Das Geständnis des kriminellen John Kerry

Das Geständnis des kriminellen John Kerry

Der Krieg gegen Syrien ist der erste seit mehr als sechs Jahren im digitalen Zeitalter. Viele Dokumente, die lange Zeit geheim gehalten werden sollten, sind bereits erschienen. Natürlich waren sie in verschiedenen Ländern erschienen, weshalb die internationale öffentliche Meinung ihrer nicht bewusst war, aber sie gestatten jetzt schon die Rekonstruktion der Ereignisse. Die Veröffentlichung einer Aufnahme privater Bemerkungen von John Kerry im September letzten Jahres, deckt die Politik des Außenministers auf und zwingt alle Beobachter — auch uns — ihre vorherigen Analysen zu revidieren.

von Thierry Meyssan

Die Veröffentlichung der kompletten Tonaufnahme des Treffens zwischen Außenminister John Kerry und Mitgliedern der Nationalen Koalition (22. September 2016 in der Delegation der Niederlande bei den Vereinten Nationen) durch The Last Refuge ändert, was wir von der US-Position zu Syrien zu verstehen glaubten.

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Erstens glaubten wir, dass – obwohl Washington die so genannte Operation “arabischer Frühling” ins Leben gerufen hatte, um die weltlichen arabischen Regimes zugunsten der Muslimbruderschaft zu stürzen-  seine Verbündeten in dem zweiten Krieg gegen Syrien ab Juli 2012 alleine agieren ließ. Da diese Staaten ihre eigenen Ziele verfolgten (Wiederkolonisierung für Frankreich und das Vereinigte Königreich, Eroberung der Gasfelder für Katar, Ausbau des Wahhabismus und Rache für Saudi Arabien wegen des libanesischen Bürgerkriegs , Annexion des Nordens des Landes für die Türkei nach dem Zypern-Modell, usw.), glaubten wir, dass das ursprüngliche Ziel aufgegeben worden wäre.

Nun aber bestätigt John Kerry in dieser Tonaufnahme, dass Washington den Versuch nie aufgegeben hat, die syrische arabische Republik zu stürzen, was also bedeutet, dass er jeden Schritt der Arbeit seiner Verbündeten kontrolliert hat. In der Tat eurden in den vier letzten Jahren die Dschihadisten durch das Allied LandCom (Heereskommando) der NATO mit Sitz in Izmir (Türkei) kommandiert, bewaffnet und koordiniert.

Zweitens bestätigt John Kerry darin, dass Washington wegen des internationalen Rechts und der Stellungnahme von Russland nicht weiter gehen konnte. Verstehen wir es richtig: die Vereinigten Staaten haben weiterhin ihr Recht überschritten. Sie haben den Großteil der Öl- und Gasinfrastruktur des Landes zerstört, mit dem Vorwand, gegen die Dschihadisten zu kämpfen (was im Einklang mit dem Völkerrecht ist), aber ohne von Präsident Al-Assad dazu aufgefordert worden zu sein (was das Völkerrecht verletzt). Sie wagten jedoch nicht, ihre Bodentruppen einzusetzen und die Republik offen zu bekämpfen, wie sie es in Korea, Vietnam und Irak gemacht haben. Dazu beschlossen sie, ihre Verbündeten an die Front zu schicken und von hinten zu steuern und ohne große Geheimniskrämerei die Söldner zu unterstützen, wie sie das in Nicaragua gemacht haben, wobei sie  Gefahr liefen, durch den Internationalen Gerichtshof (das interne Tribunal der Vereinten Nationen) verurteilt zu werden. Washington ist nicht gewillt einen Krieg gegen Russland zu führen. Und Russland, das sich nicht gegen die Zerstörung von Jugoslawien und Libyen gewehrt hatte, bot nun die Stirne und zog eine Linie, die nicht überschritten werden dürfte. Moskau ist imstande, das Gesetz mit Gewalt zu verteidigen, falls Washington offen einen neuen Eroberungskrieg wagen sollte.

Auf dieser von Robin Wright in der New York Times im Jahr 2013 herausgegebenen Karte unterscheidet man das Sunnistan, das ISIS im Juni 2014 schaffen und wo es das Kalifat verkünden sollte, und das Kurdistan, das Frankreich und Israel jetzt erstellen möchten. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Karte nichts für die Christen vorsieht, die nach Europa deportiert oder ausgerottet werden sollen.
Von Robin Wright in der New York Times im Jahr 2013 herausgegebene Karte

Drittens bestätigt damit John Kerry, dass Washington auf einen Sieg von Daesch über die Republik hoffte. Bis dahin hatten wir auf der Basis des Berichts des Generals Michael Flynn (vom 12. August 2012) und des Artikels von Robin Wright (in der New York Times vom 28. September 2013) verstanden, dass das Pentagon beiderseits der syrisch-irakischen Grenze ein Sunnistan schaffen wollte, um die Seidenstraße abzuschneiden. Nun gab er aber zu, dass der Plan weit darüber hinausging. Wahrscheinlich sollte Daesch Damaskus einnehmen, um dann von Tel-Aviv verjagt zu werden (d. h. sich ins Sunnistan, das ihm zugeteilt worden war, zurückzuziehen). Syrien wäre dann im Süden von Israel, im Osten von Daesch und im Norden von der Türkei aufgeteilt worden.

Dieser Punkt gestattet zu verstehen, warum Washington den Eindruck erweckt hat, nichts mehr zu kontrollieren, seine Verbündeten „walten zu lassen”: in Wirklichkeit hat es Frankreich und das Vereinigte Königreich in den Krieg getrieben, indem es ihnen weismachte, dass sie die Levante wieder kolonisieren könnten, während geplant war, Syrien ohne sie zu teilen.

Viertens: mit dem Geständnis, Daesch „unterstützt zu haben”, gibt John Kerry zu, Daesch bewaffnet zu haben, was die Rhetorik des “Krieges gegen den Terrorismus” auf null reduziert.

Der al-Askari-Schrein in Samarra vor der Zerstörung 2006
Der al-Askari-Schrein in Samarra vor der Zerstörung 2006

- Wir wussten seit dem Attentat auf die al-Askari Moschee in Samarra am 22. Februar 2006, dass Daesch (ursprünglich ” Islamisches Emirat Im Irak” genannt) vom Direktor des nationalen US-Geheimdienstes John Negroponte und Oberst James Steele geschaffen wurde, — nach dem Vorbild, wie sie es in Honduras getan hatten — um dem irakischen Widerstand ein Ende zu machen und einen Bürgerkrieg zu entfachen.
- Wir wussten seit der Veröffentlichung des Protokolls der Planungsbesprechung in Amman (am 1. Juni 2014) in der Tageszeitung der PKK (Özgür Gündem), dass die Vereinigten Staaten die gleichzeitige Offensive von Daesch auf Mossul und der Regionalregierung vom Irakisch-Kurdistan auf Kirkuk organisiert hatten.
- Heute wissen wir mit Sicherheit, dass Washington nie aufgehört hat, Daesch zu unterstützen.

guendemFünftens hatten wir den Konflikt zwischen dem Clan Allen/Clinton/Feltman/Petraeus einerseits und der Obama/Kerry-Verwaltung andererseits als Unterstützung von Daesch beziehungsweise gegen eine solche interpretiert. Es war dem aber nicht so. Beide hatten absolut keine Skrupel, die fanatischsten Dschihadisten zu organisieren und zu unterstützen. Ihre uneinige Auffassung konzentrierte sich ausschließlich auf den möglichen Rückgriff auf offenen Krieg — und den Konflikt, den er mit Russland riskiert — oder über die Wahl von geheimen Aktionen. Nur Flynn — der aktuelle Sicherheits-Berater von Trump — war gegen den Dschihadismus.

Falls die Vereinigten Staaten in ein paar Jahren zusammenbrechen sollten, wie einst die Sowjetunion, könnte diese Aufnahme von John Kerry gegen ihn und gegen Barack Obama vor einem internationalen Gericht verwendet werden — allerdings nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof, der jetzt diskreditiert ist.  Da er Teile des von der New York Times veröffentlichten Gesprächs bestätigt hat, könnte er die Echtheit der gesamten Aufnahme nicht leugnen. Die von Kerry zugegebene Unterstützung von Daesch verstößt gegen mehrere UN-Resolutionen und ist ein Beweis seiner und Obamas Verantwortung bei den durch die terroristische Organisation begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Übersetzung: Horst Frohlich

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