Libyen zerfällt — droht neuer Krieg?

Divide et impera: Die City of London hat ihre Ziele in Libyen erreicht. Der libysche Staat zerfällt. Das nennt man “Balkanisieren”. Ist es ein Zufall, dass der ölreiche Osten Libyens nun von einem Nachkommen des Königs Idris (einer britischen Marionette) usurpiert wird?
Der brutale Libyenkrieg, hatte zum Ziel, die Uhr um 43 Jahre zurückzudrehen, zurück zu den Bedingungen, die unter der britisch-amerikanischen Marionette König Idris herrschten. Dieser überließ die Ölreserven des Landes amerikanischen und britischen Konglomeraten und erlaubte den beiden Mächten, große Militärbasen auf libyschem Boden zu unterhalten. Die massenhafte Zerstörung und die Morde, die in der Zerstörung von Sirte und dem Lynchmord an Gaddafi gipfelten, lassen die Behauptungen der UN, es sei um „Menschenrechte“ und den „Schutz der Zivilbevölkerung“ gegangen, nicht nur absurd, sondern geradezu obszön erscheinen. [1]
Kurze Geschichte Libyens seit dem Zweiten Weltkrieg

Nach der Niederlage Italiens im Zweiten Weltkrieg wurde Libyen an Weihnachten 1951 unter dem von den Briten eingesetzten König Idris unabhängig. Nun diente Bengasi, Hauptstadt der Kyrenaika, abwechselnd mit Tripolis, der Hauptstadt Tripolitaniens, als Hauptstadt des Vereinigen Königreichs Libyen. Die föderale Aufteilung der Regierungsaufgaben zwischen den Kyrenaika im Osten, Tripolitanien im Norden und Fessan im Westen erwies sich allerdings als zu umständlich. 1963 entstand der libysche Zentralstaat.

So richtig geeint war dieser Staat nie. König Idris, zugleich Oberhaupt des Sanussi-Ordens, hatte stets vor allem die Kyrenaika im Blick. Erst die Offiziere um Muammar Gaddafi, die ihn 1969 aus dem Amt warfen, werteten Tripolitanien auf. Zu Lasten der anderen Landesteile: Bis heute ist die Infrastruktur in der Kyrenaika unterentwickelt, obwohl hier die größten Erdölvorkommen liegen. Der widerständige Landesteil war Gaddafi immer suspekt.

Zur Kolonialzeit boten Familienverbände und Stämme den Libyern Schutz vor den Übergriffen der Italiener. Gaddafi hat viel versucht, um die Stammesbeziehungen durch ein gesamtlibysches Nationalbewusstsein zu ersetzen. Er veränderte administrative Grenzen und förderte mit den Öl-Einnahmen die Infrastruktur. Die drei durch Wüstengebiete getrennten Provinzen kamen einander näher; die Städte gewannen an Bedeutung. Heute lebt lediglich eine Viertelmillion unter den sechseinhalb Millionen Einwohnern noch traditionell nomadisch. Dennoch prägt das Stammesbewusstsein Libyen entscheidend…….

Viele Libyer, vor allem im Osten des Landes, stehen der Sanussi-Bruderschaft nahe. Die wurde zwar 1837 vom Großvater von König Idris, Muhammad Al-Sanussi, als puritanisch-konservative Bewegung gegründet, den Salafisten verwandt. Später fanden aber Elemente aus dem Sufismus Eingang in ihre Glaubenswelt, einer mystischen und eher toleranten islamischen Richtung. Im »Nationalen Übergangsrat«, der von den Rebellen aufgestellten Interimsregierung, sitzt Ahmad Al-Zubair Al-Sanussi.[2]

Bengasi proklamiert Autonomie. Machthaber in Tripolis drohen mit Gewalt

Die drei Regionen Libyens: Kyrenaika, Tripolitanien und Fessan

Viereinhalb Monate, nachdem der selbsternannte »Nationale Übergangsrat« (NTC) Libyen für »vollständig befreit« erklärt hat, haben die neuen Machthaber ihre Kontrolle über das nordafrikanische Land noch immer nicht festigen können. Am Dienstag haben nun Stammesführer und Milizkommandeure den ölreichen Osten Libyens zu einer »halbautonomen« Region ausgerufen. In der Stadt Bengasi, von wo vor gut einem Jahr der Aufstand gegen die Regierung von Muammar Al-Ghaddafi ausgegangen war, nahmen Tausende Menschen an einer Zeremonie teil, bei der ein Rat ernannt wurde, der die Angelegenheiten der Region regeln soll. Als sein Machtgebiet beansprucht dieser die Cyrenaika von der Küstenstadt Sirte bis zur ägyptischen Grenze. Grund für die Ausrufung der Autonomie sei die »jahrzehntelange Diskriminierung des Ostens«, hieß es.
Der NTC in Tripolis warnt vor einem Auseinanderbrechen des Landes. Am Mittwoch drohte der Chef der selbsternannten Übergangsregierung, Mustafa Abdul Dschalil, mit Gewalt. »Wir werden keine Teilung Libyens zulassen«, sagte er bei einer Konferenz in Misrata, die im Fernsehen übertragen wurde. Der Übergangsrat sei bereit, »auch mit Gewalt« gegen die Autonomiebestrebungen einzuschreiten. Bereits am Vortag hatte er von »Aufruhr« gesprochen und »einige arabische Länder« einer »Verschwörung gegen Libyen und die Libyer« bezichtigt, um nicht »von der Revolution angesteckt zu werden«.
An der Spitze des Autonomierates steht der oben genannte  Ahmed Al-Zubair Al-Senussi . Nach einem gescheiterten Militärputsch 1970 gegen Ghaddafi saß Al-Zubair bis 2001 in Haft. Im vergangenen Jahr wurde er vom Europäischen Scheinparlament als Vertreter des »Arabischen Frühlings« gemeinsam mit “Aktivisten” aus Syrien und Ägypten mit dem »Sacharow-Preis für geistige Freiheit« ausgezeichnet. Diese Auszeichnung läßt bei jedem informierten Menschen die Alarmglocken läuten.
Unmittelbarer Anlaß für die halbe Abspaltung der Cyrenaika ist offenbar ein Streit um ein neues Wahlgesetz zu der für Juni geplanten Abstimmung über ein neues libysches Parlament. Diesem zufolge sind 102 der 200 Sitze für den Westen des Landes vorgesehen, 60 für die östliche Region – zu wenig für die Repräsentanten in Bengasi.
Ein halbes Jahr nach dem Sturz Ghaddafis und dem Einzug der Aufständischen in Tripolis erweist sich der NTC immer offensichtlicher als regierungsunfähig; die Zentralgewalt ist zusammengebrochen. Städte, Gemeinden und Regionen, Milizen und Stämme machen, was sie wollen, und schaffen sich ihre eigenen, unabhängigen Machtpositionen. »Was Ghaddafi nach 40 Jahren in Libyen hinterließ, ist ein sehr, sehr schweres Erbe«, räumt NTC-Chef Dschalil, der theoretisch Libyen regiert und praktisch nicht einmal Tripolis im Griff hat, gegenüber der Nachrichtenagentur AP ein.
In Bengasi zeigt Idris Al-Rahel auf eine große Libyen-Karte an der Wand. Eine senkrechte Linie teilt das Land mittendurch. Der Exoffizier ist Chef der »Nationalen Föderalen Union« und will zurück zu dem bis 1963 bestehenden System dreier Regionen, von denen jede eine eigene Hauptstadt, ein eigenes Parlament, eine eigene Polizei und eigene Gerichte haben soll.
AP-Korrespondentin Maggie Michael berichtet, Tripolis werde nach wie vor von Milizen beherrscht, die nicht in den regulären Streitkräften aufgehen wollen. Die Wüstenstadt Kufra im Süden ist das Schlachtfeld zweier rivalisierender Stämme: Bei Kämpfen zwischen den arabischen Zwia und den afrikanischen Tabu gab es im Januar Dutzende Tote. Und Misrata, die drittgrößte Stadt des Landes, regiert sich praktisch selbst. Der selbsternannte Stadtrat aus Zeiten des Aufstands wurde als korrupt und unfähig abgesetzt und im Januar ein neuer gewählt. Unterdessen berichten unabhängige libysche Medien über schwere Zusammenstöße zwischen Befürwortern und Gegnern des »Föderalismus« in Bengasi. In Tripolis sei es zudem zu Gefechten zwischen verschiedenen Milizen um die Kontrolle des internationalen Flughafens der libyschen Hauptstadt gekommen.[3]

Quellen:

[1] http://www.wsws.org/de/2012/jan2012/liby-j25.shtml

[2] http://koptisch.wordpress.com/2011/08/19/rebellen-zwischen-wustensand-und-trikolore-2/

[3] http://german.irib.ir/component/k2/item/203609-libyen-droht-neuer-krieg

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