Bierkrüge, Brezen und viel Beifall: Allein unter CSU-Wahlkämpfern

Ilse Aigner in der guten Chemtrails-Luft über dem Tegernsee, wo die Bilderberg Konferenz 2005 in Rottach-Egern stattfand, von der die Ilse aber gar nichts weiß. Text zum Bild:

Ilse Aigner unterstützt Einführung einer Trachten-Sonderbriefmarke

Ilse Aigner spricht sich für das Thema der oberbayrischen Gebirgstracht für eine Sonderbriefmarke zum Jahr 2015 aus. Die Initiative für diese Briefmarke wurde vom bayrischen Trachtenverband e.V., dem Gauverband I der obb. Gebirgstrachterhaltungsvereine e.V. und dem GTEV Rosenheim 1-Stamm e.V. angestoßen……http://www.ilse-aigner.de

Alles nur meine Sicht

von Rainer Vieregg

Schon bei der Fahrt über den Parkplatz ist klar, hier bittet keine kleine Alternativpartei bescheiden zur politischen Fragerunde. Zwei edle weißblaue Wahlkampf-Mobile des politischen Platzhirschen lassen keine Zweifel aufkommen: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert.

Dies bestätigt mir auch die gehobene Lokalität: Ein großer, neuer, in hellem Holz gehaltener Saal mitten im oberbayerischen Kematen: Blech-Blasmusik auf der Bühne, große Portrait-Plakate der Kandidaten an den Wänden und reichlich Werbematerial auf den Tischen. Erste Gäste fortgeschritteneren Alters im „Mir-san-fei-Bayern“-Dress genießen ihr erstes Glas Gerstensaft und reichlich Wollwürste.

Zahlreiche Helfer und Offizielle sind mit letzten Vorbereitungen beschäftigt. Der Auftritt der Stars soll ja nicht vom Ausfall der Tonanlage gestört werden. „Oh Gott, wo bin ich da hingeraten?“ schießt es mir durch den Kopf. Irgendwie kommt es mir vor wie eine Mischung aus Luxus-Bierzelt und gehobener Kaffeefahrt. Nur die Verkäuferin der goldenen Heizdecken fehlt irgendwie noch.

Sie kommt kurz darauf in Begleitung ihrer schwarz beanzugten Security-Kräfte.

Die Münchner Marketing-Abteilung hat sich entschieden, die Besucher in bewährter Manier da abzuholen, wo sie ansonsten per Flach-Flimmerkiste wohl gewöhnlich zu Hause sind: Bei einer Boulevard-Talkrunde am urigen Stammtisch. Heute mit Ilse Aigner, der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Stargast. Daneben als geübte Moderatorin ihre Parteikollegin und Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Dieser aufgehübschten weiblichen Doppelspitze stehen ein verdienter Senior-Unternehmer, ein bekannter Heimat-Schauspieler und ein erfolgreicher Olympionike als Gesprächs-Sparrings-Partner mit Lokalkolorit brav zur Seite.

Der einladende Ortsverband Feilnbach begrüßt zahlreiche Gäste persönlich. Mir ist schnell klar, daß es sich bei den meisten Anwesenden an zentralen Tischreihen um verdiente Partei-Funktionäre oder Amtsinhaber mit Ihren Partnern handelt. Man beklatscht sich artig gegenseitig und lächelt um die Wette. Langsam kommt mir die Inszenierung vor wie eine unheimliche Begegnung der dritten Art mit der (Schein-)Christlichen Einheitspartei Bayerns. Bin ich der Außerirdische?

Moderatorin Daniela Ludwig befragt die Anwesenden routiniert nach Ihren persönlichen Kämpfen und Herausforderungen, Ihrem sozialen Engagement und Ihren Wendepunkten im Leben. Dabei setzt sie immer wieder die Bundesministerin, Star-Wahlkämpferin und potentielle Seehofer-Nachfolgerin gekonnt in Szene. So weit – so Lanz.

Bei der darauf folgenden unvermeidbaren Einbeziehung des Publikums kommen einige verkraftbare kritische Themen zur Sprache, wie die Autobahn-Maut, die EU-Bevorzugung der Agrarindustrie vor bäuerlichen Kleinbetrieben oder die Privatisierung der Staatsforste zu Gunsten internationaler Holz-Multis und zum Nachteil heimischer kleiner Sägewerke.

Vom unermüdlichen Aktivisten Stefan Bauer mit den jährlichen Treffen der „Bilderberg-Gruppe“ und deren mutmaßlichen Einfluß auf die Bundesdeutsche Politik konfrontiert, reagiert die Moderatorin wie choreografisch einstudiert: Der Fragesteller wird zunächst zu weiteren Erläuterungen aufgefordert, was einige Gäste zu ungeduldigem Murren veranlasst. Dann wird er am weiteren Reden gehindert, ab sofort werden Fragen gesammelt und übergangslos wird dem nächsten Fragesteller das Wort erteilt: „..den muß ich Euch jetzt sicher nicht vorstellen…“ – zufällig ein ehemaliger Landtagsabgeordneter, der „seine“ Ministerin sofort mit Lob überschüttet. Im Anschluß an die Lobeshymne leugnet Aigner ebenso kurz wie dreist, je von den „Bilderbergern“ gehört zu haben und die Moderatorin leitet professionell, die Aufmerksamkeit der Gäste geschickt lenkend, zum nächsten Fragesteller über. Gut gemacht, aber durchschaubar, Frau Ludwig.

Mein Fazit dieses Besuches in der Matrix: Das Radler war gut, ein paar Gleichgesinnte konnte ich auch identifizieren und der Abend hat die alltägliche Verschwörungspraxis weiter beleuchtet. Ein Werbegeschenk als Erinnerungsstück ist mir auch geblieben: Vor mir liegt ein buntes kleines Briefchen mit dem künstlichen Konterfei von Frau Aigner: „In Notfällen an Ihrer Seite“, steht da. Ich hoffe, sie meint nur die vier beigepackten Wundpflaster!

Nix für unguat, Rainer Vieregg

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