Insektensterben – Neue Studie mit dramatischen Befunden

www.shutterstock.com, Ben Schonewille, 1134354539

„Wenn wir nichts ändern, könnten Insekten in wenigen Jahrzehnten vollständig ausgestorben sein“. Das sind Worte aus einer Studie von Sánchez-Bayo und Wyckhus, die die Ergebnisse von über 70 weiteren Studien zusammengefasst und im April dieses Jahres in dem Wissenschaftsmagazin „Biological Conservation“ publizieren.

Der Studie zufolge sollen weltweit bereits über 40 Prozent aller Insektenarten vom Aussterben bedroht sein. Jedes Jahr kommt ein Prozentpunkt dazu. Die Biomasse der Insekten nimmt jedes Jahr um 2,5 Prozent ab. Ein Drittel aller Insekten sollen bereits kurz vor dem Aussterben stehen.

Der Ökologieforscher Vincent Bretagnolle am Centre for Biological Studies kommentiert das Ergebnis der Studie folgendermaßen: „Es sind kaum noch Insekten übrig. Das ist ein großes Problem“.

In den letzten 30 Jahren sind in Europa Fluginsekten um 400 Millionen Arten zurückgegangen. In bestimmten Weltregionen ist bereits ein Sechstel aller Bienenarten ausgestorben. In Großbritannien sind 60 Prozent aller Insekten verschwunden, in Nordamerika 51 Prozent und in Europa 44 Prozent. Nicht der Klimawandel ist schuld am Verschwinden der Insekten, sondern die konventionelle Landwirtschaft – also Landwirte, die flächendeckend und mehrmals jährlich Pestizide und Insektizide auf ihren Feldern, Äckern und Obstplantagen versprühen.

Seit über 400 Millionen Jahren spielen Insekten eine wichtige Rolle für das Ökosystem, das zu unserer natürlichen Lebensgrundlage gehört. Sie dienen vielen Wirbeltieren wie Eidechsen, Igeln, Amphibien, Fledermäusen, Vögeln aber auch Fischen als Nahrung. 75 Prozent der für den Menschen wichtigsten Nutzpflanzen wie Obstbäume, Kaffee, Kakao oder Mandeln sind von der Bestäubung von Insekten abhängig. Die wenigen überlebenden Arten können diese Lücke nicht füllen.

Das Massensterben der Vögel steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Insektensterben, weil es immer weniger Insekten gibt und Insekten häufig mit Pestiziden und Insektiziden vergiftet sind. Die Vögel nehmen diese Gifte dann ebenfalls auf. Die Hauptursachen für das Insektensterben sind der Einsatz von Pestiziden, Monokulturen, der Rückgang der Vielfalt von Landschaftsformen, riesige Ackerflächen, Überdüngung, chemische Düngemittel, Entwaldung, flächendeckende Versiegelungen des Bodens, zunehmende Verstädterung und Umweltverschmutzung.

Aufgrund der bedrohlichen Lage, in der wir uns befinden, sind Sofortmaßnahmen dringend erforderlich. Der Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und chemischen Düngemitteln muss sofort gestoppt werden. Für Insekten, kleine Wirbeltiere und Vögel müssen wieder viele Schutzzonen in der Natur eingerichtet werden. Bäuerliche Kleinbetriebe, die Ökolandbau betreiben, müssen unterstützt werden. Hier ist vor allem die Politik gefragt.

Doch auch jeder Einzelne kann durch sein Handeln dazu beitragen, dass sich die Situation verändert. Anstatt in Gärten „Englische Rasen“ zu säen, können Gartenbesitzer ihre Gärten Insektenfreundlich gestalten. Klein- und Großgärtner sollten ebenfalls auf Pestizide verzichten und sich wieder auf ökologischen Landbau besinnen. Der Kauf von regionalen und Bio-Produkten sollte bevorzugt werden.

Das Problem des Insektensterbens ist ein globales Problem – wie im Übrigen auch die Vermüllung der Ozeane mit Plastik – und bedroht die gesamte Menschheit. Daher muss die Politik weltweit vernetzte Maßnahmen gegen die vollständige Zerstörung der Natur treffen. Es muss schnell gehandelt werden, denn die Bedrohung durch den Verlust unserer Lebensgrundlage ist real.

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