Bekannter Volkswirt verteidigt EZB-Chef Draghi: Ohne ihn wären wir ärmer…

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Das ist eine Überraschung, so Beobachter: Während viele Ökonomen auch und gerade in Deutschland sich einig darüber sind, dass die niedrigen Zinsen hier für eine faktische Enteignung sorgen, verteidigt Thomas Straubhaar den EZB-Chef. Die Wohlstandssignale in Deutschland seien gut. Die Arbeitslosigkeit niedrig, die Inflationsraten niedrig, die Zinslast für den Staat gleichfalls. Wir schließen uns dieser Auffassung ausdrücklich nicht an.

Schlechte Aussichten

Straubhaar bemüht die aktuellen offiziellen Daten, die einen Verfall der hiesigen Wirtschaft auf den ersten Blick tatsächlich nicht direkt belegen können. Die Inflationsrate liegt offiziell bei etwa 2 % und damit genau auf Höhe der Zielgrößen. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Zahl der Arbeitenden wiederum auf Rekordhöhen.
Wesentlich mehr ist seinem Bericht in der „Welt“ jedoch nicht zu entnehmen.

Deutschland wäre ohne Draghi, den EZB-Chef, „ärmer“, heißt es. Im Kern: Der Wirtschaft und uns geht es gut. Das ist jedoch falsch. Jedenfalls aus unserer Sicht.
Denn zeitgleich steigen die Schulden in vielen anderen EU-Ländern. Verschuldet und unverschuldet. Verschuldet, indem Italien etwa schlicht die Sozialausgaben erhöht.

Unverschuldet, weil solche Länder aufgrund der höheren Produktivität in Deutschland und der Gefangenschaft im Euro die Verkaufsbedingungen für ihre Produkte nicht mehr wie in einem freien Währungssystem anpassen können. Sie unterliegen als Exporteure auf dem freien Markt. Und werden damit selbst zum Markt, auf dem unsere Produkte verkauft werden.

Der Preis allerdings ist hoch, denn derweil häufen sich die Schulden nicht nur in den Staaten, sondern auch in den Banken, die europaweit schlecht besicherte Kredite verkauft haben. Weil die Zinsen so niedrig sind, also dank Draghi. Und für diese Kredite stehen wir am Ende dank der Bankenhaftung bald mit ein. Dank – unter anderem – Draghi.

Die Sichtweise von Straubhaar bestreitet auch, dass Sparer in Deutschland – auch solche in den Lebensversicherungsverträgen – enteignet würden. Weil Enteignung ein sachlicher Vorgang der Entnahme aus dem Vermögen ist. Der Begriff wird allerdings wirtschaftlich verwendet, und die Kaufkraft des Euro sinkt bei sehr niedrigen Zinsen und einer Geldschwemme nach und nach. Das sehen Sie bei Immobilien – und insofern läuft die Enteignung schon lange. Wir meinen: Draghi hat tatsächlich zur Enteignung beitragen. Zu Ihrer und zu unserer.



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