Amerikas Schattenkrieg – Die Ausbreitung des US-Militärs in Afrika

Amerikas Schattenkrieg - Die Ausbreitung des US-Militärs in Afrika

Oben: General James Linder (r.), Oberbefehlshaber des US Special Operations Command Africa, begrüßt einen Soldaten in Niger. – Quelle: Russia Today

In keinen Erdteil entsandten die USA in den vergangenen Jahren mehr Spezialkräfte als nach Afrika. Ein zentraler Bestandteil der militärischen Planungen ist dabei das US Africa Command (AFRICOM). “Nation Building” für Freiheit und Demokratie ist out, die Ziele bleiben ähnlich.

USAFRICOM_United_States_Africa_Command_Map_Draft_Im Jahr 2007 wurde der US Africa Command (AFRICOM) aus der Taufe gehoben und ist seither für militärische Operationen und Übungen der USA auf dem afrikanischen Kontinent verantwortlich. Ziel ist eigenen Angaben zufolge:

Gemeinsam mit ressortübergreifenden und internationalen Partnern Verteidigungs-Kapazitäten aufzubauen, auf Krisen zu reagieren und transnationale Bedrohungen zu verhindern und zu vereiteln, um die nationalen Interessen der USA zu fördern und regionale Sicherheit, Stabilität und Wachstum zu fördern.

Dies beinhaltet auch “eventuelle Operationen, wenn es erforderlich ist”. Die Kommandozentrale liegt jedoch nicht auf dem Kontinent selbst, sondern in Stuttgart, wo rund 1.500 Menschen für AFRICOM arbeiten.

Dass sich die Zentrale in Stuttgart befindet, hat auch seine Gründe. Diese liegen in erster Linie im Misstrauen der Afrikaner gegenüber einer weiteren ständigen Präsenz des US-Militärs auf afrikanischem Boden. So rufen Stationierungsvorhaben etwa in der Zivilgesellschaft und lokalen Medien regelmäßig erheblichen Widerstand hervor. Dazu meint Professor Gerrie Swart, Politikwissenschaftler an der University of South Africa:

AFRICOM könnte als ein Mittel gesehen werden, der US-Militärpräsenz ein aufgeschlosseneres und menschlicheres Antlitz zu geben. Das wurde jedoch dem afrikanischen Kontinent so nicht zu verstehen gegeben. Daher die aktuell bestehenden Sorgen.

Nach Ansicht von Swart vermuten die Afrikaner, dass es bei dem militärischen Engagement AFRICOMS vor allem darum geht, auf Dauer die Zahl der amerikanischen Truppen auf dem Kontinent zu erhöhen und letztendlich in die Außen- und Innenpolitik afrikanischer Staaten einzugreifen.

Ezekiel Pajibo, der ehemalige Leiter von Liberias “Center for Democratic Empowerment” geht in seiner AFRICOM-Analyse sogar noch einen Schritt weiter. Er ist davon überzeugt, dass die wahren Motive für die Gründung von AFRICOM im wachsenden Bedürfnis der USA nach afrikanischem Öl, Washingtons Wunsch nach einer “neuen Front im Kampf gegen den Terrorismus” und der Eindämmung des wachsenden Einflusses Chinas auf dem afrikanischen Kontinent begründet liegen. Auch aufgrund der in vielen afrikanischen Staaten vorherrschenden Skepsis fand sich, bis auf das kriegsversehrte Liberia, bisher kein afrikanischer Staat, der bereit gewesen wäre, AFRICOM in den eigenen Grenzen willkommen zu heißen.

Dessen ungeachtet steigt derweil das Ausmaß der Entsendung von US-Spezialeinheiten auf den afrikanischen Kontinent in bisher ungekannte Höhen. So wurde noch im Jahr 2006 weltweit nur ein Prozent der US-Kommandotruppen in den Operationsbereich des US Africa Command entsandt. Im Jahr 2016 waren es hingegen bereits 17,26 Prozent aller ins Ausland entsandten US-amerikanischen Spezialeinheiten – unter ihnen auch Navy Seals und die so genannten “Green Berets”.

Die Zahlen basieren auf Informationen, die der “US Special Operations Command” (USSOCOM) an das Portal The Intercept übermittelt hatte. Damit rangiert Afrika global an zweiter Stelle, übertroffen nur vom Mittleren Osten, in dem die USA gegen ihre Feinde in Afghanistan, dem Irak, Syrien und dem Jemen Krieg führen.

Im Jahr 2014 wiederum operierten etwa 700 US-Kommandos auf afrikanischem Boden. Nach Angaben von General Donald Bolduc, Leiter des “US Special Operations Command Africa” (SOCAFRICA) sind heute “etwa 1700 Spezialeinheiten” vor Ort in der Region präsent. Bei SOCAFRICA handelt es sich um ein Verbundkommando, das die AFRICOM-Spezialeinsatzkräfte in sich vereint und führt. Bolduc erläutert:

Dieses Team ist in 20 afrikanischen Nationen aktiv und unterstützt sieben bedeutende Operationen. Bolduc betont ebenfalls: Wir befinden uns in Afrika nicht im Krieg, aber unsere afrikanischen Partner tun dies.

Dies würde vermuten lassen, dass die Vereinigten Staaten durch militärische Maßnahmen möglicherweise zur Einhaltung und Schaffung von “Frieden” beitragen möchten. Dies scheint nicht nur ein Widerspruch in sich zu sein, denn faire Handelsbedingungen und ein Entgegenkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO wären in diesem Zusammenhang wohl wesentlich effektiver.

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