Die Kapitulation des Iran – Thierry Meyssan

America first - IRAN bitte als vorletztes

Iran_nato_eu_fadenkreuz

Während die Medien zu dem Übereinkommen zwischen dem Iran und den 5 + 1 applaudieren, sieht Thierry Meyssan – persönlicher Freund von Mahmoud Ahmadinedschad – darin eine Kapitulation der neuen iranischen Regierung. Für ihn ist es absurd zu behaupten, dass die beiden Parteien ein seit acht Jahren durch die Aggressivität des Präsidenten Ahmadinedschad unterhaltenes Missverständnis aufgehoben hätten. Die Wahrheit ist, dass der Iran auf seine Kernforschung verzichtet und angefangen hat sie abzubauen, ohne etwas im Gegenzug zu erhalten, außer der schrittweisen Aufhebung der illegitimen Sanktionen. Mit anderen Worten, das gebeugte Land hat sich ergeben.

Die Unterzeichnung des Abkommens über die iranischen Nuklearangelegenheiten am 24. November in Genf wurde, mit Ausnahme von Israel, einstimmig als Ende eines Missverständnisses gefeiert. Alle Parteien haben versucht, uns zu überzeugen, dass dieses Abkommen schon viel früher hätte zustande kommen können, wenn es nicht das extremen Verhalten des ehemaligen Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad gegeben hätte.

Man hat also also nur aus reinem Versehen den internationalen Iran-Handel zerschlagen und beinahe den Krieg vom Zaun gebrochen.

Die Realität sieht natürlich ganz anders aus: Der Westen hat keine einzige seiner Anforderungen aufgegeben, aber der Iran hat auf alle seine eigenen verzichtet. Auch wenn der signierte Text nur vorübergehender Natur ist, wird Iran auf den Bau des Werks von Arak, auf sein auf 20 % angereichertes Uran und seine Anreicherung-Technik [1] verzichten.

Die Wahl des Präsidenten Ahmadinedschad im Jahr 2005 sollte der Khomeini-Revolution einen zweiten Schwung geben. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, den Präsidenten Rafsandschani (1989-1997) und Khatami (1997 – 2005), war Ahmadinedschad nicht nur Anhänger einer nationalen Unabhängigkeitspolitik, sondern er war ein Anti-Imperialist, in der Linie von Ali Shariati, des Denkers der Revolution. In wenigen Jahren machte er den Iran zu einem großen Land für die Wissenschaft und die Industrie. Er entwickelte die Kernforschung, um ein Kernkraftwerk-Modell zu entwickeln, das in der Dritten Welt reproduziert hätte werden können und um der Menschheit die  Energieunabhängigkeit ohne Kohle, Öl und Gas zu bringen.

Man wird den Gegensatz zwischen den iranischen Parteien niemals genug hervorheben können.

Rafsandschani und Khatami sind Kleriker, während Ahmadinedschad ein Wächter der Revolution ist. Während der irakischen Aggression waren es die Wächter, die das Land unter Lebenseinsatz gerettet haben, während der Klerus seine Privilegien dazu benutzte, um seine Söhne nicht an die Front schicken zu müssen. Der Klerus verwaltet immens große Reichtümer, Rafsandschani ist selbst der reichste Mann des Landes, während die Wächter Menschen aus dem Volk mit spartanischer Lebensweise sind. Über 8 Jahre lang hatte sich der Westen nicht getäuscht, wenn er in Ahmadinedschad einen Gegner sah, aber er hat diesen Führer zu Unrecht einerseits als mystischen, andererseits als antiklerikalen “Mann der Mullahs“ abqualifiziert. Als Reaktion auf die revolutionären Anmaßungen von Ahmadinedschad zog der Westen das iranische Atomprogramm in Zweifel [2] und mißbrauchte die Vereinten Nationen, um ihm die Anzureicherung von Uran zu verbieten, von dem der Iran enorme Reserven [3] hat.

Auf diese Art verhinderte der Westen, dass der Iran seine eigenen Ressourcen nutzte und zwang ihn, sein teures Metall zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Der Westen verhängte – sei es im Sicherheitsrat oder einseitig-  eine Reihe von nie vorher erlebten Sanktionen, um das Land zu ersticken. Darüber hinaus führte er eine Propagandakampagne, um Ahmadinedschad zu einem gefährlichen, wirklichkeitsfremden Illusionisten abzustempeln. Schließlich organisiert er mit Hilfe von Rafsandschani und Khatami den Versuch einer Farbenrevolution im Jahre 2009 [4].

Jeder erinnert sich an die falsche Übersetzung einer seiner Reden, um glauben zu machen, dass er die Israelis vernichten wolle (Reuters beschuldigte ihn, fälschlicherweise erklärt zu haben, er wolle Israel von der Karte streichen) [5]. Oder an die Fälschungen über den Holocaust-Kongress, der zeigen sollte, wie der Westen alle Spiritualität in seinen Gesellschaften zerstört hat und eine neue Religion rund um diese historische Tatsache schuf; man wollte glauben machen, dass er das Leugnen des Holocaust feierte,  trotz der Anwesenheit von Rabbinern auf diesem Kongress. Oder an die Behauptung, er würde die Juden [6] diskriminieren.

Das Team von Scheich Rohani vertritt sowohl die Interessen der Geistlichen, als auch die der Bourgeoisie in Teheran und Isfahan. Es sucht wirtschaftlichen Wohlstand und fühlt sich nicht durch den antiimperialistischen Kampf betroffen. Die schrittweise Aufhebung der Sanktionen ermöglicht ihm eine breite öffentliche Unterstützung, da die Iraner – vorerst – das Abkommen als einen Sieg wahrnehmen, der ihren Lebensstandard erhöhen wird.

Der Westen verfolgt jedoch weiterhin das gleiche Ziel. Der Angriffsplan von Präsident George W. Bush sah vor, Afghanistan, den Irak, dann gleichzeitig Libyen und Syrien (über den Libanon) zu zerstören, weiterhin zugleich den Sudan und Somalia ; den Abschluß sollte der  Iran bilden. Aus seiner Sicht waren die Sanktionen gegen Teheran nur ein fragwürdiger Vorwand, eine einfache Möglichkeit, den Iran zu schwächen. Für den Westen ist die Übergabe von Scheich Rohani vergleichbar mit der von Muammar al-Gaddafi, der auf sein Atomprogramm verzichtete und sich allen Anforderungen von Washington unterwarf, um einen Krieg zu vermeiden. Aber wie bei Gaddafi, werden die Zugeständnisse von Scheich Rohani später gegen sein Land verwendet werden.

Als Muammar el-Gaddafi glaubte, dass die US-amerikanische Kampflust ihm gegenüber auf seiner politischen Überzeugung beruhte, hatte er tatsächlich Unrecht. Der einzige Grund für die Entscheidung von George W. Bush war geopolitisch. Im Jahr 2010 war Libyen ein Verbündeter von Washington geworden, in dem “Krieg gegen Terrorismus” und hatte seinen Heimatmarkt den US-Multis geöffnet. Das verhinderte nicht, als “Diktatur” behandelt zu werden und unter den Bomben zerstört zu werden. In derselben Weise ein Verbündeter der Vereinigten Staaten zu werden, wird den Iran nicht vor einem Krieg schützen.

In den nächsten vier Jahren wird der Iran den Traum von Shariati und Khomeini der Geschichte überlassen, um sich auf seine staatlichen Interessen zu konzentrieren. Er wird sich von der arabischen Welt loslösen und sich den Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Türkei, Iran und Zentralasien) zuwenden, um Geschäfte zu machen. Er wird allmählich seine militärische und finanzielle Unterstützung für Syrien, für die Hisbollah und die Palästinenser verringern. Wenn Teheran seine externe Verteidigungslinie aufgelöst haben wird, wird Washington wieder mit dem Iran in Konflikt geraten.

Übersetzung
Horst Frohlich

Verweise:

[1] “href=”http://www.voltairenet.org/article181178.html”>Nuclear deal between Iran and six world powers (full text)”, Voltaire Network, 24 November 2013.

[2] « Propagande : CNN, pris sur le fait, s’excuse auprès de l’Iran », par Ossama Lotfy, Réseau Voltaire, 17 janvier 2006.

[3] « Qui a peur du nucléaire civil iranien ? », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 30 juin 2010.

[4] « Die CIA und das Iran-Experiment », « Pourquoi devrais-je mépriser le choix des Iraniens ? », « La “révolution colorée” échoue en Iran », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 17, 21 et 24 juin 2009 ; « Iran : le bobard de l’”élection volée” », par James Petras, Traduction Marcel Charbonnier, Réseau Voltaire, 19 juin 2009 ; « Rafsandjani acclamé au cri de « Mort à la Russie ! Mort à la Chine ! » », Réseau Voltaire, 19 juillet 2009.

[5] « Comment Reuters a participé à une campagne de propagande contre l’Iran », Réseau Voltaire, 14 novembre 2005.

[6] « Iran : les gouvernements anglo-saxons fabriquent de fausses nouvelles », par Thierry Meyssan, Réseau Voltaire, 24 mai 2006.

************************************

http://www.voltairenet.org/article181277.html

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen