App: Einfallstor für die Polizei

Jens Spahn
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Die App zur Verfolgung von Corona-Infizierten ist offensichtlich weitgehend nutzlos – zumindest bislang. Nun aber mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Nutzen wie befürchtet in eine andere Richtung geht. Die Polizei hat nun Zugriff auf die Daten, die an sich zur Identifikation von Gästen zur Pandemiebekämpfung dienten. Dies meldet die Funke-Mediengruppe mit Bezug auf Fälle in Hamburg, in Hessen sowie in Rheinland-Pfalz. Die Polizei würde damit allerdings gegebenenfalls auch das Vertrauen der Menschen erschüttern, so der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle.

Das dürfte ohnehin erschüttert sein. Die Effekte sind zu dünn. Davor hatten wir bereits mit Blick auf Island gewarnt…

“Einem Bericht der Nachrichtenplattform „MIT Technology Review“ zufolge sollen bereits 40 % aller Isländer die Tracking-App zur Kontaktverfolgung für das Corona-Virus benutzen. Nun ist aber offenbar deutlich geworden, dass die App überhaupt nichts bringt. Die App kam in Island zum Einsatz, als das Virus dort am 28. Februar aufgetaucht sein soll.

In Island wurden viele Menschen getestet, bei denen ein hohes Risiko bestand, sich mit dem Virus zu infizieren. Die Firma DeCode Genetics machte die Tests. Sobald sich bei einer Person die Infektion mit dem Virus bestätigte, wurden die Tests ausgeweitet. Außerdem baute die Regierung ein Team von Kontaktverfolgern auf, um Personen mit einer positiven Diagnose zu befragen und Personen aufzuspüren, mit denen sie in Kontakt gekommen waren.

Innerhalb weniger Wochen wurde auch die Covid-Tracking-App „Rakning C-19“ in Island eingeführt. Sie sollte „das Aufspüren von Übertragungen erleichtern“. Die App verfolgt die GPS-Daten der Benutzer, um eine Aufzeichnung darüber zu erstellen, wo sich die Person aufgehalten hat und wo sie möglicherweise das Virus weiterverbreitet hat. Nach Angaben von MIT Technology Review soll innerhalb weniger Tage bereits 40 % der isländischen Bevölkerung die App heruntergeladen haben.

Doch trotz dieses frühen Einsatzes und der weit verbreiteten Nutzung der App soll diese so gut wie nichts gebracht haben. Die Technologie sei nutzlos, sagte der Kriminalinspektor der isländischen Polizei, Gestur Palmason. Die automatisierte Rückverfolgung von Menschen habe nicht das ergeben, was man sich erhofft habe und sie sei daher übertrieben. Das Vorhaben von anderen Regierungen, mit dieser App zu arbeiten, solle daher mit Vorsicht betrachtet werden, warnt der Kriminalinspektor.

Island sei es auch ohne die ohnehin wirkungslose App gelungen, die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu halten und die Ansteckungskurve zum Abflachen zu bringen – und das, ohne die drastischen sozialpolitischen Maßnahmen zu ergreifen, die in fast allen Ländern ergriffen worden sind. Zwar wurde die Bewegungsfreiheit der Isländer etwas eingeschränkt sowie Gruppengrößen, doch Grundschulen und Restaurants blieben in Island geöffnet und in dem Land sind insgesamt nur 10 Todesfälle mit Covid-19 verzeichnet worden.” (1)  Dennoch hält die Politik daran fest – Zufall? Lesen Sie selbst. 

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