Ex-Anti-Terrorchef packt aus: Radikale Islamisten bilden Tiefen Staat in der Türkei

Erdoğan hat sich verplappert
Sultan Erdogan

Die Regierung Erdoğan rühmt sich, in der Türkei die Parallelstrukturen im Staatsapparat neutralisiert zu haben. Tatsächlich zeichnet sich jedoch ab, dass eine neue Parallelstruktur den Marsch durch die Institutionen antritt – die der radikalen Islamisten.

von Reinhard Werner – RT Deutsch

Verfolgt man türkische Medien oder Debatten in sozialen Medien, in denen sich Türken oder türkische Einwanderer in Europa engagieren, ist es zumeist kein weiter Weg hin zu unterschiedlichsten Arten von Verschwörungstheorien, die bestimmte Entwicklungen erklären sollen.

Neben der CIA, dem BND und den “Zionisten” spielen dabei regelmäßig auch verschiedenste Akteure aus der türkischen Gesellschaft selbst eine Rolle, die sich entweder von den vermeintlichen Strippenziehern aus dem Ausland instrumentalisieren lassen oder auf eigene Faust agieren.

Kenner des Landes behaupten, in der Türkei gäbe es so viele Verschwörungstheorien, weil es in dem Land tatsächlich auch so viele Verschwörungen gäbe. Und in der Tat begleiten diese die Geschichte vom Ende des Osmanischen Reiches bis in die heutige Zeit.

Die Türkei weist in vielerlei Hinsicht auch tatsächlich die idealen Voraussetzungen für das Wachsen und Gedeihen sowohl von klandestinen Komplotten selbst als auch von Theorien über Selbige auf. Die geografische und geopolitisch interessante Lage zwischen Europa und Asien und nicht weit entfernt von den Küsten Afrikas, eine extrem stark polarisierte Gesellschaft zwischen Modernisierung, Religion und Nationalismus, über mehrere Jahrzehnte hinweg Elemente einer autoritären Erziehungsdiktatur unter säkularen Vorzeichen, die von einer ähnlich autoritären Form der Rückgewinnung religiöser Traditionen abgelöst wurde und die Erkenntnis, dass der Freund von heute der Feind von morgen sein kann – die verschworene Gemeinschaft wird hier zum Schutzmantel für berufliche Existenz und Karriere.

Gingen die Kemalisten mit eiserner Faust gegen religiöse Orden oder Autonomiebestrebungen von Minderheiten vor, weil sie darin einen möglichen Quell der Unterwanderung des Staatswesens erblickten, waren es in der Ära Erdoğan bislang vor allem zwei große Verschwörungen im Inneren, die zum Inhalt der offiziellen Regierungspolitik wurden und gleichzeitig zum universalen Erklärungsansatz gerieten.

Die eine davon war die Theorie von säkular-nationalistischen Netzwerken und Projekten wie Balyoz oder Ergenekon, die als Planspiele oder Selbstverpflichtungen begonnen hätten und am Ende eine stillschweigende Übereinkunft zwischen Militäroberen, Spitzenpolitikern, Medienleuten, Unternehmen und NGOs gebildet haben sollen, die in krimineller Weise zusammengewirkt haben sollen, um die Regierung Erdoğan zu stürzen.

Das Ergenekon-Verfahren beseitigte die alten Eliten, Erdoğan die Gülenisten

Die andere war die Theorie von der jahrzehntelangen gezielten Unterwanderung der staatlichen Institutionen durch die Gülen-Bewegung, die von ihrem Bruch mit der AKP-Regierung Anfang der 2010er Jahre an für alle Probleme verantwortlich gemacht wurde, die im Staate auftraten – angefangen vom geplatzten Ergenekon-Prozess bis hin zum Juli-Putsch 2016 und dem Mord am russischen Botschafter im Dezember des gleichen Jahres.

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