Deutsche Bahn: Unfassbarer Schuldensumpf

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Die Deutsche Bahn kommt – so oder ähnlich lautete früher ein Slogan des Staatsriesen. Nun läuft gar nichts mehr, wenn es nach den Ankündigungen des Unternehmens selbst geht. Denn deren Chef Lutz hat kürzlich erst angemerkt, es werde „einschneidende Maßnahmen“ geben. Darüber berichtet aktuell kontextwochenzeitung.de und der dort als Autor fungierende Bahnspezialist Winfried Wolf, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema auseinandersetzt. Er bescheinigt der Bahn, die eigentlichen Ursachen des Desasters seit langem zu ignorieren. Die Krise werde sich sogar noch verschärfen, heißt es in dieser Analyse.

Ein Brandbrief vom Chef

Bahnchef Lutz hatte einen „Brandbrief“ an seine Führungskräfte verfasst. Vor drei Wochen erhielten die Manager einen Hinweis darauf, das Unternehmen würde sich in einer „schwierigen Lage“ befinden. Zudem würde sich die Situation in den „letzten Monaten verschlechtert haben“. Es ging sogar darum, die „wirtschaftliche Stabilität“ der Deutschen Bahn zu „erhalten“, und daher seien die genannten „einschneidenden Maßnahmen“ wichtig.

In Zahlen ausgedrückt: Die Schulden der Bahn liegen nun bei – Achtung – 19,7 Milliarden Euro. Eigentlich unglaublich, dass die Verbindlichkeiten binnen Jahresfrist noch einmal um 0,7 Milliarden Euro oder 700 Millionen Euro nach oben geklettert sind. Dabei wird vor allem ein Anstieg der Verwaltungskosten diagnostiziert – die sind seit 2015 dem Bericht und dem Brandbrief nach um einen „deutlichen dreistelligen Millionenbetrag“ nach oben gewandert.

Daraufhin hat Lutz nun eine Ausgabensperre verordnet. Dies ist bei einem Unternehmen dieser Größenordnung ein Alarmzeichen.

Nur: Der Chef selbst hatte am 25. Juli bei einer Halbjahresbilanz-Präsentation noch andere Zahlen angekündigt. So meine er, dass „Einige Erfolge bereits“ zu verbuchen seien. Er schwafelte demnach von Fahrgastrekorden und einer intensiven Arbeit daran, robuster zu werden. Er freute sich auf die „Digitalisierung“, um die Strecken zu überwachen und damit Probleme zu umgehen. Auch würden „Roboter künftig die Frischwasserversorgung und andere zeitaufwendige Tätigkeiten“ vollziehen. Alles zugunsten der Kunden.

Ein Chef, zwei Meinungen – die Bahn rollt nicht, sie eiert. Jetzt möchte sie wieder eine Teilprivatisierung vorantreiben. Das Beispiel Großbritannien allerdings mahnt: Bitte nicht. Ein Vorschlag des Autors: Die Bahn möge in die Streckenerweiterung investieren. Nicht in die Digitalisierung. Dazu zählt auch, die Streckenreduzierung im Zuge beispielsweise von „Stuttgart 21“ zurück zu nehmen.

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