Dass französische Konlonialreich im Gewande der CFA-Zone

Wie die Franzosen Afrika plündern

Sanou Mbaye, a former member of the senior management team of the African Development Bank, is a Senegalese investment banker and the author of L’Afrique au secours de l’Afrique (Africa to the Rescue .. Full profile)

Frankreichs unangefochtene politische, wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung in seinen ehemaligen Kolonien in Afrika südlich der Sahara beruht auf einer Währungseinheit, dem CFA-Franc. Diese 1948 ins Leben gerufene Währung sollte es Frankreich erlauben, das Schicksal seiner vierzehn ehemaligen Kolonien – Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun, Äquatorialguinea, Guinea Bissau und den Tschad – zu bestimmen. Selbst nachdem diese Länder vor mehreren Jahrzehnten ihre Unabhängigkeit erreicht hatten, wurde die Franc-Zone* beibehalten.

Die CFA-Franc-Zonen: Afrikanische Staaten mit dem CFA-Franc als Währung: dunkelgrün: CFA-Franc BCEAO (Wirtschaftsunion UEMOA) hellgrün: CFA-Franc BEAC (Wirtschaftsunion CEMAC

Im Gegenzug dafür, dass Frankreich die Konvertierbarkeit des CFA-Francs garantierte, willigten diese Länder ein, 65 % ihrer Devisenreserven auf ein spezielles Konto des französischen Finanzministeriums einzubezahlen. Überdies gewährte man Frankreich ein währungspolitisches Vetorecht, wenn dieses spezielle Konto überzogen war. In den letzten vierzig Jahren hatten diese Entscheidungen verheerende Auswirkungen.

Der Großteil des Geldes in CFA-Francs stammt aus dem Handel zwischen Frankreich und seinen afrikanischen Verbündeten. Infolgedessen war die Franc-Zone immer von Geldknappheit und hohen Zinssätze geprägt. Auf der anderen Seite hatten Strukturanpassungsprogramme des IWF und der Weltbank die Inflation niedrig gehalten – so als ob weitere Sparzwänge im Namen der Preisstabilität in den unter jahrzehntelanger rückläufiger Nachfrage leidenden ärmsten Ländern die angemessene politische Priorität gewesen wären.

Die Folge war eine tödliche Kombination aus Währungskonvertierbarkeit, explodierenden Zinssätzen, niedriger Inflation und freiem Kapitalverkehr. Das alles führt nur zu Spekulation und Kapitalflucht. Spekulanten transferieren enorme Geldsummen aus Frankreich auf hoch verzinste lokale Einlagenkonten, kassieren vierteljährlich steuerfrei ihre Erträge und spielen dieses risikolose Spiel immer wieder.

Die Handelsbanken schwimmen im Geld aus diesen kurzfristigen, spekulativen Transaktionen, das sie dann als Kredite zu strengsten Konditionen an die Regierungen vergeben. Die Banken und Spekulanten heimsen damit erneut schöne Gewinne ein, die Regierungen werden von untragbaren Schulden erdrückt, dem einheimischen Produktionssektor mangelt es and mittel- und langfristigen Finanzierungen und die meisten Menschen leben weiterhin in erdrückender Armut.

Die Gründe für die Kapitalflucht liegen im freien Gewinntransfer, der Schuldenrückzahlung und im Hang der Eliten ihre Vermögensbestände ins Ausland zu verfrachten. Dieser massive Devisenabfluss wird dank einer 1993 ins Leben gerufenen Kapitalkontrolle ausschließlich nach Frankreich umgeleitet. Die Folge ist, dass einige der ärmsten Länder der Welt Teile des französischen Haushaltsdefizits finanzieren.

Der einzige rationale Grund für die Existenz des CFA-Francs ist ein stillschweigendes Übereinkommen zwischen Frankreich und den regierenden Eliten in seinen ehemaligen Kolonien, die Staaten der Franc-Zone auszuplündern. Sogar die vorteilhaften Auswirkungen der gemeinsamen Währung auf den Handel zwischen den Mitgliedsländern wurden durch die paradoxe Entscheidung der ehemaligen französischen Kolonien südlich der Sahara zunichte gemacht, wonach die föderalen Regierungsstrukturen und der Binnenmarkt der Kolonialzeit zerstört und stattdessen Handelshemmnisse eingeführt wurden.

Und so als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, wurde der Wechselkurs des CFA-Francs, der seit 1948 unverändert geblieben war, im Jahr 1994 um 50 % abgewertet. Wann war die Gelegenheit – aus der Sicht ausländischer Investoren – jemals günstiger, um staatliche Vermögenswerte in großem Stil zu privatisieren? Unter der Schirmherrschaft des IWF und der Weltbank wurden lukrative Sektoren wie Energie, Telekommunikation, Wasserversorgung und Banken zu Schleuderpreisen an westliche Unternehmen verkauft.

Die Bilanz der Partnerschaft zwischen Frankreich und seinen früheren afrikanischen Kolonien war also höchst einseitig. Frankreich sicherte sich einen riesigen Markt für seine Produkte, eine ununterbrochene Versorgung mit billigen Rohstoffen, die Repatriierung des Löwenanteils der lokalen Ersparnisse, konkurrenzlosen politischen Einfluss, kostenlose strategische Präsenz auf Militärbasen und die Gewissheit, dass es sich auf die diplomatische Unterstützung seiner afrikanischen Verbündeten verlassen konnte. Für die Afrikaner allerdings bedeutete diese Partnerschaft schwachen Handel, Geldknappheit, hohe Zinssätze, massive Kapitalflucht und Schuldenberge, deren Rückzahlung Investitionen in Bildung, Ausbildung, im Gesundheitswesen, der Nahrungsproduktion, im Wohnbau und der Industrie verhinderte.

Die negativen Auswirkungen dieser Ordnung weiteten sich auf den gesamten afrikanischen Kontinent aus. Auf politischer Ebene stellten sich Frankreich und seine Verbündeten gegen die in den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren von Persönlichkeiten wie Nasser und Nkrumah ventilierte Idee einer Regierung für ganz Afrika. Sie halfen das Projekt zu blockieren und den berüchtigt ineffizienten Club afrikanischer Staatschefs, die Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU), zu schaffen, wodurch die Uhr der afrikanischen Integration um Jahrzehnte zurückgestellt wurde.

Als die OAU die Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (ECOWAS) beauftragte, die regionale Wirtschafts- und Währungsunion zu fördern, verhinderten Frankreich und seine Verbündeten dies sofort durch die Schaffung der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) und der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (CEMAC). Das hinderte die ECOWAS daran, die Wirtschaftsleistung ihrer Schwesterorganisationen, der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) und dem Gemeinsamen Markt für das Östliche und Südliche Afrika (COMESA) zu erreichen.

Aber für die afrikanischen Verbündeten Frankreichs ist es illusorisch und undurchführbar, einer bereits bestehenden künstlichen Währungsunion ein wirtschaftliches Integrationsprogramm aufzupfropfen. Diese künstliche Währungsunion hat das Gefüge der Gesellschaften seit ihrer Unabhängigkeit 1960 durcheinander gebracht. So ist es auch kein Wunder, dass die meisten dieser Staaten heute mit zivilen Unruhen, Rebellionen und der Gefahr einer Implosion konfrontiert sind.

Wenn der französische Teil Afrikas wachsen soll, muss die Franc-Zone abgeschafft werden. Die Einführung des Euro bot eine Gelegenheit für die ehemaligen Kolonien, sich aus der sie erstickenden französischen Umarmung zu befreien. Diese Chance hat man verpasst. Stattdessen wurde der CFA-Franc an den Euro gebunden ohne die Regeln, Institutionen und Funktionsweisen zu verändern. Für die Bürger der frankophonen Länder Afrikas wird dies mit Sicherheit tragische Konsequenzen haben.

http://www.project-syndicate.org/commentary/how-the-french-plunder-africa/German



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