Hintergrund zu den Ereignissen in Thailand – Willy Wimmer

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Von: Willy WimmerIsoliert sollte niemand die auf Umsturz ausgerichteten Ereignisse in Thailand sehen.

An zu vielen Stellen wird zeitgleich an verschiedenen Stellen des euro-asiatischen Kontinentes gezündelt, als dass an Zufall gedacht werden sollte. Die liebenswürdigen Thailänder legen sich gegen ihre mit großer Mehrheit der Wähler inthronisierte Regierung mächtig ins Zeug. Das Feriengesicht dieses Landes gerät mächtig ins Wanken. Phuket könnte demnächst Kriegsgebiet werden. Ist da etwas an uns vorbeigegangen oder liegt es daran, dass wir nicht gerne von weltpolitischen Ereignissen gestört werden wollen?

südostasienSeit Jahren tobt mit tausenden von Toten und unter Beteiligung von amerikanischen Spezialstreitkräften der bislang blutigste Konflikt des letzten Jahrzehntes in dem Grenzgebiet zwischen Thailand und seinem Nachbarn Malaysia. Wenn nach dem Hintergrund gefragt wird, kann man schnell fündig werden. Im Zuge kolonialen Großmutes haben die Briten drei muslimische Provinzen, die weder ethnisch noch glaubensmäßig mit dem nördlichen Nachbarn Thailand was zu schaffen hatten, diesem Nachbarn zugeschlagen. Die ach so sanftmütigen Thailänder haben es sich von Anfang an nicht nehmen lassen, diese neu hinzugewonnenen Provinzen nach Strich und Faden zu unterdrücken.

Der Konflikt hat einen Hintergrund, der eine andere Dimension durchscheinen lässt. Während die Chinesen derzeit im mittelamerikanischen Nicaragua anfangen, eine Alternative zum Panama-Kanal aus dem Boden zu heben, sind andere dabei, in dem umkämpften südlichen Teil Thailands die Trasse für einen Durchstich zwischen dem Indischen Ozean und der Straße von Malakka und dem Südchinesischen Meer vollständig in den Griff zu bekommen. Hier wird nicht mehr oder weniger geplant als die Umgehung Singapurs nördlich der ebenso kleinen wie erfolgreichen Republik.

Zu einer Zeit, in der versucht wird, Myanmar unter die Fittiche der NATO nach dem Modell Kolumbien zu nehmen, spielt sich in und um Thailand großes weltpolitisches Kino ab. Die USA haben bei Myanmar das gemacht, was sie schon längst hatten machen können und wegen der Aspirationen von Indien und China jetzt durchgezogen haben. Sie haben den Fuß in die Türe gesetzt. Seit langem wird in dieser Region China der Weg über Myanmar an den Indischen Ozean und Indien der Weg über Myanmar in Richtung Danang an das südchinesische Meer verstellt. Auf der anderen Seite wird mit dem Schwerpunkt Kunming als der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yünnan die wirtschaftliche Entwicklung in der Großregion zwischen Kunming, Bangkok und Singapur neu bestimmt. Große Autobahnachsen bilden den Infrastrukturhintergrund für die Großregion Mekong, die sich zu einem der dynamischsten Wirtschafträume weltweit entwickeln könnte.

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Bhumibol Adulyadej der Große, auch: Rama IX. mit seiner Frau

Und die Demonstranten, die sich auf Bangkoks Straßen aufhalten und nichts mehr zu fürchten scheinen als demokratische Wahlen?

Wer in Thailand hinter die Fassade der Freundlichkeit blicken will, der stellt ein zutiefst zerrissenes Land fest. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden dem dominierenden Königshaus die Privilegien genommen und dieses versucht mit großem Erfolg, Thailand wieder – und nicht nur ökonomisch – in den Griff zu bekommen. Thailändischen Spitzenkandidaten für Wahlen sprechen unter vier Augen freimütig über das große Ringen zwischen dem ausgreifenden Königshaus und den noch wahlberechtigten Thailändern. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass östlich und nördlich von Bangkok in den armen Teilen Thailands jene Wähler zu finden sind, die die demokratische Mehrheit für die gegenwärtige Regierung bilden. Das soll sich nach dem Willen der Demonstranten und ihrer Hintermänner ändern.

http://german.irib.ir/component/k2/item/253506-aufruhr-im-paradies

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