Russisches TV interviewt Rudolf von Ribbentrop

Bild oben: Joachim von Ribbentrop bei der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrags am 28. September 1939 in Moskau (hinten stehend, dritter von links) – Quelle: National Archives & Records Administration, nara.gov

Veröffentlicht am 17.05.2016 – Danke Sasa Schronzator für den Link

Im Mai 2015 besuchten russische Journalisten Rudolf von Ribbentrop in seinem Haus bei Bonn, sie wollten von dem Sohn des berühmten Reichsministers des Auswärtigen Joachim von Ribbentrop die Hintergründe zu der Vorkriegszeit erfahren und das Interview mit ihm für russische Dokumentation über Zweiten Weltkrieg filmen.
Am 24. Oktober 2015 – Buchvorstellung in Moskau, Rudolf von Ribbentrop beantwortet die Fragen der russischen Leser. Er präsentierte in Moskau sein Buch “Mein Vater Joachim von Ribbentrop: Erlebnisse und Erinnerungen” in russischer Sprache.
Videoquellen:
https://www.youtube.com/watch?v=xPLYR…
https://www.youtube.com/watch?v=a_54y…

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Stalins offensiv-strategische Gründe zum Pakt mit Hitler

Und zur Entfesselung dieser europäischen Katastrophe gedachte – neben den USA – verständlicherweise auch der Kreml seinen persönlichen Beitrag zu leisten. Denn der Sowjetunion ging es seit jeher darum, Hitler in einen entkräftenden Westfeldzug zu verwickeln, in dem sich die deutschen Streitkräfte auf Grund der Größe des zu besetzenden Territoriums verzetteln mußten. Dann, so die bereits von Lenin und Trotzki vorgedachte Komintern-Strategie, sollten mit Einsatz der frischen Roten Armee die bürgerlichen Staaten wie reife Früchte dem Kommunismus zufallen.

In diesem Sinne sagte Stalin schon am 20. Mai 1938, also auf dem Höhepunkt der Tschechenkrise in einer Veranstaltung der Komintern: „Die unmittelbare Wiederaufnahme einer revolutionären Aktion größten Ausmaßes wird jetzt möglich sein, wenn es uns gelingt, die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern so auszunützen, daß diese sich in einen Weltkrieg stürzen. Die Lehre von Engels, Marx und Lenin zeigt, daß automatisch aus einem allgemeinen Krieg unter den Staaten die Revolution hervorgeht. Die wichtigste Arbeit unserer Parteigruppe muß darin bestehen, einen derartigen Zusammenbruch zu erreichen. Wer das nicht versteht, hat noch nichts von den Lehren des revolutionären Marxismus begriffen! Die entscheidende Stunde ist für uns gekommen!“581

Die bedrohliche Taktik wurde durchaus von den unmittelbaren Nachbarn Rußlands wahrgenommen. So berichtete der amerikanische Botschafter in Paris, Bullitt, über eine Unterredung des US-Diplomaten J. P. Kennedy mit dem rumänischen Außenminister Gafencu am 25. April 1939: „Seiner (Gafencus) Meinung nach unterliege es keinem Zweifel, daß die Politik der Sowjetunion darauf gerichtet sei, in einem europäischen Krieg möglichst wenig verwickelt zu werden in der Hoffnung, daß am Ende des Krieges… die Rote Armee im Interesse des Bolschewismus den Kontinent überrennen könnte.“582

Quelle: US Holocaust Memorial Museum
Bildquelle: US Holocaust Memorial Museum

Ganz in diesem Sinne erklärte Stalin am 19. August 1939 sein Zugehen auf Hitler:

„Wir sind davon überzeugt“, so der Kremlchef intern, „daß Deutschland, wenn wir einen Bündnisvertrag mit Frankreich und Großbritannien schließen, sich gezwungen sehen wird, vor Polen zurückzuweichen. Auf diese Weise könnte der Krieg vermieden werden, und die anschließende Entwicklung wird bei diesem Zustand der Dinge einen für uns gefährlichen Charakter annehmen. Auf der anderen Seite wird Deutschland, wenn wir sein Angebot zu einem Nichtangriffspakt annehmen, sicher Polen angreifen, und die Intervention Frankreichs und Englands in diesem Krieg wird unvermeidlich werden. Unter solchen Umständen werden wir viel Chancen haben, außerhalb des Konflikts zu bleiben, und wir können mit Vorteil abwarten, bis die Reihe an uns ist. Das ist genau das, was unser Interesse fordert. Daher ist unsere Entscheidung klar: Wir müssen das deutsche Angebot annehmen und die französisch-englische Mission mit einer höflichen Ablehnung in ihre Länder zurückschicken. Ich wiederhole, daß es in unserem Interesse ist, wenn der Krieg zwischen dem Reich und dem anglo-französischen Block ausbricht. Es ist wesentlich für uns, daß der Krieg so lange wie möglich dauert, damit die beiden Gruppen sich erschöpfen. In der Zwischenzeit müssen wir die politische Arbeit in den kriegführenden Staaten intensivieren, damit wir gut vorbereitet sind, wenn der Krieg sein Ende nehmen wird…“583

Die letzten Worte schienen Stalin so bedeutungsvoll, daß er sie den Mitgliedern des Politbüros in einer Geheimsitzung am 23. August 1939, an dem Tag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts, noch einmal mit auf den Weg gab.

„Es ist wesentlich für uns“, sagte er, „daß dieser Krieg ausbricht. Wir müssen die kommunistische Arbeit verstärken, um wohlvorbereitet zu sein für den Augenblick, wo der Konflikt ein Ende finden wird.“584

Natürlich lag es im Kalkül der sowjetischen Führung, daß Hitler nach der Niederringung Polens seinen Weg im Westen fortsetzte. Nikita Chrustschow bestätigte dies in einem Zeitungsinterview, das er im November 1958 dem amerikanischen Journalisten Walter Lippman gab: „Stalin“, so der damalige Kremlführer, „sah 1939 eine Chance, Hitler vor dem kommenden Angriff auf Rußland zu schwächen, indem er ihn ermutigte, einen Krieg im Westen zu führen.“585

Kaganovich
Lazar Kaganowitsch, Chef des Politbüros der KPdSU und Schwager Stalins

Die Präferenz einer solchen Politik hatte bereits am 27. 1. 1934 Lazar Kaganowitsch, Chef des Politbüros der KPdSU und Schwager Stalins, in der „Iswestija“ mit folgenden Worten erkennen lassen: „Ein neuer deutsch-französischer Krieg würde den Interessen der Sowjetunion sehr entgegenkommen.“586

Als dann der Krieg tatsächlich erklärt war, da zeigte der eine oder andere Drahtzieher im Kreml sogar Stolz über den Erfolg der kommunistischen Mission. „Sie“ schrieb der ehemalige französische Staatssekretär J. Fabry damals über die Bolschewiki, „haben diesmal nicht verfehlt, sich des bösen Streiches zu rühmen, der ihnen glückte.
Dieser Krieg ist wahrhaftig ein Krieg der Sowjetunion. Potemkin sagte mir ohne Umschweife: ‘Warum sollte uns ein Krieg erschrecken? Sowjetrußland ist aus dem letzten Krieg hervorgegangen, aus dem nächsten würde es ein Sowjeteuropa sein!’“587
Potemkin war der Stellvertretende Außenminister der UdSSR.

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581 Richthofen, Bolko von, „Kriegsschuld 1939-1941“, Vaterstetten 1968, Seite 53
582 Tansill, Charles, „Die Hintertür zum Kriege“, Düsseldorf 1957, Seite 568
583 Zentner, K., „Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches“, München 1965, Seite 452
584 Monatsschrift „Nation Europa“, Coburg, Nr. 10, 1961, Seite 26
585 „Die Welt“ vom 12. 11. 1958, Seite 6
586 Hoggan, David, „Der erzwungene Krieg“, Tübingen 1961, Seite 276
587 Richthofen, Bolko von, „Kriegsschuld 1939-1941“, Vaterstetten 1968, Seite 50

Quelle: Wolfgang Eggert: Israels Geheimvatikan III, Seiten 265 – 266

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