David Irving und der Zustand unserer Demokratie

David Irving in Warsaw (Photo: Reuters)

Nachfolgender Artikel erschien auf der Webseite scilogs.de

von Yoav Sapir, 18. September 2013

Aus gegebenem Anlass greife ich hier wieder die leider eng miteinander verknüpften Themen “Holocaustleugnung” und “Zivilcourage” auf, die ich in früheren Jahren mehrmals besprochen habe (das letzte Mal war, wenn ich mich recht entsinne, 2008 anlässlich des Falls Udo Voigt). Der diesmalige Anlass ist der Versuch von David Irving, in die BRD einzureisen.

Im Vorfeld seiner geplanten, aber letzten Endes doch nicht erlaubten Reise nach Berlin beteiligte sich das “Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus” (JFDA), in dessen Vorstand ich sitze, an einer Kampagne, die Hotels in der Stadt dazu aufgerufen hat, ihm keine Unterkunft zu gewähren (zu dem Zeitpunkt wurde ihm nicht Einreise noch nicht wiederholt verwehrt). Wie da zu lesen ist, haben wir uns dem Vorwurf angeschlossen, er habe “die Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert” (wörtlich genommen – ist das nicht etwa die Aufgabe eines jeden Historikers, zu relativieren, also in Bezug und Vergleich zu setzen? Von meinem Mentor Moshe Zimmermann habe ich gelernt, dass der Vergleich – nicht die Gleichsetzung – die Basis jeder historischen Erkenntnis ist). Es war also eine Kampagne gegen eine Privatperson – nicht gegen eine Partei oder eine andere Organisation, sondern gegen eine Privatperson, die eigentlich genauso am gesellschaftlichen Leben teilnehmen bzw. zur rechtmäßigen Inanspruchnahme wirtschaftlicher Dienstleistungen berechtigt sein sollte wie jede andere (das würde ich jedenfalls von wahrhaft demokratisch Gesinnten erwarten).

Nun ist aber David Irving eben nicht “irgendeine” Person, sondern ein Verbrecher, weil er nämlich den Holocaust geleugnet hat und eben deswegen nach wie vor nicht in die BRD einreisen darf. Inwiefern sich so eine Straftat in eine Demokratie gehört, möchte ich später besprechen. Denn erst mal stellt sich mir die Frage: “Na und?” Mir fallen nämlich wesentlich schlimmere Verbrechen ein: Mord, Vergewaltigung, Pädophilie usw. Stellen wir uns also eine ganz schlimme Person vor, die sich in allen drei Punkten (Mord, Vergewaltigung, Pädophilie) strafbar gemacht und deswegen mehrere Dutzend Jahre hinter Gittern verbracht hat. Nach alledem wird diese Person irgendwann mal freigelassen – sie könnte wieder morden, vergewaltigen, ein Kind missbrauchen etc. – aber es ist eben keine Gesetzmäßigkeit, dass sie dies wieder tun würde (schließlich basiert unser Rechtswesen auf der Vorstellung von der freien Wahl). Diese Person möchte also Berlin besuchen – würde nun jemand auf die Idee kommen, sich an einer Hetzkampagne gegen diese Person zu beteiligen, damit umso mehr Hotels ihr die Unterbringung verweigern?

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Weiterlesen:

http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/holocaust/2013-09-18/david-irving-und-der-zustand-unserer-demokratie


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