Japan: Wale töten zugunsten von Wählerstimmen?

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Die Presse gab vor wenigen Tagen bekannt: Japan will kommenden Sommer wieder Wale aus kommerziellen Gründen töten. Japan tritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) zurück, um den Walfang wieder aufzunehmen. Das kündigte Japans Regierungssprecher Suga an. Im September beantragte Japan bei der IWC, wieder Wale jagen zu dürfen. Der Antrag scheiterte jedoch. Dennoch will Japan wieder mit dem Walfang beginnen. Die Walbestände hätten sich so weit erholt, dass der kommerzielle Walfang wieder zugelassen werden könne, argumentierte Japan.

Seit 1986 ist kommerzieller Walfang durch ein Moratorium international verboten worden. Japan nutzte seit dem aber eine Lücke in der Vereinbarung, nach der Wale nur aus wissenschaftlichen Gründen getötet werden dürfen. Australien legte daraufhin Klage gegen Japan ein, denn das Walfleisch landet nicht etwa in Forschungseinrichtungen, sondern in Restaurants und Supermärkten. Australien schätzt, dass Japan seit Beginn des Walfangmoratoriums widerrechtlich über 10.000 Wale getötet hat.

Island und Norwegen widersetzten sich von Anfang an dem Walfangverbot. Die beiden Länder stehen zum Walfang und bezeichnen ihn als das was er ist: Eine Jagd auf die Meeressäuger aus rein kommerziellen Gründen. Japan plant jetzt den Austritt aus der Internationalen Walfangkommission. Die Organisation „Greenpeace“ kritisierte das Vorhaben Japans aufs Schärfste. Das Verhalten Japans sei „rückwärtsgewandt“. Zudem müsse die Walfangkommission grundlegend reformiert werden. Sie müsse sich künftig zum Schutz der Wale einsetzen. Die Hauptbedrohung für die Walbestände sei inzwischen nicht mehr der Walfang, sondern das Sterben von hunderttausend Walen in Fischernetzen oder das Verenden von Walen durch gefressenes Plastik.

Zudem wird in Japan immer weniger Walfleisch gegessen. Die Kühlhäuser sind voll von Walfleisch, denn es gibt mehr als genug Walfleisch im Angebot. Walfleisch ist außerdem teuer, schmeckt nicht besonders gut und ist aufwendig in der Zubereitung. In der Antarktis sowie im Nordpazifik werden jährlich mehr als 600 Zwergwale und Seiwale geschossen. Mit den Importen aus Island und Norwegen ist der Bedarf an Walfleisch in Japan mehr als gedeckt.

Weiterer Walfang ist also kaum notwendig. Kritiker vermuten, dass mit dem Protest gegen das Walfangmoratorium die japanischen Wähler erreicht werden sollen. Die Botschaft lautet „Japan first“. Viele Walfangstädte liegen im Wahlkreis des Premierministers Shinzo Abe. Offenbar will die Regierung die Wähler erreichen und mobilisieren, die sich über Auslandskritik hinsichtlich des Walfangs echauffieren.



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