Nuklearenergie: Die chinesisch-russische-Schlacht um Thorium


von Vladimir Poluev

Die Verwendung von Thorium als Brennstoffversorgung von Kernkraftwerken könnte die wichtigsten Probleme von Sicherheit und Umwelt mit Bezug zu Aktivitäten dieser Art lösen. Auf der Grundlage der alten Arbeiten des französischen Physikers Edgard Nazare haben sowjetische Wissenschaftler neue Technologien ausgearbeitet, aber hatten keine Zeit, sie zu entwickeln. Peking, das nun massiv in die Forschung in diesem Bereich investiert, arbeitet für die Zukunft.

Der Italiener Carlo Rubbia, Nobelpreis für Physik und ehemaliger Direktor von der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN), befürwortet, die gesamte zivile Atomindustrie auf der Grundlage von Thorium von Null ab neu zu beginnen.

Russland kann seine Führungsposition auf dem Markt der Kernenergie verlieren. Dieser erste Platz kann ihr vorerst nur durch China genommen werden. Wie wir bereits darüber geschrieben haben, ist Russland heute führend in dem Bau von Kernkraftwerken, China folgt ihm auf den Fersen: 30 Kraftwerke werden derzeit von Russland und 26 von China gebaut.

China entwickelt Kernenergie aus mehreren Gründen. Erstens, Öl ist teuer und das Angebot ist Quelle der Instabilität: fast die Hälfte des chinesischen Ölverbrauchs wird importiert. Wenn man den Transportstrom abschneidet, bleibt China ohne Energie. Dann, die Kohle, in der Zwischenzeit eine Quelle von Problemen und wenig ökologisch geworden: schwer zu transportieren, führt sie zu sehr wichtigen [Treibhausgas] Emissionen in die Atmosphäre und verursacht Tausende Tote in den Gruben jedes Jahr. Deshalb konzentriert sich China auf die Kernenergie, aber in einer ganz bestimmten Richtung.

Thorium: ein neues Kind in der Spielwelt des Atoms

Das Jahr 2013 ist in China das Jahr des Thoriums. $ 350 Millionen wurden bereits der nationalen Akademie der chinesischen Wissenschaften für die Energie-Forschung zugeordnet. 140 Spezialisten arbeiten dort, sie werden 700 im Jahr 2015 sein. Zur Erinnerung: das Thorium ist ein radioaktives Schwermetall, das nach dem skandinavischen Gott Donner Thor benannt wurde. Eine Tonne dieses reinen silbrigen Metalls produziert so viel Energie wie 200 Tonnen Uran oder 3,5 Millionen Tonnen Kohle; die Thorium Gesamtreserven in der Welt sind dreimal höher als die des Urans.

Thorium ist aus mehreren Gründen interessant

Erstens ist es ziemlich weit verbreitet und leicht zu gewinnen. Zweitens gibt es im Anschluss an den nuklearen Prozess keine Produktion von Plutonium – das zu militärischen Zwecken benützt werden kann. Während des Kalten Krieges war dies der Hauptgrund für die Entscheidung zugunsten der Nukleartechnologie mit Uran: man brauchte Atomwaffen. Drittens besteht keine Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion. Thorium ist stabil und nicht in der Lage sich spontan zu spalten, wenn es nicht einem ständigen Beschuss mit Neutronen ausgesetzt wird. Wenn man den Apparat, der diese Funktion ausführt, abstellt, wird die Reaktion sofort enden. Dieser Faktor wurde nach dem Unfall von Fukushima sehr wertvoll, weil die Sicherheit das Alpha und Omega der atomaren Welt geworden ist.

Die starken Punkte von Thorium sind Sicherheit, Energieeffizienz und die Unmöglichkeit, es für militärische Zwecke zu nutzen. Thorium-Reaktoren sind dagegen weniger gut entwickelt als die Standard-Technologie mit Uran. Es ist üblich, mit diesem Argument die Enthusiasten zu bremsen, aber auch die IAEA gab zu, dass die Zukunft das Thorium begünstigt.

Die Chinesen wollen das Thorium als Retter ihres Kernenergiesektors sehen und auch als ein kleines, aber effektives, geopolitisches Werkzeug. Daher will China die Patente für alle Technologien in der zivilen nuklearen Thorium-industrie ausarbeiten. Bei der Betrachtung ihrer Geld-investitionen kann es das erreichen. Vorerst, bis Ende 2013, ist die Patent-Priorität für die Technologieentwicklung von Thorium-Reaktoren in 23 Ländern im Besitz der Russischen Föderation.

Thorium Kernkraftwerke: ein geopolitischer Faktor

Thorium-Kernkraftwerke können sich in den Händen von Russland und China in ein geopolitisches, leistungsstarkes und vor allem effektives Werkzeug verwandeln. Die Unfähigkeit Thorium für militärische Zwecke einsetzen zu können, ist ein Faktor, der sich auf die Zusammenarbeit mit Parias-Ländern [rogue-states] wie dem Iran oder Nordkorea positiv auswirken kann. Die Versicherung, dass die Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion durch den Einsatz von Thorium ausgeschlossen ist, kann Zusammenarbeit mit Japan und Ländern in Südostasien ermöglichen, deren Energiebedarf wächst, die aber aus Angst nach der Fukushima-Katastrophe und von den internationalen Verpflichtungen angetrieben, ihre alten Einheiten schließen. Die Thorium Kraftwerke können außerdem dazu beitragen, die soziale Unzufriedenheit in den Russland verbündeten Ländern abzukühlen: Wir kennen recht gut den Konflikt, der auf dem Abschluss des von den Russen gebauten Rogun-Staudamms in Tadschikistan fußt, der einen Teil des benachbarten Usbekistans des Wassers und damit der Einnahmen von Baumwolle berauben wird [1].

Jedoch hängt es nur von Moskau ab, um aus dem Thorium einen russischen Reichtum zu machen. Wird die Medwedew-Regierung sich darum kümmern und wird sie die Priorität auf die Nutzung und Entwicklung von Thorium-technologien erweitern? Wenn die Antwort negativ ausfällt, wird dieser Trumpf chinesisch werden. Und er wird in fünf bis zehn Jahren China nützlich werden, wenn das Reich der Mitte in den geschlossenen Kreis der Länder, die nicht nur Verbraucher, sondern auch Kerntechnik Lieferanten sind, eintreten wird.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Odnako (Fédération de Russie)
Wochenzeitschrift für allgemeine Nachrichten. Chefredakteur: Mikhail Leontief.

[1] « Rogoun, le barrage qui divise l’Asie centrale » , [Rogun, der Staudamm der Zentralasien teilt] von Régis Genté, Le Figaro, 11. März 2012.

http://www.voltairenet.org/article178073.html

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