Die USA entführen ihren eigenen Ex-Agenten aus Libyen

Abu Anas al-Libi alias Nazih Abd al-Hamid al-Ruqhay

Präsident Obama gab am 6. Oktober 2013 den Befehl, Abu Anas al-Libi (dessen wahrer Name Nazih Abd al-Hamid al-Ruqhay ist) in Libyen zu entführen. Ein Team der Delta Force hat die Operation ohne Opfer ausgeführt.

Selbst unter der Annahme, dass al-Libi ein legitimes Ziel für die USA wäre (wie es Kriegsminister John Kerry ausdrückte), ist diese Entführung eine Verletzung des Völkerrechts und der Souveränität von Libyen.

1995 nahm dieser Dschihadist, der Osama bin Laden in den Sudan gefolgt war, an einem gescheiterten Versuch teil, den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu ermorden. Er fand Zuflucht in der katarischen Hauptstadt Doha.

Im Jahr 1996 finanzierten die britischen Geheimdienste (MI5 und MI6) eine Zelle der Al-Kaida, um den libyschen Staatschef Muammar el-Gaddafi zu ermorden [1]. Anas Al-Libi diente als Vermittler in der Transaktion und erhielt so politisches Asyl in Großbritannien. Er lebte bis zu seiner Anklage im Jahr 2000 in den USA in Manchester .

Im Jahr 2000 wurde er vom Gericht im Distrikt Süd von New York angeklagt, im Jahr 1993 fotografische Identifizierungsarbeiten durchgeführt zu haben, welche  fünf Jahre später am 7. August 1998  den Angriff auf die US-Botschaften von Daar-es-Salaam und Nairobi ermöglichten, bei der 12 Amerikaner getötet wurden (übrigens auch 214 andere Menschen und mehr als 5.000 nicht-US-Verletzte). Als im Oktober 2001 die „Liste der durch das FBI meistgesuchten Verdächtigen“ entsteht, erscheint er auf der Liste; eine Belohnung von $ 5 Millionen wird für seine Festnahme ausgelobt.

Verschiedene Quellen versichern, dass er von 2003 bis 2010 im Iran in Haft gesessen hätte; danach sei er nach Libyen zurückkehrte. Jedoch behauptet Amnesty International am 6. Juni 2007, dass er in Wirklichkeit in einem Geheimgefängnis der CIA in Haft gehalten würde [2].

Im Dezember 2010 erklärt der Vertreter Libyens bei den Vereinten Nationen, dass Al-Libi und seine Familie wieder in seinem Land seien, und zwar im Rahmen einer von Saif al-Islam Gaddafi geführten Friedensverhandlung unter US-Kontrolle. Mit anderen Mitgliedern der Al-Kaida und unter Aufsicht von Abdelhakim Belhaj [3] nahm er ab Februar 2011 (also drei Monate später) an den Operationen der NATO in Libyen teil, die zum Sturz der Jamahiriya und dem Lynchmord an Muammar al-Gaddafi führten. Im Oktober 2011 wird einer der Söhne von al-Libi zur Vergeltung von den Nationalisten ermordet.

Am 6. Oktober 2013 entführt das US-Kriegsministerium Abu Anas al-Libi in Tripolis; er wurde laut der New York Times an Bord der USS-San Antonio im Mittelmeer gebracht, um “verhört” zu werden, [4] also außerhalb des Geltungsbereiches der US-Strafjustiz [5]. Er könnte “möglicherweise” in ein paar Wochen oder Monaten der US-Justiz übergeben werden.

Die USS-San Antonio ist ein Docklandungsschiff, dessen Laderäume von der US Navy in ein Geheimgefängnis verwandelt wurden. Die Häftlinge werden nach einem Programm verhört, das auf den Techniken des Dr. Martin Seligman basiert. [6]. Ziel ist es nicht, Geständnisse zu bekommen, sondern die Opfer zu konditionieren. Offiziell hat Präsident Barack Obama die US-Geheimgefängnisse geschlossen und die Anwendung von Folter verboten.

Die USA haben seit dem Fall von Ahmed Abdulkadir Warsame am 19. April 2011 in Somalia keine völkerrechtswidrige Entführung mehr durchgeführt.

Übersetzung
Horst Frohlich

[1] « David Shayler : J’ai quitté les services secrets britanniques lorsque le MI6 a décidé de financer des associés d’Oussama Ben Laden », Réseau Voltaire, 18 novembre 2005. Auch auf Englisch.

[2] Er ist n°37 auf der Liste von « USA: Off the Record. U.S. Responsibility for Enforced Disappearances in the “War on Terror” », Amnesty International, 6. Juni 2007.

[3] Abdelhakim Belhaj, Nummer zwei der Al-Qaida in dem Krieg gegen Libyen und dem Krieg gegen Syrien, ist ein prominenter Teilnehmer der NATO. Cf. notre dossier. Und siehe unsere Dokumente.

[4] “U.S. Said to Hold Qaeda Suspect on Navy Ship”, von Benjamin Wiser und Eric Schmitt, The New York Times, 6. Oktober 2013.

[5] “How the U.S. Is Interrogating a Qaeda Suspect” von Charlie Savage und Benjamin Weiser, The New York Times, 7. Oktober 2013.

[6] « Le secret de Guantánamo », von Thierry Meyssan, Odnako/Réseau Voltaire, 28 October 2009. Auch auf Englisch.

http://www.voltairenet.org/article180484.html

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen