Ein weiterer Schauplatz der Großen? Machtringen in Venezuela

www.shutterstock.com, Aleks_Shutter, 1121753726

In Venezuela warnt das Militär vor einem Bürgerkrieg. Vorangegangen sind Demonstrationen, Proteste und Ausschreitungen gegen den Präsident Nicolas Maduro. Das Militär jedoch stellt sich hinter den Präsidenten und gegen den Oppositionsführer und selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó. Wie wir vor kurzem auf Neopresse berichteten, ist aus den ehemals friedlichen Demonstrationen ein Bürgerkrieg in Syrien geworden. Aus dem Bürgerkrieg wurde ein Machtzerren von Großnationen und Stellvertreterkriege. Auch in Venezuela wird nun vor einem Bürgerkrieg gewarnt, das Machtzerren hat auch längst begonnen.

USA und weite Teile Südamerikas stellen sich hinter Juan Guaidó

Es dauerte nur wenige Minuten, bis US-Präsident Donald Trump offiziell den neuen “Interimspräsidenten” von Venezuela anerkannte. Die Rede ist vom 35-Jährigen Juan Guaidó, der Venezuela von Präsident Maduro “befreien” will. Guaidó ernannte sich selbst am 23. Januar zum rechtmäßigen Übergangspräsidenten von Venezuela und schwor vor einer begeisterten Masse an Menschen, dass er nun offiziell dem Land als Präsident diene. Wie bereits erwähnt erkannte Trump dies nur wenige Minuten später offiziell an, Kanada und große Industrieländer Südamerikas folgten diesem Beispiel. Präsident Nicolas Maduro, gegen den die Unmut im ärmlichen Venezuela immer größer wird, musste mit seinen Anhängern zusehen, wie der von ihnen als “kleine Junge” abgestempelte Jungpolitiker nie zugedachte Macht erlangte. Nie zugedachte Macht in dem Land, dass mit die größten Ölvorkommen der Welt besitzt. Doch nach wie vor steht das Militär hinter Maduro, warnte zuletzt sogar vor einem Bürgerkrieg im eigenen Land. Und nicht nur das eigene Militär hält zur Regierung von Maduro: sondern auch bekannte Darsteller auf der weltpolitischen Bühne, wie z.B. China und Russland.

Die Opposition in Venezuela war bis vor kurzem noch keine Rede wert. Zerstritten und uneinig versanken Oppositionspolitiker mehr im Selbstmitleid der als entmachtet geltenden Nationalversammlung des Landes. Juan Guaidó war größtenteils unbekannt, das Machtzerren um das eigene Land jedoch auch. Einige Wochen später änderte sich das Bild plötzlich. Es kommen Dynamiken ins Spiel, Guaidó ist der neue Hoffnungsträger im eigenen Land, aber auch im Ausland. Plötzlich ist die Nationalversammlung in internationaler Munde. Große Politiker anderer, großer Nationen betonen ohne Unterlass, dass die Nationalversammlung die letzte demokratisch legitimierte Einrichtung Venezuelas sei. Dazu gehören die USA, Kanada, Brasilien und weitere große Staaten Südamerikas. Uruguay und Mexiko blieben bis zuletzt politisch unbeteiligt, wollen nun aber als Vermittler auftreten. Die USA und Brasilien haben gemeinsame Interessen in Venezuela: den Einfluss Chinas und linker Ideologien eindämmen. Besonders von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist immer wieder scharfe Rethorik gegen Nicolas Maduro zu hören. Aufgrund des Drucks gegen das Maduro-Regimes und der Rethorik, wurden gar Spekulationen über einen militärischen Einsatz von Seiten der USA und Brasiliens laut. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sah sich gezwungen, die USA gar vor einem Militäreinsatz in Venezuela zu warnen.

China, Iran, Russland und Türkei stützen Maduro-Regime

Der Kreml selbst unterstützt Venezuela neben milliardenschweren Krediten auch mit militärischen Mitteln. Darunter auch zwei atomwaffenfähige Tu-160-Überschallbomber. Diese kamen im vergangenen Dezember in Caracas an. Russische Unternehmen investierten zudem teils heftig in Venezuela und haben daher kein Interesse daran, dass eine neue Regierung die Geschäftsbeziehungen ändern könne. China ist der größte Kreditgeber für Venezuela und investiert bereits seit 2008 in diverse Infrastrukturen und Ölprojekte. Laut Schätzungen sollen diese Investitionen bisher bei ca. 70 Milliarden US-Dollar liegen. Als Gegenleistung soll China Öl kassieren. Neue Verträge, mit unter auch hierzu, wurden im September 2018 zwischen Maduro und Chinas Präsident Xi Jinping neu geschlossen. Zu China und Russland gesellen sich auch der Iran und die Türkei. Teheran und Caracas waren hierbei schon lange Verbündete. Venezuela ist, außerhalb der islamischen Welt, der größte Verbündete des Irans und liegt beim aggressiv-anmutenden Antiamerikakurs auf Augenhöhe. In der Türkei findet Maduro in Präsident Recep Tayyip Erdogan einen neuen Verbündeten. Dieser schickte gleich familiäre Worte nach Caracas: “Maduro, Bruder, bleib stark, wir sind mit dir!” Twitter hatte in der Türkei längere Zeit (übersetzt) “Wir sind Maduro” als Trend angezeigt.

Vorerst zeigen sich Regierung und Opposition nun gesprächsbereit. Wenngleich das Militär in Venezuela vor einem möglichen Bürgerkrieg warnte, Experten sehen diesen noch nicht. Dennoch gilt es die Lage in Venezuela kritisch zu beobachten. Die Vergangenheit lehrte der Welt nicht nur einmal, dass Aufstände gefolgt von Gesprächs- oder Vermittlungsversuche schnell in erneute Gewalt, Gegengewalt und Bürgerkrieg ausarten können. Syrien ist ein Beispiel dessen. Wenngleich eine friedliche Lösung wünschenswert ist, Venezuela droht eine weitere Bühne für das Interesse von Großnationen zu werden. Eine weitere, konfliktbehaftete Bühne.

Autor: Thomas Schmied



Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen