Das U.S. AFRICOM setzt seine imperialistische Agenda um.

Das U.S. AFRICOM setzt seine imperialistische Agenda um. Nach der erfolgreichen Zerschlagung Libyens können die USA ihre militärischen Ambitionen in Afrika fast ungehindert realisieren

Von Dan Glazebrook, The Guardian, 14.06.12

Übersetzung von Luftpost-kl.de am 20.06.2012

(Links und Hervorhebungen durch politaia.org)

“Je weniger sie von uns sehen, desto weniger werden sie uns ablehnen.” Das sagte der britische General Frederick Roberts während des Englisch-Afghanischen Krieges in den Jahren 1878-80 und beschrieb damit eine Politik der Kollaboration mit afghanischen Stammesführern, die ihre Stämme für das Empire kontrollierten.
Die so genannte “indirekte Herrschaft” war lange das Erfolgsrezept des Britischen Weltreichs, das größtenteils nicht von britischen Soldaten, sondern von Kolonialtruppen erobert wurde, die in bereits ins Empire eingegliederten Ländern rekrutiert wurden. Man versuchte immer, die schmutzige Kontrolle über das Empire so auszuüben, dass möglichst wenig
weißes Blut vergossen werden musste.

In den letzten Jahren hat man sich wieder an diese Praxis erinnert. Die hohen Verluste der Truppen westlichen Staaten im Irak und in Afghanistan haben die Politiker wieder gelehrt, dass Kolonialkriege, in denen ihre eigenen Soldaten getötet werden, zuhause wenig Zustimmung finden. In beiden Fällen brachten oder bringen die USA und Großbritannien ihre Soldaten in Sicherheit und lassen die Gegner der zur Wahrung ihrer Interessen errichteten neuen Regime von einheimischen Hilfsarmeen umbringen, (die sie ausgebildet und ausgerüstet haben und) die ihnen (deshalb) gehorchen.
Das wird jetzt auch in Afrika versucht.
Um ihren abnehmenden Einfluss auf dem schwarzen Kontinent zurückzugewinnen, der durch die wachsenden Investitionen Chinas bedroht ist, haben die USA im Oktober 2008 (das in Stuttgart residierende) AFRICOM – das Afrika-Kommando des US-Militärs – aktiviert. (Weitere Infos dazu unter http://www.politaia.org/iran/der-plan-der-city-of-london-fur-afrika-und-den-nahen-und-mittleren-osten/ .)

Das AFRICOM koordiniert alle militärischen US-Aktivitäten in Afrika und trägt nach seiner Aufgabenbeschreibung “zu wachsender Sicherheit und Stabilität in Afrika bei, indem es afrikanische Staaten und regionale Organisationen bei der Durchsetzung der Demokratie und bei Entwicklungsmaßnahmen unterstützt, damit sie sich selbst verteidigen und ihrer Bevölkerung besser dienen können”.
Manchmal äußern sich die Militärs jedoch offener über ihre eigentlichen Absichten: Auf einer Konferenz im Jahr 2008 erklärte Vizeadmiral Robert Moeller, AFRICOM solle “den freien Fluss von Bodenschätzen aus Afrika auf den Weltmarkt sichern“, und zwei Jahre später schrieb er in einem Artikel in der Zeitschrift Foreign Policy: “Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, AFRICOM hat die Aufgabe, amerikanische Leben zu schützen und amerikanische Interessen zu fördern.” Mit militärischen Mitteln versuchen westliche Staaten den Einfluss zurückzugewinnen, den sie einmal durch ihre finanzielle Dominanz hatten.
Die relativ wenigen US-Amerikaner, die tatsächlich für AFRICOM arbeiten – es sind etwa 2.000 Personen – lassen sowohl auf die mit dem Projekt verfolgten Absichten als auch auf die Bedrohung schließen, die es für die Unabhängigkeit afrikanischer Staaten darstellt. Wie wir bereits erfahren haben, steht dahinter die Idee, in den kommenden Kolonialkriegen nur Afrikaner und nicht etwa Soldaten aus den USA oder Europa für die Durchsetzung westlicher Interessen kämpfen und sterben zu lassen. Die von AFRICOM eingesetzten US-Soldaten sollen nicht in Afrika kämpfen, sondern nur kommandieren; das AFRICOM hofft, nach und nach den Befehl über sämtliche Streitkräfte der Afrikanischen Union übernehmen zu können.
Libyen war ein Testfall. Der erste unter dem Befehl des AFRICOM geführte Krieg erwies sich als bemerkenswert erfolgreich: Eine bedeutende Regionalmacht wurde ohne den Verlust eines einzigen US-amerikanischen oder europäischen Soldaten zerschlagen. Dieser Krieg brachte für AFRICOM jedoch ein noch wichtigeres Ergebnis: Mit der Ausschaltung Muammar Gaddafis hat AFRICOM seinen entschiedensten Gegner eliminiert.
Gaddafi starb als überzeugter Pan-Afrikaner, und wie auch immer man diesen Menschen ansonsten einschätzt, er wollte keinesfalls, dass Afrika ein untergeordneter Lieferant preiswerter Arbeit und wertvoller Rohstoffe bleibt, wie AFRICOM das will. Er war nicht nur die treibende Kraft bei der Gründung der Afrikanischen Union im Jahr 2002, er war (von Februar 2009 bis Januar 2010) auch deren gewählter Vorsitzender und machte Libyen zu ihrem größten Geldgeber.
Zum Missfallen einiger seiner afrikanischen Kollegen setzte er sich für die Schaffung der “Vereinigten Staaten von Afrika” ein – mit einer Einheitswährung, einer gemeinsamen Armee und einheitlichen Pässen. Ganz konkret hat Libyen unter Gaddafi etwa 150 Milliarden Dollar in anderen afrikanischen Ländern investiert – meistens in die soziale Infrastruktur und in Entwicklungsprojekte; mit seiner Freigebigkeit hat er sich besonders in kleineren Ländern viele Freunde gemacht. Hätte Gaddafi seinen Einfluss behalten, wäre das für AFRICOM sehr hinderlich gewesen.
Seit der Eliminierung Gaddafis kann das US-Kommando mit Volldampf loslegen. Es ist kein Zufall, dass Präsident Obama nur wenige Monate nach dem Fall der Hauptstadt Tripolis und noch in dem Monat, in dem Gaddafi umgebracht wurde, die Entsendung von 100 Soldaten der US-Special Forces in vier verschiedene afrikanische Staaten, einschließlich
Ugandas, ankündigte. Offiziell sollen sie die “Jagd auf Joseph Kony” unterstützen , in Wirklichkeit bilden sie jedoch afrikanische Soldaten für den US-Stellvertreterkrieg in Somalia aus; bereits im letzten Monat wurden weitere 2.000 ugandische Soldaten dorthin entsandt.
Noch im laufenden Jahr will AFRICOM vierzehn große Militärmanöver in afrikanischen Staaten organisieren; in einer kürzlich veröffentlichten Presserklärung hat die Africa Partnership Station, die für AFRICOM das Training für die Seestreitkräfte (afrikanischer Staaten) organisiert, erklärt, dass man 2013 “nach intensiver Ausbildung zu realen Operationen übergehen” wolle.
Seit 2007 hat sich Afrika sehr verändert; damals durfte sich AFRICOM noch nicht auf afrikanischem Boden niederlassen und war gezwungen, sein Hauptquartier in Stuttgart in Deutschland einzurichten. Gaddafis Libyen bildete nicht nur ein Bollwerk gegen das Eindringen des US-Militärs in den afrikanischen Kontinent, es war auch eine wichtige Brücke zwischen dem schwarzen Afrika südlich der Sahara und dem arabischen Afrika im Norden. Der Rassismus des von der NATO installierten neuen Regimes in Libyen, das ein Pogrom gegen die schwarze Bevölkerung des Landes angezettelt hat, reißt diese Brücke gerade ein und zerstört damit alle Ansätze für ein vereinigtes Afrika.
Weil sich AFRICOM nach der Ausschaltung seines entschiedensten Gegners auf dem Vormarsch befindet, steht die Afrikanische Union jetzt vor der wichtigsten Entscheidung in ihrer Geschichte: Wird sie sich zu einer Kraft entwickeln, die für die regionale Integration und die Unabhängigkeit (Afrikas) eintritt, oder wird sie sich zum Werkzeug der militärischen Aggression des Westen gegen den schwarzen Kontinent machen lassen?

Quellen:

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/jun/14/africom-imperial-agenda-marcheson
www.luftpost-kl.de

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