Neuer Borporus — USA wollen ihre Position im Schwarzen Meer ausbauen

Die Türkei plant einen neuen Bosporus. Experten bezweifeln, dass er sich schnell rentieren wird, aber erkennen die Bedeutsamkeit der geopolitischen Ressource an, über die Ankara und seine Nato-Verbündeten verfügen werden, falls das Projekt realisiert wird.

Das neue Projekt heißt der Istanbul-Kanal. Ihn propagierte vor zwei Jahren während seiner Wahlkampagne der türkische Ministerpräsident RecepTayyip Erdogan. Vor kurzem gab die Regierung des Landes grünes Licht für den Bau der neuen Wasserstraße.

Das Fahrwasser vom Bosporus ist seicht und durch Ölabfälle verschmutzt geworden, was die Entwicklung der Tankerschifffahrt stört. Dies gilt den Türken zufolge als eine der Ursachen für die Verlegung des neuen Kanals. Außerdem will Ankara die existierenden Wasserstraßen entlasten, die Sicherheit des Schiffsverkehrs garantieren und Geld für die Schadensbeseitigung bei möglichen Öltanker-Unfällen sammeln.

Auf den ersten Blick sieht das Projekt gut aus. Experten bezeichnen es jedoch als eine der größten Wirtschaftsillusionen unserer Zeit.  Die minimalen Kosten betragen 20 Milliarden US-Dollar, die geschätzte Bauzeit dauert angeblich bis 2023. Zum Drittel soll der Bau durch den Staat subventioniert werden, den Rest finanzieren private Investoren aufgrund der staatlich-privaten Partnerschaft. Wann sich das Projekt rentieren wird, kann man sich zurzeit überhaupt nicht vorstellen. Der Analyst des russischen Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen Viktor Nadein-Raewskij sagt Folgendes:

Der neue Kanal wird die Durchlässigkeit anderer Wasserstraßen vergrößern. Die Nutzung der Kanäle wird dadurch natürlich kostenpflichtig sein. Jetzt darf die Türkei laut internationalen Verträgen keine Gebühren dafür erheben (was auch oft umgangen wird, z. B. wenn Dienstleistungen der Lotsen aufgezwungen werden usw.). Es ist schwierig zu sagen, ob dieser Bau sich rentieren wird. Dies sei aber ein Schritt vorwärts für die Türken. Das Land ist zudem ein wichtiger Knotenpunkt, auch für den Energietransport. Es handelt sich nicht nur um Öl- und Gasleitungen, sondern auch um den Transit von Öl und anderen Waren auf dem Seeweg. Vielleicht wurde gerade dies für die Verlegung des Kanals in Betracht gezogen. Meiner Meinung nach werden die Kosten aber zu hoch sein.“

Der Istanbul-Kanal ist nordwestlich (links im Bild) des hier abgebildeten Istanbul mit Bosporus geplant.

Die Gebühren für die Nutzung des neuen Kanals werden angeblich bedeutend höher als bei natürlichen Wasserstraßen des Schwarzen Meeres sein. Es bringt keine Ergebnisse, behaupten Experten. Andere Schwarzmeer-Länder werden schnell billigere Lieferungsrouten finden. Die wirtschaftliche Basis für den Bau des alternativen Bosporus kann also in Zweifel gezogen werden. Anders sieht es mit der politischen Grundlage aus.

Laut dem Vertrag von Montreux dürfen die Länder, die nicht zu den Anrainern des Schwarzen Meeres gehören, nur leichte Überwasser-Kriegsschiffe sowie Begleitschiffe, und keine Flugzeugträger oder U-Boote in den Bosporus senden. Die gesamte Tonnage der Kriegsschiffe solcher Länder im Schwarzen Meer soll nicht mehr als 45.000 Tonnen betragen. Diese Beschränkungen haben mit dem neuen Bosporus jedoch nichts zu tun. Auf diese Weise verschieben sich die militärpolitischen Machtverhältnisse in der Region zugunsten der Türkei und ihrer Verbündeten. Viktor Nadein-Raewskij sagt dazu Folgendes:

„Der künstliche Kanal wird kaum den Beschränkungen der Konvention unterliegen. Der Transit der Kriegsgüter und die Durchfahrt der Kriegsschiffe werden faktisch möglich ein. Viele Einzelheiten hinsichtlich des internationalen Rechtes wird man wahrscheinlich klären müssen. Sogar zur Kriegeszeit werden die Türken berechtigt sein, einige Schiffe durchzulassen, weil es um ihren eigenen Kanl und nicht um internationale Wasserstraßen geht. Dies stärkt die Position des Landes, seine Rolle als regionalen Hegemons und selbstverständlich die international-politische Rolle.“

Offen gesagt brauchen die USA den zweiten Bosporus, um ihren Einfluss in der Region zu vergrößern. Russland wird es nicht begrüßen. Die Türkei selbst wird auch davon kaum profitieren. Taktisch bekommt das Land einen höheren regionalen Status. Strategisch wird es sich jedoch in ein zweifelhaftes Spiel mit einem unklaren Finale einlassen. Dabei wird der Ruf der Türkei als eines unabhängigen geopolitischen Subjekts unter Frage gestellt. Sind die Türken bereit, dies gegen taktische Vorteile auszuwechseln? Die Frage hat der türkische Ministerpräsident RecepTayyip Erdogan noch nicht beantwortet.

http://german.ruvr.ru/2013_04_27/USA-weiten-ihre-Herrschaft-uber-Schwarzes-Meer-durch-neuen-Bosporus-aus/

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