Griechenland sanieren und den Euro retten — Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger

Der Euro brennt - Quelle: politaia.org

Von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, www.lust-auf-neues-geld.de

Investmentbanken und Brokerfirmen halten ihre Mitarbeiter mit Stripveranstaltungen, Prostitu­ierten und Drogen bei Laune. Der Umsatz dieser Branche um die Wall Street wird auf zehn Milliarden Dollar im Jahr geschätzt, ein beträchtlicher Teil der „Wirtschaftsleistung“ von New York City. Geraint Anderson, der jahrelang zur Finanzwelt der Londoner City gehört hat, beschreibt auf mehr als 250 Seiten, wie die Geschäfte der Finanzwelt mit Sex, Drogen und Prostitution verwoben sind.

Jonathan Alpert – Psychiater in New York City, der viele Wall Street Mitarbeiter betreut – spricht von Gier als einer Krankheit. Der Anla­geberater William Browder hat vie­len seiner Kunden dabei geholfen, ihr Millionenvermögen in zwei bis drei Jahren zu verzehnfachen und dazu festgestellt: „Es gibt da so eine Chemikalie, die wird in deinem Magen freigesetzt, wenn du dein Geld verzehnfachst und sie verän­dert deine Identität.“

Andrew Lo, Direktor eines Labora­toriums am Massachusetts Institu­te of Technology, hat mit neurologi­schen Messungen nachgewiesen, dass übersteigerter Geldverdienst die gleichen Gehirnregionen an­regt wie Kokain. Viel Geld ist eine Droge. Diese Drogenjunkies zwingen Europa gerade in die Knie:

Die Griechenland von der „Troika“ der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds aufgezwungenen Sparmaßnahmen wirken so, wie die dem deutschen Reichskanzler Brüning von den Siegermächten des ersten Weltkriegs aufgezwungen Sparmaßnahmen: sie führen zum Kollaps des Landes.

Wenn Griechenland daraufhin aus der Eurozone ausgeschlossen wird, greifen „die Märkte“ das nächste Euroland an – bis, ja bis eines Tages auch Deutschland an der Reihe ist. So gelingt es der gegnerischen Kriegspartei, den Euro zu sprengen.

Ein wieder in Kleinstaaten zerfallenes Euroland wird dann zur leichten Beute der Finanzalchemisten. Mit ihrem grün bedruckten Papier (Dollars) kaufen sie alles auf. Verzweifelte Mittelständler sind froh, wenn ihnen noch jemand etwas für ihr Lebenswerk bezahlt und Arbeitnehmer sind bereit, ihr Einkommen auf „Weltlohnniveau“ drücken zu lassen, wenn sie nur ihren Job behalten.

Eurobonds wären von Anfang an die für Deutschland preiswerteste Lösung gewesen (im Gegensatz zu vergeblichen und wirkungslosen „Rettungsmaßnahmen“), offenbar fehlt aber der Wille, sie innenpolitisch durchzusetzen.

Die Mainstream-Ökonomie ist blind für die Tatsache, dass Guthaben und Vermögen exponentiell steigen und deshalb in unserem Finanzsystem auch die Verschuldung exponentiell steigen muss.

Ein radikales Neun-Punkte-Programms zur Sanierung Griechenlands und zur Rettung des Euro – jenseits der Empfehlungen des heutigen Establishments:

1. Griechenland wird für drei Jahre EU- Sonderwirtschaftszone.

2. In dieser Zone wird der Hellas-Euro (H€) eingeführt: Banknoten sind identisch, haben aber nur griechische Schriftzeichen und sind mit einem Chip versehen. Griechische Guthaben (Bürger und juristische Personen) in der EU und alle Guthaben in Griechenland werden in Hellas-Euro umgeschrieben.

3. Die EZB belastet Hellas-Euro-Guthaben mit einer monatlichen Gebühr in Höhe von 0,5% (die Gebühr nennen wir „Demurrage“). Die Chips der Hellas-Euro-Noten zeigen im Prüfgerät der Bank oder des Einzelhändlers den jeweils aktuellen Wert an.

4. Die „Demurrage“ wird von den Geschäftsbanken eingezogen und von der Europäischen Zentralbank an den griechischen Staatshaushalt weitergeleitet.

5. Der Hellas-Euro-Kapitalverkehr wird reguliert, Transfers aus der Eurozone heraus sind für die Dauer von drei Jahren genehmigungspflichtig.

6. Die griechischen Staatsschulden werden für drei Jahre eingefroren und weder verzinst noch getilgt. Dem Land wird so ermöglicht, sich auf würdige Art zu sanieren. Das laufende Programm Griechenlands zur Privatisierung öffentlichen Eigentums wird für drei Jahre ausgesetzt.

7. Griechenland verpflichtet sich zu einer tiefgreifenden Reform seiner öffentlichen Verwaltung und unterwirft sich dabei der Federführung der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank.

8. Die „Demurrage“ wird den Geldumlauf verstetigen, den Konsum anregen und die wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland fördern. Nach drei Jahren wird sich das Land stabilisiert haben und seine Verpflichtungen erfüllen können.

9. Die historische Erfahrung mit ähnlich konstruierten Finanzordnungen spricht für den Erfolg dieses Programms. Anschließend kann es dann auf die gesamte Eurozone übertragen werden kann. Der Euro wird zu „Fließendem Geld“ und dann auch zur stabilsten Währung der Welt. Dann kann er den Dollar als Weltleitwährung ablösen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung von Politaia.org oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, Volkswirtschaftler
10.12.2005

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger (Jahrgang 1941) hat nach dem Abitur eine Lehre zum Industriekaufmann abgeschlossen und dann in West-Berlin, Grenoble (Frankreich) und Durham (USA) Ökonomie und Philosophie studiert und mit einem „Master of Arts in Economics“ abgeschlossen. Anschließend hat er mit einem Forschungsauftrag der Max-Planck-Gesellschaft an der Freien Universität Berlin und an der Technischen Universität Berlin zum Dr. phil. in Philosophie und zum Dr. rer. pol. in Volkswirtschaftslehre promoviert. Danach war er 20 Jahre Manager in Deutschland, Italien und Lateinamerika.

Ab 1988 war er neun Jahre Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft in Pforzheim (D) und an der California State University (USA). 1992 hat er das erste multinationale europäische MBA-Programm initiiert und begründet (ein Gemeinschaftsprojekt von fünf führenden Wirtschaftsfakultäten aus Deutschland, Frankreich, England, Italien und Spanien) und 1997 das BUSINESS REFRAMING® INSTITUT mit gegründet.

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