Corona und Erziehung: Eine “Chance” für die Kinder?

www.shutterstock.com, 240432694

Das Corona-Virus hat uns dazu gezwungen, die “Familie” wieder in den eigenen vier Wänden zu erleben. Kindergärten sind für die meisten Menschen geschlossen. Die Eltern müssen wieder mit den Kindern spielen, lernen, essen und gute wie schlechte Stimmungen ertragen. Die Kinder müssen sich wieder mit ihren Eltern auseinandersetzen. Ist dies nur ein Nachteil? Die Situation gibt den Blick frei dafür, was der Forscher Michael Hüter vorgeschlagen hatte. Wir haen dies in einem Beitrag aufgeführt, der jetzt ebenfalls relevant ist.

Corona und neue Wege

„Wir haben weltweit und vorrangig in den ‚hoch entwickelten‘ Ländern fast vollständig den Blick für die realen und naturgegebenen Bedürfnisse und das Wesen des Kindes verloren. Mit verheerenden Folgen für Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Individuum.“ Michael Hüter, von dem dieses Zitat stammt, versteht sich als Kindheitsforscher, Historiker, Autor, Verleger, Pianist und Aktivist.

In seinem Buch „Kindheit 6.7 – Ein Manifest – Es ist höchste Zeit, mit unseren Kindern neue Wege zu gehen“, recherchiert der Autor und Historiker die Geschichte der Kindheit und deren Folgen. Das Buch ist zugleich Zivilisationskritik, ein leidenschaftliches Plädoyer und ein Manifest für ein wieder menschenwürdiges und „artgerechtes“ Aufwachsen von Kindern, für eine neue Wertschätzung der familialen Sozialisation und für vollständige Bildungsfreiheit.

Über hunderttausend Jahre gab der Sapiens dem Leben einen Sinn, bis er sesshaft wurde, so die Meinung Hüters. Danach fragten die Menschen über Jahrtausende nach einem Leben und Sinn nach dem Tod – Was die meisten Kinder nicht verstanden hätten, denn sie lebten ja weiterhin im Hier und Jetzt. Die dringlichste Frage von Kindern und Jugendlichen im 21. Jahrhundert werde aber die Frage sein: Gibt es ein „sinnvolles“ Leben vor dem Tod?

Die großen Entwicklungen, Fortschritte und Leistungen im kulturellen wie auch im wissenschaftlichen Bereich, so Hüter, würden wir einzelnen Menschen und oft schon Kindern und Jugendlichen verdanken, die vorwiegend durch die Unterstützung ihrer Familie die Möglichkeit hätten, ihrer Intuition und ihren Begabungen zu folgen. Ohne Krippe, ohne Kindergarten und ohne Schul-Druck. Etwa 80 Prozent aller Persönlichkeiten Europas der letzten Jahrhunderte, die Herausragendes für Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft geleistet hätten, seien zuallererst lange familial sozialisiert worden, so die Erkenntnis Hüters.

In der gesamten industrialisierten Welt sei der Blick für die Kompetenzen von Kindern verloren gegangen und eine Welt erschaffen worden, die gegenwärtig etwa 50 Prozent (!) der Kinder krank und viele junge Menschen buchstäblich verrückt werden ließe. Kitas und Ganztagsschulen für Kinder jeden Alters seien ein diametral falscher Weg, meint Hüter. Jedes Kind dieser Welt komme mit der Fähigkeit zu Empathie, sozialem Verhalten und einer fast endlosen Lern- und Lebenslust zur Welt. Hüter hat aber das Gefühl, dass wir wieder am Beginn des 16. Jahrhunderts lebten, als man die Erde noch für eine Scheibe hielt. Wenn wir aber wieder die wissenschaftlichen Forschungserkenntnisse aus Neurobiologie, Psychologie, Anthropologie und Soziologie aus der gesamten Kindheitsforschung berücksichtigen und ernst nehmen würden, müsste jede Krippe sofort geschlossen werden und mit Sicherheit 60 bis 70 Prozent unserer Schulen.

Die Liebesbedürftigkeit des Sapiens sei unermesslich groß, so Hüter. Die Geschichte der familialen Sozialisation und der elterlichen Liebe sei eine vergessene, verdrängte und oft unterdrückte Geschichte. Die elterliche Liebe sei so tief im evolutionären Programm des Sapiens eingeprägt, dass alle Babys und Kinder auch heute noch und weltweit zuerst einmal und nur diese eine Geschichte lieben und mit jeder Faser ihres Körpers danach verlangen würden. Die Liebesbedürftigkeit eines kleinen Kindes sei unermesslich groß. Wenn sie beim Menschenkind nicht gestillt werde, werde der Mensch – mit wenigen Ausnahmen, ein lebenslänglich bedürftiger Mensch, so die Ansicht Hüters. Wer Liebe nicht früh erfahren habe, der werde auch später nichts lieben und bewahren, glaubt Hüter.

Die vielen krankhaften Symptome und die maßlose Zerstörung unseres Lebensraums sei die Folge von frühkindlichem Liebesmangel. Man müsse nicht das Klima oder die Natur retten, sondern lediglich die hohe Entfremdung von unserer eigenen Natur beenden, lautet Hüters Erkenntnis. Eine interessante Erkenntnis. Hier lesen Sie mehr.  

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen