Die Haltung des neuen Papstes in ökonomischen Fragen

Die flache Erde, die Jesuiten und die Agenda 2030!

New pope’s economic stance

von Webster Tarpley auf PressTV (leicht gekürzte Übersetzung von politaia.org)

Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche markiert einen Wendepunkt, da zum ersten Mal ein Prälat aus der Dritten Welt Papst wird.

Bergoglio identifiziert sich stark mit der katholischen Sozialdoktrin, die sich traditionell mehr auf die Seite der Bedürftigen stellt, als sich um die Privilegien der Reichen zu kümmern. Sie kombiniert dies mit der Ablehnung des laissez-faire bzw. der monetaristischen Wirtschaftslehre zugunsten der sozialen Solidarität. Franziskus hat den Tag seines Amtsantritts auf 19. März gelegt, dem Feiertag zugunsten des heiligen Joseph des Zimmermanns, des Schutzpatrons der Arbeiter.

Die Papstwahl war auch deswegen bemerkenswert, weil etwas nicht passierte. Elemente in der US-katholischen Hierarchie, offensichtlich unterstützt von Kräften innerhalb des US-Außenministeriums und des Weißen Hauses, machten kein Geheimnis aus ihrem Bestreben, die Kontrolle im Vatikan zu übernehmen und ihn weiterhin als ein demütiges Werkzeug der amerikanischen imperialen Außenpolitik zu benutzen. Die New York Times und die Washington Post steuerten Artikel bei, in denen sie die vielen Vorteile hervorhoben, die bei einer Wahl eines amerikanischen Papstes enstehen würden. Die Delegation der US-Kardinale, die zahlenmäßig größte nach den Italienern, versuchte in Rom unmittelbar vor dem Konklave als politische Maschine aufzutreten, indem sie täglich Pressekonferenzen veranstaltete, um die 115 Mitglieder des Kardinalskollegium dazu zu drängen, einen Amerikaner zu wählen.

Laut Insiderberichten war der New Yorker Kardinal Timothy Dolan die treibende Kraft hinter den Bemühungen, einen Amerikaner durchzusetzen. Er wollte den Bostoner Kardinal Sean O’Malley als neuen Pontifex installieren. Italienische Zeitungen enthüllten, dass O’Malley’s Chefberater der Kleriker Terrence Donilon ist , der Bruder von Tom Donilon. Der wiederum dient als Direktor des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus. Es bestand ganz klar die Gefahr, dass bei einer Wahl O’Malley dieser seine Eingebungen von 1600 Pennsylvania Avenue bekommen hätte.

Um die Gefahr noch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Gouverneur Martin O’Malley von Maryland ist ein ziemlich aussichtsreicher Anwärter bei der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei für 2016. Wenn Sean O’Malley zum Papst gewählt worden wäre, so hätte die Gefahr bestanden, dass in ein paar Jahren ein Präsident O’Malley in Washington und ein Papst O’Malley in Rom regiert. Wie der berühmte italienische Dichter Dante Alighieri vor 700 Jahren in seiner Divina Comedia argumentierte, muss die spirituelle und religiöse Macht des Papsttums von der politischen und militärischen Macht des Imperiums getrennt sein.

Seit der anglo-amerikanischen Invasion von Italien im Jahre 1943 während der Amtszeit von Pius XII, befand sich der Vatikan kontinuierlich unter dem Druck der anglo-amerikanischen Herrschaft. Einige Päpste konnten einen signifikanten Grad an Unabhängigkeit erreichen, vor allem Paul VI Montini, dessen Amtszeit in der Kirche durch einen starken Einfluß der Veteranen des Widerstands gegen den Faschismus gekennzeichnet war. In jüngerer Zeit versuchte der polnische Papst Johannes Paul II die Aggression der Bush-Administration zu verurteilen, wurde aber immer von der polnischen Tendenz in die andere Richtung gezogen, sich nach Washington als Gegengewicht zu Russland zu orientieren.

Papst Benedikt hat sich als viel schwächer herausgestellt, was die Unterordnung von Nachkriegsdeutschland unter die USA reflektierte.  Er befand sich immer in Verteidigungsposition, weil er als Luftwaffenhelfer im 2. Weltkrieg teilgenommen hatte.

Die anti-imperialistische Tradition in Argentinien ist bedeutend

Nun haben wir aber einen Papst, dessen nationale Herkunft eine Tendenz zur Unabhängigkeit von Washington nahelegt. Unter allen Nationen in Lateinamerika steht Argentinien sicherlich an erster Stelle in seiner Tradition nationaler Souveränität und seines Widerstandes gegen die Imperialismus; diese Tradition überdauerte viele Wandlungen des politischen Regimes. Laut einigen Berichten hat die 10 Downing Street in London schon einige apoplektische Szenen mit Premier David Cameron erlebt, weil Papst Franziskus I als Argentinier , der er nun mal ist, die Falkland-Inseln als integralen Bestandteil Argentiniens betrachtet, ganz unabhängig davon, welches Referendum die Briten unter ihren Kolonisten in Szene setzen wollen.

Einen Tag nach seiner Wahl fuhr Franziskus persönlich in das Gästehaus in der Via della Scrofa in Rom, um seine Rechnung zu begleichen und sein Gepäck abzuholen. Als Zeichen seiner Bescheidenheit verzichtete er auf  aufwendige Sicherheitsvorkehrungen und Eskorten, sondern fuhr in einem einzigen Wagen der päpstlichen Gendarmen. Unter Benedikt schien der Vatikan unter einer Belagerung zu leben; ohne Zweifel war dies durch des Papstes einfältige Akzeptanz des anglo-amerikanischen Phantomkiegs gegen den globalen Terror bedingt…..

Eine weitere Gefahr, die gebannt ist, war die Wahl eines als Modernisierer oder Reformer getarnten Oligarchen. Dies war die Rolle, welche der verstorbene Kardinal Carlo Maria Martini von Mailand erstrebte, der das diesjährige Konklave nicht mehr erlebte. Ein plausibler oligarchischer Reformer wäre Kardinal Schönborn von Wien gewesen, ein Repräsentant der Feudalaristokratie des Heiligen Römischen Reiches. Und es gab weitere Kandidaten für diese Rolle. Stattdessen bringt Bergoglio die Sorgen des globalen Südens mit sich, vom Imperativ der wirtschaftlichen Entwickung angefangen bis zur Ausrottung der Armut.

Bergoglios Erfolgsbilanz in dieser Hinsicht ist lehrreich. Die argentinische Militärjunta von 1976-1983 und die von ihr begonnene neoliberale Politik richtete die Wirtschaft des Landes im Laufe der 90er Jahre zugrunde. Am Ende der Militärregierung stand die Arbeitslosenrate offiziell bei 18% und Ende der 80er Jahre gab es immer wieder Phasen der Hyperinflation. Unter dem pro-IWF-Wirtschaftsminister Domingo Cavallo führte Argentinien eine fixen Wechselkurs zum Dollar ein. Die besitzende Klasse frönte in massiven Steuervermeidungsaktionen und brachte ihr Kapital in ausländischen Banken unter. Mitten in der Krise übernahm Präsident de la Rua die Macht und erlegte dem Land sieben brutale Sparrunden auf, was die Arbeitslosigkeit im Dezember 2001 auf 20% erhöhte. Als der IWF weitere Kredite an Argentinien sperrte, gab es einen Bankenrun. Streiks und Unruhen zwangen de la Rua am 21. Dezember zum Rücktritt und zur Flucht.

Während der letzten Monate des Jahres 2001 versäumte es Bergoglio nicht, dem Präsidenten de la Rua Sonntag für Sonntag über den Bankrott der neoliberalen Wirtschaft und die schrecklichen sozialen Konsequenzen die Leviten zu lesen, als Rua auf seiner Bank in der Kathedrale von Buenos Aires saß. Während dieser Zeit führte Bergoglio aus, dass extreme Armut und “die ungerechten ökonomischen Strukturen den Boden bereiten für große Ungleichheiten, dass dies eine Verletzung der Menschenrechte bedingten  und dass soziale Verschuldung “amoralisch, ungerecht und illegitim” sei. Während eines Streik des öffentlichen Dienstes in Buenos Aires wies Bergoglio auf den Unterschied hin zwischen “armen Leuten, die verfolgt werden, weil sie Arbeit fordern und reichen Leuten, denen man applaudiert, weil sie sich der Justiz entziehen [können].” (“Argentines protest against pay cuts,” BBC, August 8, 2001)

Ein Nachfolger von de la Rua als Präsident, der Peronist Adolfo Rodriguez Saà, verursachte den Konkurs Argentiniens bei einem Schuldenstand von 132 Milliarden Dollar……..Der feste Wechsellkurs zwischen Peso und Dollar wurde aufgehoben und die darauf folgende Geldwentwertung senkte den Lebensstandart – so wie in Island während der letzten Jahre. Nach einem Rückgang des Bruttoinlandprodukt um 11% im Jahre 2002 stabilisierte sich Argentinien und erholte sich unter den Präsidenten Duhalde und Kirchner. Obwohl die Politik des Schuldenmoratoriums die Auslandsschulden substanziell verminderte, verlangte der IWF die Bezahlung der Schulden auf Heller und Pfennig, ohne Abschläge und Schuldenschnitt.

Bergoglio bekämpfte  “anonyme und perverse Mechanismen der Spekulationsökonomie”

Dies waren die Umstände, unter denen Bergoglio in der Zeit arbeitete, als er im Februar 2001  zum Kardinal ernannt wurde. Bergoglioorganisierte Suppenküchen und Nahrungsmittelbanken in den Favelasvon Buenos Aires und anderen Städten, um das Leiden der Armen zu lindern. Er verurteilte die Politik, durch welche das argentinische Volk vom  anonymen und perversen Mechanismus der Spekulationswirtschaft stranguliert wurde.

In einem Interview mit dem Magazin Trenta Dias der Bewegung Kommunion und Befreiung erklärte Bergoglio, dass “der gegenwärtige Geld-Imperialismus auch ein götzenhaftes Gesicht zeige. Wo Götzenanbetung herrscht, gibt es Gott nicht, die menschliche Würde ist angeschafft.” Für diese Erscheinung machte er die linksgerichteten Ideologien genauso verantwortlich, wie den Geldimperialismus. Und so kann Bergoglioale als ein prinzipieller Gegner sowohl der neoliberalen Doktrin als auch der ultra-linkenBefreiungstheologie angesehen werden. (Geninazzi and Rizzi, Avvenire, March 13, 2013)

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Während der Argentinien-Krise in den Jahren 2001-2004 fordete Bergoglio den Schuldenschnitt und bekämpfte die Sparmaßnahmen

In einer seiner späteren Reden führte Kardinal Bergoglio aus: “Wir leben offensichtlich im ungerechtesten Teil der Welt, der am meisten angewachsen ist und welcher die Armut am wenigsten bekämpft “, wo “die ungerechte Verteilung der Güter weiterbesteht und dabei eine Situation der sozialen Sünde hervorruft, die zum Himmel schreit und die Möglichkeiten eines erfüllteren Lebens für so viele unserer Brüder einschränkt.” (National Catholic Reporter, March 3, 2013)

Laut Carlos Burgueno von der argentinischen Wirtschaftszeitung Ambito Financiero ist Bergoglio “anti-liberal, ein harter Kritiker des IWF und der Politik der Anpassung und ein Verteidiger der Schuldenrestrukturierung.” Der Begriff anti-liberal kann als Ablehnung der Politik zum Nutzen einer kleinen Minderheit von Finanzoligarchen aufgefasst werden. Der IWF-Begriff  “Anpassung” oder “strukturelle Anpassung” sind Schönfärbereien für genozidale Sparkurse und “Killer-Einschnitte” zu Lasten der Armen, der Kranken, der Alten, der sehr Jungen sowie der Unterprivilegierten. “Schuldenrestrukturierung” bedeutet Schuldenmoratorien, das Einfrieren von Schulden, Konkurse, Schuldenschnitte, Abschreibungen und andere Wege des Abbaus von illegitimen Schuldenlasten, welche derzeit so viele Völker auf der Welt strangulieren.

Eine wichtige Erklärung der argentinischen Bischofskonferenz wurde unter Bergoglios Führung im August 2001 veröffentlicht. In dieser bahnbrechenden Erklärung wurde ausgeführt, dass “einige der wichtigsten sozialen Verwerfungen, unter denen wir in  Wirtschaft und  Politik leiden, ein direktes Ergebnis des barbarischen Liberalismus sind.” Der Staat wurde “als ein dem Gemeinwohl dienendes Instrument, als ein Garant der Gleichheit und Solidarität des gesellschaftlichen Gefüges definiert.”Die argentinische Bischofskonferenz mit Bergoglioan der Spitze verurteilte das Fehlen eines sozialen Netzes für diejenigen, die aus dem existierenden ökonomischen Modell hinausgeworfen werden. Die Bischöfe verwiesen insbesondere auf “zwei Krankheiten, nämlich die Steuerhinterzeihung und die Vergeudung von Staatsgeldern, welche von den Bürgern hart erarbeitet werden müssen.” Den Gewerkschaften wurde empfohlen, Zurückhaltung beim Streikrecht zu üben.

Die Auslandsverschuldung Argentiniens sahen die Bischöfe aber als den größten Negativfaktor an. Sie verurteilten “die Auslandsschuldenlast, die jeden Tag weiter wächst und die es für uns schwierig macht, zu wachsen.” (Ambito Financiero, March 14, 2013; Buenos Aires Herald, March 14, 2013)

Im Jahre 2005 bot Argentinien den Auslandsgläubigern eine Erstattung von 30 Cent pro Dollar an. Viele der räuberischen Hedge-Fond-Hyänen lehnten die Offerte ab und starteten darauf Gerichtsverfahren und erfolglose Versuche, argentinisches Vermögen, welches sich im Ausland befand, zu pfänden. Beispiele waren Flugzeuge, Schiffe und die argentinischen Einlagen bei der Federal Reserve Bank von New York. Bergoglio intervenierte in diesen Konflikten mehrmals und unterstützte die argentinische Regierung in ihrem Bemühen, die Auslandschulden zu reduzieren und zu restrukturieren. (Ambito Financiero, March 14, 2013; Buenos Aires Herald, March 14, 2013)

Im Oktober 2009 versuchte Bergoglio wieder einmal, die Aufmerksamkeit auf die ungelösten Armutsprobleme unter der Präsidentschaft von Nestor Kirchner zu lenken. Wie die spanische Zeitung El Pais mitteilte, “kritisierte Kardinal Jorge Bergoglio die Unfähigkeit der Regierung und der Gesellschaft scharf, die ansteigende Armut im Lande zu verhindern; eine Situation, die er als “amoralisch, ungerecht und illegitim bezeichnete, weil sie in einem Land passiere, welches die Kapazität besitze, sie zu vermeiden und den Schaden zu korrigieren……

Bergoglio unterstütze den Aufruf für die Tobin-Steuer

Als die weltweite Wirtschaftsdepression in Argentinien mehr und mehr fühlbar wurde, verschärfte Bergoglio seine Konfrontation mit den Plutokraten und sagte im Mai 2010: “Sie vermeiden es, die Armen in Ihre Rechnung aufzunehmen.” Im Folgejahr beschwerte sich Bergoglio über die fürchterlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen in der argentinischen Hauptstadt, die er mit modernen Sklaverei verglich: “In dieser Stadt ist die Sklaverei in verschiedenen Formen an der Tagesordnung. In dieser Stadt werden Arbeiter in Ausbeuterbetrieben beschäftigt und wenn es sich um Immigranten handelt können sie aus diesen Umständen nicht mehr entkommen. In dieser Stadt gibt es Kinder, die seit Jahren auf der Strasse leben. Die Stadt hat versagt und versagt weiterhin bei dem Versuch, sie aus dieser strukturellen Sklaverei der Obdachlosigkeit zu befreien.” (La Nacion, September 24, 2011)

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Waren die ersten Worte des neuen Papstes eine heinliche Öffnung gegenüber China?

Eine andere signifikante Neuigkeit ist zweifelsohne die Tasache, dass Bergoglio das erste Jesuitenmitglied ist, welches Papst wird. Die Jesuiten verfügen über eine wohlverdiente Reputation, um der politischen Macht willen Intrigen einzusetzen. Wie einige Kommentatoren bereits festgestellt haben, sind die Jesuiten traditionell mit der Erziehung der Elite befasst. Dieses Faktum entstammt ihrem Bestreben, als Lehrmeister von Königskindern und Prinzen die Meinungen zukünftiger Herrscher zu formen. Sogar heute noch werden die Jesuiten als einer der geschlossensten und mächtigsten katholischen Orden angesehen. Sollte diese Situation unter negativen Vorzeichen gesehen werden? Vielleicht nicht, wie ein  Blick auf die Geschichte zeigen könnte.

Die Jesuiten wurden unter venezianischer Schirmherrschaft im Jahre 1534 gegründet, haben sich aber im Streben nach größerer Macht in eine enge Allianz mit dem spanischen Imperium begeben. Die spanisch-jesuitische Allianz dauerte bis 1767, dem Jahre, in dem der Jesuitenorden im Portugiesischen Weltreich, in Frankreich, im Spanischen Weltreich und in einigen italienischen Staaten verboten wurde. Darauf folgte im Jahre 1773 das Verbot des Jesuitenordens durch Papst Clement XIV. Die Jesuiten konnten nur durch ihre Flucht in die nicht-katholischen Staaten Preussen und Russland überleben.

Die Reaktion der Jesuiten auf ihre Unterdrückung mündete in eine de facto-Allianz mit dem Britischen Empire. Dies bedeutete insbesonders, dass die Jesuiten ihren beachtlichen Einfluss auf der Seite der Unabhängigkeitsbewegungen einsetzten, welche während der napoleonischen Kriege in den spanischen und portugiesischen Besitzungen in Lateinamerika entstanden. Als Madrid und Lissabon die meisten ihrer Besitzungen in Lateinamerika verloren hatten, war die Rache der Jesuiten komplett und viele dieser [neu entstandenen] Staaten kamen unter britischen Einfluss. Nachdem die Briten Napoleon als Konkurrenten für die Weltherrschaft ausgeschaltet hatten, wurde der Jesuitenorden 1814 von Papst Pius VII wieder rehabilitiert.

Vereinfacht könnte man sagen, dass sich der Jesuitenorden seit ungefähr 1770 in einer unbehaglichen Allianz mit dem britischen und später anglo-amerikanischen Weltsystem befindet. Die Wahl von Franziskus I könnte eine reale Abkehr von diesem Arrangement sein. Der Grund für den Wandel könnte mit der vatikanischen Politik gegenüber China zusammenhängen.

Franziskus I und die Öffnung des Vatikans gegenüber China

In einer Zeit, in der die Mitgliedschaften in der Kirche in Europa zurückgehen und die amerikanischen Katholiken zunehmend säkulärer werden, schweifen die Blicke des Vatikan nach Afrika und anderen Regionen, welche für eine zukünftige Wachstumsentwicklung geeignet sind. China könnte für eine zukünftige Expansion sogar noch geeigneter sein und der Vatikan mag eine Öffung zum Reich der Mitte hin als vorteilhafter einschätzen, als eine Allianz mit dem absteigenden US-Imperium. Heute schätzt man die Zahl der römischen Katholiken in China auf 12 Millienen, aber die wirkliche Zahl könnte viel höher liegen. Die chinesische Regierung unterstützt eine nationale katholische Kirche (Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung), welche das Papsttum in Rom nicht anerkennt und angeblich 5,3 Millionen Mitglieder hat. Rom beansprucht für sich das alleinige Recht, Bischöfe zu ernennen. Dies wird von Peking abgelehnt. Wegen dieses Streites [gewissermaßen ein moderner Investiturstreit, Anm. d. Ü.] gelang des dem Vatikan bisher nicht, volle diplomatische Beziehungen mit Peking zu etablieren. Der Vatikan ist scharf auf ein Konkordat oder einen Vertrag, der die noch vorhandenen Probleme lösen soll.

Eines der sensationellsten Elemente im sogenannten Vatileak-Dokument, das von den anglo-amerikanischen Geheimdiensten 2012 zusammengebastelt wurde, war ein Bericht über eine angebliche Unterhaltung zwischen Kardinal Paolo Romeo (ein von den Jesuiten ausgebildeter Vatikan:Diplomat, der als Erzbischof von Palermo dient) und (scheinbar) chinesischen Beamten in Peking im Herbst 2011. Laut der Geschichte, die von der pro-amerikanischen italienischen Zeitung Il Fatto veröffentlicht wurde, hat Romeo den Chinesen erzählt, dass Benedikt XVI Ratzinger in einem Jahr nicht mehr Papst sein würde, als in anderen Worten ab November 2012. Wie es sich herausgestellt hat, traf die Voraussage um nur einige Monate verspätet ein. Diese Geschichte wandelte sich wahrscheinlich durch das Herumbasteln der CIA oder des MI6 an den Vatileaks-Dokumenten in ein Mordkomplott gegen Ratzinger. Aber Romeo hatte vielleicht nur die Absicht, die chinesische Regierung darüber zu informieren, dass der diplomatisch unfähige Benedict XIV zugunsten eines neuen Papstes seinen Stuhl räumen müsse, um den Vatikan gegenüber China umzuorientieren. (Marco Lillo, “Complotto contro Benedetto XVI entro 12 mesi morirà,” Il Fatto Quotidiano, February 10, 2012). Die ersten Ereignisse im Pontifikat von Franziskus verleiht dieser Sicht der Dinge einige Glaubwürdigkeit.

Als Bergoglio zum ersten Male als Papst auf dem Balkon des Petersdom erschien, war sein zweiter Satz, dass das Konklave einen Bischof von Rom “aus beinahe dem Ende der Welt” gewählt habe. Laut Professor Filippo Mignini, einem Experten in Philosophiegeschichte der Universität von Macerat, waren diese Worte ein Zitat des Jesuiten Matteo Ricci, einem Missionar, der 1601 an den kaiserlichen Hof der Ming-Dynasty entsandt wurde. Ricci und seine Jesuitenkollegen konnten in Ausstelleungen europäischer Technologie die Aufmerksamkeit des chinesischen Kaisers und der führenden Adeligen erregen, in denen Dampfmaschinen gezeigt wurden, aber auch Chronometer, Teleskope und andere Präzisionsinstrumente. Die rivalisierenden Dominikaner und Franziskaner neideten Ricci und den anderen Jesuiten den Erfolg und dieses Problem lebte fort bis zu den Tagen, an denen der Jesuitenorden 1773 aufgelöst wurde. Aber im Jahre 1958 hat der Vatikan Riccis Werk gutgeheißen. Glaubt der Vatikan, dass der Entwicklungssektor und China wichtiger sind für seine Zukunft, als Europa und Amerika? Die nächsten Monate werden dies verraten.

Die anglo-amerikanische Presse hat sich bereits gegen Franziskus eingeschossen und versucht, ihn aufgrund alter Anschuldigungen zu diskreditieren. Man wirft ihm vor, dass er irgendwie mit der argentinischen Militärjunta von 1976-1983 zusammengearbeitet habe. Die mörderischen Exzesse des Regime wurden in Wirklichkeit vom US-Vizepräsidenten Nelson Rockefeller und US-Außenminister Henry Kissinger angeheizt, wie geheime Dokumente des Außenministeriums im Jahre 2002 enthüllten. Was Bergoglio betrifft, so hat ein Jesuit, den er betrogen haben soll, in einer öffentlichen Erklärung diese Vorwürfe gegen Bergoglio bestritten. Der argentinische Menschenrechtsverfechter und führende Opponent der Militärjunta Adolfo Pérez Esquivel hat erklärt, dass Bergoglio nicht zu den Kirchenmännern gehörten, welche mit der Junta kollaborierten.

Zum Schluss bleibt die Frage, inwiefern dieses Projekt fehlschlagen könnte. Bergogliohat den Namen Franziskus angenommen, nach einem Heiligen, der für seine Bescheidenheit und seinen einfachen Lebensstil gerühmt wird. Aber es gibt in neuerer Zeit auch den Versuch, den Heiligen Franziskus als Patron des Umweltfanatismus, der radikalen Ökologie oder gar des Grünen Faschismus zu mißbrauchen. Die reichen Elitisten, welche die großen Umweltbewegungen finanzieren, werden versuchen, den Papst in Richtung der Agenda 21 und ihren menschenfeindlichen Doktrinen zu beeinflussen.

Ein Beispiel ist der Demagoge Beppe Grillo, der den neuen Papst mit dem Behauptung begrüßte, dass seine 5-Sterne-Bewegung – welche weitgehend die Agenda 21 vertritt – die wahren Anhänger des Heiligen Franziskus von heute repräsentiert. Der neue Papst würde gut daran zun, solchen falschen Freunden aus dem Wege zu gehen.

WT/HN

http://www.presstv.ir/detail/2013/03/19/294355/new-popes-economic-stance/

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