlechte Idee.

Quelle:

https://rt.com/news/tedeschi-vatican-vatileaks-banker-vatileaks-546/
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Gianluigi Nuzzi
Vatikan AG

Aufgedeckt: Die teuflischen Geldgeschäfte der Kirche!

Die unerhörte Geschichte, die hier erzählt wird, stützt sich auf ein umfangreiches Geheimarchiv, das in der Schweiz lagerte und hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Viertausend geheime Dokumente des Heiligen Stuhls – Briefe, vertrauliche Mitteilungen, Aktennotizen, Protokolle, Kontoauszüge und Buchungsbelege – gewähren einen Blick hinter die Kulissen des vatikanischen Finanzsystems. Die Dokumente stammen aus dem Nachlass Monsignore Renato Dardozzis (1922–2003), bis Ende der neunziger Jahre einer der wichtigsten Mitarbeiter des IOR, wie die Vatikanbank offiziell heißt.

Ende der achtziger Jahre schien mit dem Crash der Ambrosiano-Bank, der rätselhaften Ermordung Roberto Calvis und Michele Sindonas und dem Rückzug von Erzbischof Marcinkus aus der Leitung des IOR der Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel der Vatikanbank gezogen. Aber dann, so beweisen die Dokumente aus Dardozzis Archiv, begann alles wieder von vorn. Seit 1992 entstand ein neues, noch raffinierteres System mit Nummernkonten, über die Milliarden verschoben wurden.

Das IOR funktionierte wie eine Bank innerhalb der Bank, eine gigantische Geldwaschanlage mitten in Rom, die von der Mafia genutzt und skrupellos für politische Machenschaften eingesetzt wurde. Ein Steuerparadies, das allein der Gesetzgebung des Vatikans unterworfen war. Und das alles im Namen Gottes.
Gebunden, 356 Seiten

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