Die Syrische Nationale Koalition und die Shell Oil Company

Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib, der neue syrische Revolutionsführer

Die vielen Gesichter von Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib

von Thierry Meyssan

Dem internationalen Publikum noch vor einer Woche völlig unbekannt, wurde Scheich Moaz al-Khatib zum Vorsitzenden der Syrischen Nationalen Koalition gekürt,  der prowestlichen Opposition zur Regierung in Damaskus. In einer intensiven Public-Relation-Kampagne als eine hohe moralische Persönlichkeit zur Schau gestellt, die ohne parteipolitische oder wirtschaftliche Bindungen sei, ist er in Wirklichkeit Mitglied der Muslimbruderschaft und ein Kader der Shell Oil Company.

Das Zerfallen der syrischen bewaffneten Opposition spiegelt die Konflikte zwischen Staaten wider, die den “Regimewechsel” von Damaskus versuchen.
Man behalte vor allem den Nationalen Rat (CNS) im Auge, auch als Rat von Istanbul bekannt, weil er dort geschaffen wurde. Er ist in der eisernen Hand des französischen Geheimdienstes und wird durch Katar finanziert. Seine Mitglieder, denen Recht auf Aufenthalt in Frankreich und verschiedene Einrichtungen gewährt wurde, stehen ständig unter dem Druck der Geheimdienste, die ihnen ihre geringsten Erklärungen diktieren.
Die Lokalen Koordinationsausschüsse (CLC) repräsentieren vor Ort die Zivilisten, die den bewaffneten Kampf unterstützen.
Schließlich zählt die Freie syrische Armee (FSA), vor allem durch die Türkei kontrolliert, die größte Zahl von Kämpfern, einschließlich der Brigaden der Al-Kaida. 80 % ihrer Anhänger erkennen als geistlichen Führer den Takfiristen-Scheich Adnan Al-Arur an,  der in Saudi-Arabien stationiert ist.

Botschafter Robert S. Ford

In dem Bestreben, die Führung wieder zu übernehmen und Ordnung in diese Kakophonie zu bringen, drängte Washington die Arabische Liga, eine Konferenz in Doha einzuberufen, versenkte dort den Nationalen Rat (CNS) und hat die meisten Fraktionen gezwungen, sich in die einheitliche Struktur zu integrieren: die Nationale Koalition der Kräfte der Opposition und der Revolution. Hinter den Kulissen verteilte der Botschafter Robert S. Ford selbst die Posten und die Pfründe. Schließlich etablierte er als Vorsitzenden der Koalition eine Persönlichkeit, die bisher noch nie von der Presse zitiert wurde: Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib.

Die Ehefrau von Botschafter Robert S. Ford, Alison Barkley, überwacht die Logistik der Botschaft der Vereinigten Staaten in Saudi Arabien.

Robert S. Ford gilt als der führende Spezialist des Nahen Ostens im State-Departement. Er war von 2004 bis 2006 Assistent von John Negroponte,der als der Meister-Spion im Irak eine in Honduras entwickelte Methode angewendet hatte: Den umfassenden Einsatz von Contras und Todesschwadronen. Kurz vor Beginn der Ereignisse in Syrien ernannte Präsident Obama ihn zum Botschafter in Damaskus und er nahm seine Funktion trotz des Widerstandes des Senats ein. Er wendete sofort die Negroponte-Methode in Syrien an, mit den Ergebnissen, die wir kennen.

Wenn auch die Schaffung der Nationalen Koalition die Inhandnahme der bewaffneten Opposition durch Washington bestätigt, regelt sie nicht die Frage der Repräsentativität. Schnell sind verschiedene Komponenten der FSA abgesprungen. Vor allem schließt die Koalition die Opposition aus, die gegen bewaffneten Kampf ist, einschließlich des Landesverbandes für den demokratischen Wandel von Haytham al-Manna.

Die Wahl von Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib trägt einer offensichtlichen Notwendigkeit Rechnung: Um von den Kämpfern anerkannt zu werden, sollte der Präsident der Koalition ein Religiöser sein, aber um durch den Westen akzeptiert zu werden, musste er moderat erscheinen. Vor allem sollte dieser Präsident in der Zeit intensiver Verhandlungen auf starke Fähigkeiten zurückgreifen können, um über die Zukunft des syrischen Gases zu diskutieren, aber dies soll nicht in der Öffentlichkeit erwähnt werden.

Die US-spin-doctors haben den Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib schnell mit Anzug ohne Krawatte ausgestattet. Einige Medien machen bereits aus ihm ein führendes „Model“. So zeigt ihn eine große US-Zeitung als “ein einzigartiges Produkt seiner Kultur, wie Aung San Suu Kyi in Myanmar” [1].

Hier ist das Porträt, das die Agence France Presse (AFP) gibt:

Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib, der Mann des Konsens

Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib, 1960 geboren, ein moderater Kleriker, der einige Zeit Imam der Moschee von den Umayyaden von Damaskus war und keiner politischen Partei angehört.
Es ist diese Unabhängigkeit und die Nähe zu Riad Seif, der der Ursprung der Initiative einer erweiterten Koalition ist, die aus ihm einen Konsens-Kandidat für die Führung der Opposition gemacht hat.
Als Kleriker aus dem Sufi-Islam hat er internationale Beziehungen und Diplomatie studiert, ohne an die Muslimbruderschaft oder irgendwelche islamische oppositionelle Kräfte gebunden zu sein.
Wiederholt festgenommen im Jahr 2012, da er zum Sturz des Regimes in Damaskus öffentlich aufrief, bekam er Redeverbot in den syrischen Moscheen auf Anordnung der Behörden und fand Zuflucht im Katar.
In Damaskus selbst geboren, spielte er eine entscheidende Rolle in der Mobilisierung der Vororte der Hauptstadt, darunter Duma, vom Anfang an der sehr aktiven friedlichen Mobilisierung im März 2011.
„Scheich al-Khatib ist eine Konsens-Figur, die eine echte Unterstützung vor Ort genießt,” sagte Khaled al-Zeini, Mitglied des syrischen nationalen Rats (CNS).“
[2].

Ahmad Al-Khatib Moaz in einem Anzug ohne Krawatte, während Bilderberger Hollande (seinen Freimauer-Kumpel?) herzlich die Hand drückt.

Die Wahrheit sieht ganz anders aus.

In Wirklichkeit gibt es keine Beweise, dass Scheich Ahmad Moaz Al-Khatib jemals internationale Beziehungen und Diplomatie studiert hat, jedoch wurde er als Ingenieur für Geophysik ausgebildet und arbeitete sechs Jahre lang für die al-Furat Petroleum Company (1985-91) . Dieses Unternehmen ist ein Joint Venture zwischen in- und ausländischen Gesellschaften, einschließlich der Anglo-Dutch-Shell, mit der er weiterhin Beziehungen unterhielt.

1992 erbt er von seinem Vater Sheikh Mohammed Abu al-Faraj al-Khatib den renommierten Posten des Umayyaden-Moschee Predigers.

Die Umayyaden-Moschee ist eine Moschee in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Sie ist eine der ältesten Moscheen der Welt und Vorbild für andere Moscheen im Baustil der Pfeilerhallenmoschee. In vorislamischer Zeit wurde sie als eine Johannes dem Täufer geweihte Kathedrale errichtet.

Er wird schnell seines Amtes enthoben und man verbietet ihm, in Syrien zu predigen. Allerdings ist diese Episode nicht aus dem Jahr 2012 und hat nichts zu tun mit dem aktuellen Streit, sondern war zwanzig Jahre vorher unter Hafiz Al-Assad [Vater des derzeitigen Baschar al-Assad] geschehen.

Syrien unterstützte damals die internationale Intervention von Kuwait, aus Achtung des Völkerrechts, aber auch, um den irakischen Rivalen zu eliminieren und um eine Annäherung an den Westen einzuleiten. Der Scheich war inzwischen aus religiösen Gründen gegen “Desert Storm” eingestellt, aus dieselben Gründen, die von Osama Bin Laden angeführt wurden und die er damals teilte -, einschließlich der Ablehnung der westlichen Präsenz in einem arabischen Land, was als Sakrileg betrachtet wurde. Dies brachte ihn dazu, antisemitische und antiwestliche Tiraden zu äußern.

Später setzte der Scheich seine Aktivitäten im Religionsunterricht fort, auch im Niederlande-Institut in Damaskus. Er unternahm zahlreiche Reisen ins Ausland, vor allem in die Niederlande, ins Vereinigte Königreich und in die Vereinigten Staaten. Schließlich etabliert er sich im Katar.

In der Zeit 2003/04 wirkte er als Lobbyist der Shell-Gruppe bei der Vergabe von Öl- und Gaskonzessionen in Syrien.

Anfang 2012 kehrte er wieder nach Syrien zurück, wo er das Viertel Duma (Vorort von Damaskus) aufhetzte. Verhaftet und dann begnadigt, verließ er im Juli wieder das Land und zog nach Kairo.

Seine Familie lebt tatsächlich in der Sufi-Tradition, aber im Gegensatz zu den Behauptungen der AFP, ist er ein Mitglied der Muslimbruderschaft und hat es auch am Ende seiner Antrittsrede in Doha gezeigt. Nach der üblichen Technik der Bruderschaft, passte er nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt seiner Rede dem jeweiligen Publikum an. Manchmal für eine multireligiöse Gesellschaft, manchmal für die Wiederherstellung der Scharia. In seinen Schriften beschreibt er Menschen des jüdischen Glaubens als “Feinde Gottes” und die schiitischen Muslime als ’ablehnende Ketzer’, Beinamen, die ein Todesurteil wert sind.

Schließlich hat der Botschafter Robert S. Ford seien Rolle gut gespielt. Washington legte seine Verbündeten wieder einmal rein. Wie in Libyen war Frankreich alle Risiken eingegangen, aber in dem großen kommenden Kompromiss wird Total dennoch keine vorteilhafte Konzession erhalten.

(Links und Bilder teilweise von politaia, Text weitgehend nach einer Übersetzung von Horst Frohlich)
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[1] “A model leader for Syria ?”, éditorial du Christian Science Monitor, 14 novembre 2012.

[2] « Un religieux, un ex-député et une femme à la tête de l’opposition syrienne », AFP, 12 novembre 2012.

Thierry MeyssanThierry Meyssan Französischer Intellektueller, Präsident und Gründer des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen über ausländische Politik in der arabischen, latein-amerikanischen und russischen Presse. Letztes, auf Französisch veröffentlichte Werk : L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (hg. JP Bertand, 2007).

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