Qalamoun-Gebirge: Die Schlacht, die Assad nicht verlieren darf

Assad: USA schuld am letzten Bruch der Waffenruhe
Syrien - total zerstört
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General Jean Kahwagi, Chef der libanesischen Streitkräfte

“Was in den nächsten Tagen im  Qalamoun sattfindet, wird sehr wahrscheinlich den Ausgang des syrischen Krieges diktieren.”

nach einem Bericht von Dr. Ashraf Ezzat — Übersetzung: politaia.org

“Die libanesische Armee wird nicht einfach in einen Krieg in der syrischen Region Qalamoun hineinschlittern, in der die Hisbollah und die Syrische Armee derzeit die Dschihadisten bekämpfen,” sagte der kommandierende General der libanesischen Streitkräfte Jean Kahwagi.

Die Bergregion von Qalamoun liegt im nordwestlichen Teil des Anti-Libanon  und nordwestlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Sie bildet den Großteil der libanesisch-syrischen Grenze. Im Westen des Anti-Libanon liegt die Bekaa-Ebene, die den Anti-Libanon vom Libanon-Gebirge trennt.

In einem Treffen von Sicherheitsbeamten am Samstag versicherte Kahwagi, dass die libanesische Armee bereit sei, jeden Angriff auf die libanesische Souveränität entgegenzutreten. “Terrorismus und Israel sind zwei Seiten derselben Medaille”, sagte der libanesische Armeechef am 6. Mai und fügte hinzu, dass die Armee es nicht tolerieren werde, dass sich dschihadistische/takfiristische Gruppen wie der Islamische Staat (IS) oder die Al Nusra Front im Libanon ausbreiten (Kahwagi war so schlau, den Islamischen Staat als weiteres Produkt des Mossad und der CIA zu durchschauen).

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Das Qalamoun-Gebirge

Wie auch immer, die jüngste Eskalation von militärischen Offensiven durch eine Koalition von islamistischen Fraktionen unter dem neuen Schirm der “Armee der Eroberung” in der Region Qalamoun läßt eine Übergreifen des syrischen Konflikts auf libanesisches Territorium immer wahrscheinlicher werden.

Die inoffizielle Zahl der Toten im syrischen Krieg wird mit 200.000 angegeben, die meisten sind Zivilisten. 6,5 Millionen Zivilisten mussten ihre Häuser verlassen und ziehen im Lande umher; 3-5 Millionen Menschen sind vornehmlich in die Nachbarstaaten geflüchtet (1,5 Millionen in den Libanon).

Die Hisbollah und die Syrische Armee sind schon seit Ende 2013 in heftige Kämpfe mit den syrischen “Rebellen” und Dschihadisten (hauptsächlich von der Al Nusra Front und Ahrar El Sham) in den Bergen von Qalamoun verwickelt. Die felsigen Berge und Straßen der Gegend bilden praktisch die letzte natürliche Barriere vor Damaskus. In dieser Hinsicht könnte eine verlorene Schlacht um Qalamoun den Anfang vom Ende des Bashar El Assad bedeuten.

In einem verzweifelten Versuch, den syrischen Krieg (erfolgreich) zu Ende zu bringen, haben sich die Schuldigen (die saudischen, türkischen, katarischen, israelischen und amerikanischen Kriegstreiber) an dem grausamen Krieg und an der menschlichen Katastrophe auf dieselbe Methode geeinigt, mit der sie den Krieg begonnen haben; sie bilden islamistische Terroristen aus und bewaffnen diese.

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Wenn es um Geschäfte geht, sind Menschenleben nichts wert

In dieser hässlichen kriegerischen Verschwörung wurde nichts ausgelassen (Genozid, Menschenhandel, Plünderung von Kulturgütern,  gewaltsame Deportation etc.), um die israelisch-türkische-katarische Erdgasleitung zum Erfolg zu führen. Die neue Gasleitung wird vom Arabischen Golf (hauptsächlich von Doha aus) nach Osteuropa führen und dabei Russland umgehen und sein strategisches Monopol für die europäische Gasversorgung aushebeln.

Im Laufe der Kriegsjahre hat man erkannt, dass die Koalition von Assad mit der Hisbollah (die von Russland und dem Iran unterstützt wird) ein zu starker Gegner ist, um alleine mit der Freien Syrischen Armee agieren zu können. Deshalb musste eine neue Taktik her, selbst wenn man dabei einen Pakt mit dem Teufel einging. Die zahlreichen islamistischen Terrormilizen mussten sich unter einem Banner vereinen, wollten sie weiterhin von den USA und  und den nahöstlichen Partnerstaaten generöse Waffenhilfe, geheimdienstliche Unterstützung, Geld und gute Ausbildung erhalten. Ganz davon zu schweigen, dass die neue Allianz damit eine vorhersehbare Überlegenheit über die Milizen des Islamischen Staates erhalten würde.

Nachdem die Übereinkunft erzielt worden war, operieren seit dem März 2015 sämtliche terroristischen Milizen (Ahrar ash-Sham, al-Nusra Front, Jund al-Aqsa, Liwa al Haqq, Jaysh al-Sunna, Ajnad al-Sham und Sham Legion) – vor allem in den noch umkämpften südlichen Territorien Syriens um Assads Festung Damaskus herum – unter der gemeinsamen Flagge der “Armee der Eroberung“.

Und das Weiße Haus, das sich so unerbittlich dem Kampf gegen den globalen Terrorismus verschrieben hat, bildet Al Kaida-Terrorgruppen in Syrien aus und versorgt sie mit allem, was diese für ihre Greueltaten benötigen. Wenn nun aber die neu formierte “Armee der Eroberung” die amerikanische Variante einer moderaten politischen Opposition darstellt, was ist dann die amerikanische Vorstellung von einer extremistischen Gruppe? Die von der Leine gelassenen Bluthunde des ISIS (ausgebildet von der CIA und infiltriert vom Mossad) vermitteln einen Eindruck, was noch auf uns zukommt.

Während der letzten Tage wurden die islamistischen Dschihadisten zum Rückzug gezwungen und die von der Hisbollah unterstützten Truppen der Syrischen Armee übernahmen große Bereiche des Qalamoun-Gebirges. Aber die Takfiristen werden mit der “Armee der Eroberung” zurückkommen, um den Qalamoun zu erobern. Darüber kann es keinen Zweifel geben. Die Zerstörung der Außenposten der Hisbollah entlang der libanesischen Grenzen zu Israel und Syrien hat in Tel Aviv Priorität.

Im März organisierte der Iran zwei größere Operationen im Norden und Süden Syriens, um die Nachschublinien der Islamisten nach Syrien und Jordanien abzuschneiden. Beide Offensiven scheiterten kläglich und die Dschihadisten konnten anschließend große Geländegewinne erzielen, so dass ihre Nachschublinien nach Syrien nun gesichert sind.

Diese Ereignisse änderten den Einsatz für die Hisbollah dramatisch, ebenso für die Syrische Armee, deren Rolle in der Schlacht um Qalamoun entscheidend ist. Die Hisbollah kann ohne eine Garantie für den Sieg in der Region keine militärische Operation wagen, da eine weitere Niederlage im Hinblick auf die vorherigen Niederlagen im Norden und Süden desaströse Auswirkungen hätten. Aber ein solcher Sieg ist alles andere als gesichert und das aus mehreren Gründen.

Zum Ersten ist die Qalamoun-Region wegen ihrer unwirtlichen Landschaft selbst keine Garantie für einen Sieg, denn die Gegend ist extrem schwierig zu kontrollieren.

Zum Zweiten ist der Partner der Hisbollah bei einem solchen Unternehmen eine demoralisierte und erschöpfte Syrische Armee, deren Kampfkraft über die letzten zwei Jahre  stetig abgenommen hat. Mehr als 80% des syrischen Raketenarsenals wurde gegen die Dschihadisten/Rebellen eingesetzt. Es gibt fast keine Artillerie gegen Israel und die Golanhöhen. Syrien kann keine militärischen Unternehmungen auf israelischen Territorium durchführen. Die Abschreckung durch Chemiewaffen ist weitgehend beseitigt worden. Aus diesem Grunde hat sich das Machtgleichgewicht zwischen Israel und seinem härtesten Gegner zugunsten des zionistischen Staates verschoben.

Die Syrische Armee hat nun kaum mehr die Kontrolle über das sogenannte “Kleinsyrien”, das die Hauptstadt Damaskus und der Korridor, der sie mit Aleppo und die Alawitenregion im Nordwesten verbindet.

Mittlerweile hat die Hisbollah kein Vertrauen mehr zur Syrischen Armee und glaubt noch weniger, dass sie die Verstärkungen der Dschihadisten aus anderen Gegenden verhindern könne. Die blühende Korruption in den syrischen Rängen tut ein Übriges und je mehr sich das Blatt in Syrien wendet, umso mehr nimmt sie überhand, da die Einheiten anfangen, ihre Zukunft ohne Präsident Assad zu planen. Solch düstere Aussichten könnten die Bemühungen der Dschihadisten erleichtern, sich ihre Wege durch die syrischen Linien in Qalamoun zu erkaufen und es könnte unter Umständen eine Situation entstehen, in der die Hisbollah ihre Kämpfer in ein selbstmörderisches Himmelfahrtskommando schickt.

Wir haben in Syrien einen neuen Abschnitt erreicht. Die Staaten, welche die Gegner Assads unterstützen, haben ihre Kräfte gebündelt und sie scheinen Erfolg zu haben. Es ist anzunehmen, dass sie ihre Gewinne auf dem Schlachtfeld konsolidieren und den Iran unter Druck setzen, einen Kompromiss auf Kosten von Assad einzugehen. Das könnte vermutlich einen geordneten Übergang weg von Assads Herrschaft bedeuten.

Wenn aber Assads Gegner weiterhin deutliche Erfolge erzielen, dann werden seine Alliierten in Teheran gar keine andere Wahl haben, als einen Kompromiss einzugehen.

Wenn es in den kommenden Wochen zu keinem Angriff (der Syrischen Armee und der Hisbollah) im Qalamoun kommt, so liegt das daran, dass die Syrische Armee und die Hisbollah ihre Kräfte schonen müssen und versuchen, ihren derzeitigen Bestand zu sichern. Sie sind derzeit wohl nicht in der Lage, die Entscheidungsschlacht zu suchen.

Es steht eine Menge auf dem Spiel in Qalamoun.

Sources:

Lebanese Daily Star – Israeli Haaretz – Ayman Jawad (Expert on Islamist militancy) – Syrian Perspective – Al Jazeera English.

Quelle:  http://www.veteranstoday.com/2015/05/13/qalamoun-the-battle-assad-cant-afford-to-lose/

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