Aufgedeckt: Welt vor dem Abgrund – nur weiß es noch niemand…

Aufgedeckt: Welt vor dem Abgrund – nur weiß es noch niemand…

Kennen Sie die Minsky-Theorie? Wahrscheinlich nicht. So gut wie niemand kennt diese Theorie des Ökonomen, der schon zur Bankenkrise vor 10 Jahren seinen Beitrag leistete. Er behauptet, dass es einen Moment gäbe, in dem eine Blase platzt, nachdem es zuvor eine „hitzige Hausse“, also einen Aufwärtsaufschwung gegeben habe und die Beteiligten dann wahrnehmen, wie unter ihnen ein Abgrund entstanden ist. In den USA platzte diese Blase exakt in dem Moment, in dem die Zinsen zu hoch kletterten. Damals, Sommer 2006, auf 5,25 %. Die Immobilienbesitzer in den USA konnten angesichts variabler und damit anpassbarer Zinsen ihre Kredite nicht mehr zahlen.

Zuvor waren die Immobilienpreise – sämtlich kreditfinanziert, teils bis zu mehr als 100 % vom Immobilienwert – extrem geklettert. Dann allerdings sind sie unmittelbar in sich zusammen gefallen. Der Mittelstand verlor seine Häuser, die Banken ihre Sicherheiten (jedenfalls scheinbar, denn die Häuser fielen ihnen dennoch zu, und zwar zu teils sehr günstigen Zinsen).

Die Kredite wurden in Wertpapieren zusammengefasst, die als Anleihen im Bündel nicht auf den ersten Blick erkennen ließen, dass sich dahinter Bomben verbergen. Die „Welt“ beschreibt jetzt einen solchen Moment. Der Internationale Währungsfonds hat damit diagnostiziert, es habe Wertpapierverluste in Höhe von etwa 4 Billionen Dollar gegeben. Dies ist etwa so viel wie die Bundesrepublik Deutschland allein ihren Gläubigern schuldet.

Neuer Moment

Nun gibt es nach diesem Befund einen neuen Moment, der Minsky-Moment heißen könnte: Die Verschuldungsmeldung aus Griechenland im Jahr 2009. Damals waren die neuen Schulden netto doppelt so hoch ausgefallen wie erwartet.

Damit ist die Lawine in Gang gesetzt worden: Die EU hat immer mehr Staaten immer mehr Geld verschafft, über die Europäische Zentralbank und die Target-Verschuldung etwa. Dies sind Verrechnungskonten für den internationalen Handel, wobei die Bundesbank dort Forderungen gegen ausländische Schuldner in ihre Bücher aufnimmt. Genau das ist jetzt das Problem: Die Target-Forderungen der Deutschen Bundesbank belaufen sich auf mehr als 900 Milliarden Euro.

Alarmierend: Die Finanzkrise, die sich vor zehn Jahren ausbreitete, ist bis heute noch nicht überstanden. Der Schuldenstand der entwickelten Länder der OECD hat sich vielmehr inzwischen fast verdoppelt: von 25 Billionen Dollar auf etwa 45 Billionen Dollar. Die Schulden der Staaten insgesamt, der Banken, von Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors und der Haushalte soll insgesamt 233 Billionen US-Dollar betragen. Dies sind 37 Prozentpunkte mehr als es noch vor 2007 waren, als die Finanzkrise ausgebrochen ist.

Es hat sich also nichts verbessert, sondern alles verschlechtert: Die Schulden sind explodiert. Wer haftet? Steuerzahler, Banken und deren Eigentümer. Die Banken haben inzwischen sogenannte faule Kredite in Höhe von 900 Milliarden Euro angehäuft – alleine in der EU. Wenn diese Kredite ausgebucht werden müssen, gibt es zwei Wege zur Rettung: Die Staaten leihen den Banken Geld oder kaufen Anteile wie etwa Deutschland bei der Commerzbank vor etwa zehn Jahren. Oder die Banken melden Insolvenz an – das wiederum würde die Eigentümer, also die Aktionäre enteignen und mit hoher Sicherheit Panik an den Finanzmärkten auslösen.

Weil beide Wege nicht besonders charmant sind, wird natürlich schon längst ein dritter Weg gepflastert: Die Inflation. Dies ist die wundersame Geldvermehrung, der keine Produktivität gegenüber steht. Eine Inflation entwertet Geldbesitzer und deren Besitz – also auch deren Forderungen. Banken und vor allem Staaten sind dann die großen Gewinner.

Verlierer sind mit hoher Sicherheit Sie. Eine Zahl aus der „Welt“ dazu: In den vergangenen gut 200 Jahren ist in etwa 70 Fällen ein Staat sozusagen im Inland pleite gegangen (musste also nicht anderen Staaten gegenüber seine Pleite offiziell erklären). Das führte dann zur Mega-Inflation, zur Währungsreform mit Schuldenstreichungen oder zum direkten Schuldenschnitt. Wer hat bezahlt? Die Bürger mit ihren Geldeinlagen. In fast 70(!) Fällen. In Spanien übrigens 13 mal.

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