Kenia: Interventionspolitik und Terror

Merkel, Niger und Mali

NAIROBI/MOGADISCHU/BERLIN

( Bericht von German Foreign Policy) – Mit Entsetzen reagiert das Auswärtige Amt auf den mörderischen Terrorangriff in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Wie der deutsche Außenminister erklärt, verurteile er den Angriff “auf das Schärfste”; er wünsche, “dass es gelingt, die Täter und Hintermänner dieses schrecklichen Attentats schnell zur Verantwortung zu ziehen”. Weitgehend unerwähnt bleibt bisher, dass das Massaker, zu dem sich die somalische Terrormiliz Al Shabaab bekennt, nicht losgelöst von der Interventionspolitik des Westens und seiner Verbündeten betrachtet werden kann. Die Al Shabaab-Miliz ist aus Strukturen entstanden, die Saudi-Arabien, einer der wichtigsten mittelöstlichen Partner Berlins, aufgebaut hat. Sie erstarkte, als der Westen gemeinsam mit seinem Verbündeten Äthiopien ein als gemäßigt islamistisch eingestuftes Regime in Somalia stürzte, dem Beobachter eine Befriedung des Landes zugetraut hatten; in den anhaltenden Kämpfen radikalisierte sich die Al Shabaab-Miliz und verband sich schließlich mit internationalen islamistischen Terrornetzen. Kenia wurde zur Zielscheibe, als es vor rund zwei Jahren sein Militär in den Süden Somalias schickte – auch, um den Westen auf dessen Drängen hin im scheiternden “Anti-Terror-Krieg” zu unterstützen. Bereits mehrere Terroranschläge haben das Land seither getroffen; auch für die Zukunft ist die Gefahr nicht gebannt.

Globales Entsetzen

Wie der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta am gestrigen Nachmittag mitgeteilt hat, haben die kenianischen Sicherheitskräfte den mörderischen Terrorangriff auf die Shopping Mall “Westgate” in Nairobi beenden können. Die Terroristen haben demnach seit Samstag 61 Zivilisten und sechs Soldaten ermordet; von ihnen sind fünf ums Leben gekommen, elf festgenommen worden. Kenyatta zufolge ist damit zu rechnen, dass in der teilweise zerstörten Shopping Mall weitere tote Zivilisten gefunden werden. Der Terrorangriff ist der schlimmste, den Kenia seit dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi am 7. August 1998 erlebte. Damals kamen 212 Menschen zu Tode, mehr als 4.000 wurden verletzt. Zu dem jetzigen Terrorangriff hat sich die somalische Al Shabaab-Miliz bekannt. Weltweit, auch im Auswärtigen Amt in Berlin, herrscht Entsetzen. Nicht näher thematisiert wird bislang jedoch, dass das Massaker nicht losgelöst von der Interventionspolitik des Westens und seiner Verbündeten gesehen werden kann – in mehrfacher Hinsicht.
Aktivitäten von US-AFRICOM - Stand 2013

Von Saudi-Arabien unterstützt

Sowohl die Entstehung als auch das Erstarken der Al Shabaab-Miliz waren eng mit Operationen des Westens und seiner ostafrikanischen und mittelöstlichen Verbündeten verknüpft. Schon der Vorläufer der Miliz, die islamistische somalische Organisation Al Itihaad al Islamiya, wurde in den 1980er Jahren mit tatkräftiger Hilfe aus Saudi-Arabien aufgebaut; ohne diese Unterstützung hätte sie in Somalia, das dem Islamismus traditionell recht fernstand, kaum größere Bedeutung erlangen können.[1] Saudische Gelder flossen damals unter anderem auch nach Afghanistan – mit bekannten Folgen; im vergangenen Jahrzehnt kamen sie zum Beispiel islamistischen Organisationen in Mali [2] oder in Syrien [3] zugute, wo sie ebenfalls zum Erstarken salafistischer Strömungen führten. Dass mit Saudi-Arabien ein Verbündeter des Westens – auch der Bundesrepublik – die Verankerung salafistischer Kräfte ermöglichte, die sich im Laufe der Zeit in gewalttätige, zum Teil terroristische Gruppierungen transformierten, lässt sich in der Tat nicht nur für Afghanistan und Syrien, sondern auch für Somalia konstatieren: Aus den Überresten der Al Itihaad al Islamiya formierte sich im Laufe des Jahres 2006 die Al Shabaab-Miliz, damals noch als eine Strömung – wenngleich die radikalste – innerhalb der somalischen Islamic Courts Union…..

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