Bad Bank “verrechnet” sich um 56 Milliarden Euro – Ein Schelm, wer Böses dabei denkt — POLITAIA.ORG

Die Rechenkünstler von der “FSM-Wertmanagement”

Unter der Rubrik “Wir über uns” kann man auf der Internetseite der FMS Wertmanagement AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts, das heißt,  der Bürger darf für die Schulden aus den Gaunereien der Hypo Real Estate aufkommen) folgendes lesen:

Die FMS Wertmanagement (FMS-WM) ist eine organisatorisch und wirtschaftlich selbstständige, teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA). Mit Beschluss vom 8. Juli 2010 hat der Lenkungsausschuss der FMSA die FMS-WM formal gemäß § 8a FMStFG gegründet und deren Statut (PDF) erlassen.
Die FMS Wertmanagement übernahm zum 1. Oktober 2010 von der Hypo Real Estate Holding AG und deren unmittelbaren und mittelbaren Tochterunternehmen und Zweckgesellschaften im In- und Ausland (zusammen die HRE-Gruppe) zum Zwecke der Stabilisierung der HRE-Gruppe und des Finanzmarkts insgesamt Risikopositionen und nicht strategienotwendige Geschäftsbereiche und wird diese nach wirtschaftlichen Grundsätzen abwickeln. Dabei minimiert sie Verluste und nimmt Ertragschancen wahr.

Gell?

Was hinter der freudigen Nachricht steckt, dass sich die Bad Bank um 56 Milliarden “verrechnet” hat und der Bund somit eine um diesen Betrag geringere Schuldenlast hat (Schäuble freut sich!), kann man nur mutmaßen. Ist es eine Riesensauerei? Die Süddeutsche Zeitung (unter Berufung auf dpa) will uns folgendes weismachen, wobei sie — wie bei den gleichgeschalteten Medien üblich — unseren gesunden Menschenverstand allerbrutalstmöglich vergewaltigt–>:

Es dürfte selten sein, dass sich Wolfgang Schäuble über einen Rechenfehler freut. Doch die Bilanzkorrekturen bei der Bad Bank der Hypo Real Estate bescheren dem Finanzminister eine geringere Staatsverschuldung. (© dapd)

Da die Bad Bank, die “FMS Wertmanagement” heißt, zu 100 Prozent dem Bund gehört, hat dies direkte Auswirkungen auf die Gesamtverschuldung des Staates. Für 2011 ist nun nur noch mit einem Schuldenstand von 81,1 Prozent der Wirtschaftsleistung zu rechnen. Bisher war man von 83,7 Prozent ausgegangen.

Die Korrekturen in der Bilanz der FMS wurden aus zwei Gründen nötig. Zum einen verkaufte die Abwicklungsbank seit dem vergangenen Jahr Vermögenswerte von gut 31 Milliarden Euro (Seit dem vergangenen Jahr oder im vergangenen Jahr? Anm. d. Verf.).

Zum anderen kam es in der jüngsten Bilanz zu einem Rechenfehler. Das Bundesfinanzministerium teilte mit, dass man den Fall noch genauer untersuchen müsse. “Offenbar handelt es sich um fehlerhafte Doppelbuchungen”, hieß es.

Speziell geht es um Sicherheitsleistungen für Forderungen und Verbindlichkeiten. Sie seien vom Computersystem in der Bilanz aufaddiert worden, obwohl sie saldiert, also voneinander abgezogen hätten werden müssen.

Was????????????????????? Welche Blindgänger sitzen denn da in der Geschäftsleitung???

Ernst-Albrecht Brockhaus, Dr. Christian Bluhm, Frank Hellwig (von links)
  • Dr. Christian Bluhm (Vorstand)

Dr. Christian Bluhm arbeitete nach Studium und Promotion in Mathematik in Deutschland und den USA zunächst bei der Deutschen Bank im Bereich Risikomanagement und war später für McKinsey in der Praxisgruppe Risikomanagement tätig. 2001 wechselte er zur HypoVereinsbank, bei der er als Teamleiter im Kreditportfoliomanagement für die Analyse und Bewertung strukturierter Kreditprodukte verantwortlich war. Im Jahr 2004 wechselte er als Head Credit Portfolio Management zur Credit Suisse nach Zürich, wo er zuletzt als Managing Director tätig war.

  • Ernst-Albrecht Brockhaus (Vorstand)

Ernst-Albrecht Brockhaus begann seine berufliche Laufbahn nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln 1988 als Senior Trader für Zinsderivate bei Trinkaus & Burkhardt. Es folgten Stationen bei Sal. Oppenheim, der Commerzbank und der Deutschen Bank im Aktiv-Passiv-Management und Produkt- und Risikomanagement. 2000 wechselte er zur Deutschen Verkehrsbank als Leiter Group Treasury. Seit 2002 war Herr Brockhaus für die Bayerische Landesbank tätig, zuletzt als Bereichsleiter Group Treasury & Investor Relations, wo er die Liquiditätsplanung und -sicherung des BayernLB-Konzerns sowie die konzernweite Treasury Governance verantwortete.

  • Frank Hellwig (Generalbevollmächtigter)

Frank Hellwig arbeitete nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre zunächst bei der Hypo-Bank AG und wechselte 1998 zur HypoVereinsbank AG. Dort war er als stellvertretender Konzernbereichsleiter Rechnungswesen, Steuern und Controlling tätig. Von 2003 bis 2009 war Herr Hellwig als Mitglied des Vorstands der Hypo Real Estate Bank AG unter anderem für die Bereiche Operations, Personal und Finanzen zuständig. Zuletzt war er bei der Deutschen Pfandbriefbank AG Head of Sourcing & Corporate Services mit weltweiter Zuständigkeit und wirkte bei der Gründung der FMS Wertmanagement an führender Stelle mit.

Ja, sie wundern sich? Wie üblich hat man die Füchse zum Aufpassen in den Hühnerstall geschickt. Wie man bei einer Bilanzsumme von 358 Milliarden mal 56 Milliarden (natürlich zu Lasten des Bundes) versaubeuteln kann, ist ein Rätsel. Und eine Finanzsoftware ( “Sie seien vom Computersystem in der Bilanz aufaddiert worden, obwohl sie saldiert, also voneinander abgezogen hätten werden müssen” bla,bla) gibt es nicht. Da können Sie Gift drauf nehmen. Davon abgesehen: Selbst ein minderbemittelter Insider der FMS muss beim ersten Blick auf die Bilanz solch einen Fehler unverzüglich bemerken. Es geht hier ja nicht um ein Paar Millionen, sondern um 56 Milliarden.

Die brutalstmöglich wichtigen Mitglieder des Verwaltungsrats haben das auch nicht bemerkt:

  • Dr. Karl Kauermann (seit 8. Juli 2010), Vorsitzender des Verwaltungsrats, Kaufmann
  • Dr. Christopher Pleister (seit 8. Juli 2010), Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats, Mitglied des Leitungsausschusses der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung
  • Dr. Hannes Rehm (vom 8. Juli bis zum 20. August 2010), Sprecher des Leitungsausschusses der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung
  • Gerhard Stratthaus (vom 8. Juli bis zum 20. August 2010), Mitglied des Leitungsausschusses der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung
  • Bernd Giersberg (seit 8. Juli 2010), Rechtsanwalt
  • Dr. Eckart John von Freyend (seit 8. Juli 2010), Kaufmann
  • Rita Geyermann (seit 25. August 2010), Direktorin Kreditverbriefung der KfW Bankengruppe
  • Dr. Andreas Ricker (seit 25. August 2010), Bereichsleiter Strategie der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH
Und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat wohl auch nix geahnt. Ja, wer hat den die Bilanz testiert, die Sie hier herunterladen können? Das war:
München, den 9. Mai 2011
PricewaterhouseCoopers
Aktiengesellschaft
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

http://www.fms-wm.de/Deutsch/wir-ueber-uns/wir-ueber-uns.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/schaeuble-darf-mit-weniger-schulden-rechnen-bad-bank-verrechnet-sich-um-milliarden-euro-1.1176474

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen