Alarm in den Praxen: Investoren kaufen medizinische Versorgungszentren

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Investoren kaufen in Deutschland immer mehr der medizinischen Versorgungszentren auf. Dies hat kürzlich die „Welt am Sonntag“ berichtet. Dabei geht die Deutsche Apotheker- und Ärztebank davon aus, dass inzwischen hinter jedem sechsten dieser Zentren ein „internationaler Finanzinvestor“ stünde. Der jedoch, dies ist systembedingt, wird die Profitabilität noch enger im Blick haben als die Mediziner selbst. Darunter könnte die Qualität der Versorgung leiden, so die Befürchtung von Beobachtern.

Investment Patientenschutz

Damit werde der Patientenschutz vor allem zum Investment, so die Kritik. Die Bundeszahnärztekammer als Vertreter einer Branche, die wohl besonders betroffen ist, äußerte sich über ihren Präsidenten Peter Engel: „Junge Zahnärztinnen und Ärzte dürfen niemals unter Druck geraten, Leistungen am Patienten zu erbringen, die nicht medizinisch angezeigt sind“.

Das heißt: Die Kammer unterstellt, dass Ärzte hier vor allem nach Rentabilität der eingesetzten Methoden und Leistungen entscheiden und die medizinische Optimierung hintangestellt werden. So äußert sich auch der Sprecher der „Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen“ (KVN) einem Beitrag im „Weser-Kurier“ nach. Der Funktionär gibt die Stimmung wider: „Es gibt in unserer Ärzteschaft die Befürchtung, dass Investoren ihre Einrichtungen vor allem unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung betreiben“.

Hintergrund der Befürchtungen ist aktuell vor allem der Umstand, dass die Investoren-Tätigkeit oft nicht einmal bekannt sei. So kann die KVN lediglich „vermuten“, bei 71 von insgesamt 273 Medizinischen Versorgungszentren würde ein Investor letztlich Eigentümer sein.

Damit nutzen die Investoren den Umstand, dass „immer mehr Ärzte in den Ruhestand“ gingen, wie es heißt. Diese Ärzte könnten bei dem Verkauf der Praxen die oft nicht einfache Suche nach geeigneten Nachfolgern vermeiden. Junge Mediziner hingegen scheuten das Risiko der Selbstständigkeit und würden oftmals lieber als Angestellte arbeiten. Solange dies in Deutschland indes nicht transparent ist, dürfte die Problematik der renditeorientierten Versorgung sich noch verschärfen.

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