Schiefergas und Fracking: Eine neue Spekulationsblase?

von Alfredo Jalife-Rahme

Auf der ganzen Welt verurteilen Stimmen den Mythos von Schiefergas. Neben der Spekulationsblase die er hervorruft, wird dieser Betrug nicht ohne schwere Folgen für die Vereinigten Staaten bleiben. Tatsächlich hat sich die Obama-Administration selbst überzeugt, dass das Land eine nachhaltige Energie-Unabhängigkeit erleben wird.

Es gibt keine Diskussion über Schiefergas; ist es ein Wunder der US-Technik, wie es über alle Dächer der angelsächsischen Medien ausposaunt wird, ein Prometheus-Kunststück, oder eine vulgäre, von den Befürwortern der Finanzleitung aufgebauschte Spekulationsblase, wie es die These vom Zentrum der geostrategischen Reflexion DeDefensa.org mit Sitz in Brüssel beschreibt? [1].

Diese Debatte sollte es jedoch wirklich geben, da die neue atemberaubende Position, die die USA anstreben, von ihrer Schlussfolgerung abhängen wird: eine globale Energiemacht, fähig mit Russland und der OPEC zu konkurrieren, wenn die Gas-Manna sich bestätigt, oder nur ein erbärmlicher Agitprop-Versuch zur Verzögerung des Verfalls der einstigen unipolaren Supermacht?

Ein hoch platzierter Banker-Freund, der anonym bleiben will, meint, dass das Fracking (die Spaltung des unterirdischen Gesteins in 4.000 m Tiefe, mit einer enormen Menge von Wasser) ist eine neue Desinformation-Operation, weil es absolut nicht machbar ist. Er fügt hinzu, dass Fracking-Investitionen ein Fass ohne Boden sind, und das durch den Verkauf von Öl generierte Geld nicht ausreichen wird, um dieses neue Industriewachstum zu finanzieren, weil die durch Fracking erstellten Bohrlöcher sehr schnell versiegen. Um eine Produktion auf gutem Niveau zu halten, müssen ständig neue Bohrungen gemacht werden. Das ist unvermeidbar und wird kaum für mehr als eine bestimmte Produktion ausreichen.

« Dieses Verfahren bietet nicht die Vorteile der traditionellen Ölproduktion, die Quelle von ungeheurem Reichtum war, den Ausbau der Produktion sicherte oder Investitionen in anderen Bereichen ermöglichte. Nein, das Fracking verschlingt alle Ressourcen; es erfordert enorme Kreditaufnahmen, und eines Tages wird dann daraus eine Krise. Am Ende wird es sich kaum mehr als ein neues Manöver der Wall Street erweisen, um Kleinanleger in die Falle zu locken, die verzweifelt profitable Investitionen suchen.

Die Argumentation ist sehr überzeugend, da Aubrey McClendon, Gründer von Chesapeake Energy, der größte Produzent von Erdgas in den USA, von seinen Investoren wegen mangelndem Profit zum Rücktritt gezwungen wurde, während dessen das Unternehmen sich ernsthaft verschuldet hatte; es ist ein finanzieller Kollaps infolge des Preisabsturzes von Erdgas und der Mangel an Liquidität [2].

Unterdessen kündigt die DeDefensa.org-Website das Ende des Mythos der Revolution von Schiefergas für die kommenden maximal 18 oder 24 Monate an. Es wurde bereits von ihr ein Thema Shalegas-Gate erstellt und sie hält diese Produktionsart für eine “Massenvernichtungswaffe” [die die USA umbringen wird], verweisend auf den durchschlagenden Versager der Cheesapeak Energy. Kurz gesagt, die EUR, (estimated ultimate recovery), die endgültig erwarteten Dividenden, seien sehr übertrieben gewesen  [3].

Die Öl-Geologen und die unabhängigen Geophysiker, die die Fata Morgana der EUR verbreitet haben, wurden natürlich von den großen internationalen Konferenzen zum Thema Öl und Gas ferngehalten. Aber die Hexenjagd genügte nicht, um die Zweifler zum Schweigen zu bringen und die New York Times sah sich gezwungen, die Idee in den Raum zu stellen, ob vielleicht die Gas-Industrie-Zahlen manipuliert worden wären [4].

Man verfügt über eine sehr große Produktion von Erdgas in den USA in den letzten Jahren, aus denen eine verfeinerte Analyse der Produktion von Fracking-Bohrungen gewonnen werden kann, und man entdeckt, dass die Produktion deutlich unter den Prognosen war.

Der Geologe Arthur Berman, der seit 25 Jahren in der Amoco (Oil Company Chicago, Ex-Standard-Oil) gearbeitet hat, analysierte drei historische Bereiche: Barnett, Fayetteville und Haynesville; er zeigt die Hyperinflation der EUR, die man den von den Bankiers verblendeten Investoren verbirgt, die nichts über die Feinheiten des Schiefergas wissen.

Ein Bericht von der Internationalen Energieagentur – die immer wieder bei Desinformations-Operationen ertappt wurde – besagt ganz  locker, dass die Schiefergasförderung es den USA ermöglichen wird, im Jahr 2017 der größte Öl-Produzent noch vor Saudi-Arabien zu werden  [5].

Aber DeDefensa zitiert dagegen den texanischen Geologen, Ingenieur Gary Swindell, der die fabelhafte Eagle Ford-Brunnen-Produktion halbiert [6].

Und die britische Agentur Reuters bezweifelt das fabelhafte Geheimnis in Utah, die wunderbaren Felder von Utica [7].

In der Tat ist DeDefensa sehr pessimistisch und bezweifelt nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch die Zahlen, welche munter vom Leiter der IEA, Fath Birol, dem fraglichen Ökonomen, am 12. November 2012 angekündigt wurden.

Das Schiefergas wird daher zweifellos Bestandteil des US-Energiekorbs, aber wird das geopolitische Spiel nicht stören, weil die USA kein LNG (Liquefied Natural Gas) exportieren werden. Russland wird auf dem europäischen Markt nicht bedroht werden und die australischen Flüssig-Erdgas-Projekte werden weitergeführt werden können.

Schiefergas wird darüber hinaus nicht billig sein, sodass seine Ansprüche, die strategische Lage zu revolutionieren, aus dem neoliberalen Mexiko (durch eine Regierung vertreten, die nicht fähig ist, zurückzuschalten) vielleicht den großen Verlierer machen werden.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
La Jornada (Mexique)
#La Jornada (Mexiko)

[1] DeDefensa.org ist die Internet-site der Revue DDE Crisis, über Abonnement erhaltbar, 22, rue du Centenaire, B-4624 Fléron, Belgique. Tél. : + 32 4 355 05 50, Fax : + 32 4 355 08 35

[2] « Breakingviews : SEC goes where Chesapeake board feared to tread », von Christopher Swann, Reuters, 1. März 2013. « La SEC a assigné à comparaître l’ex-patron de Chesapeake», AFP, 1. März 2013

[3] «Gaz de schiste : à la “bulle” nul n’échappera…», I, II, III, DeDefensa.org, 16 novembre 2012, 11 et 16 janvier 2013.

[4] Am 26.Juni 2011, gab die New York Times eine grosse Menge von Dokumenten online, die die Hoffnung auf Schiefergas in Frage stellen documents officiels posant de sérieux doutes sur les espoirs mis dans le gaz de schiste

[5] World Energy Outlook 2012, Agence Internationale pour l’Énergie, 12 novembre 2012.

[6] Cité in «$8 Natural Gas: We’re Right On Schedule», par Richard Finger, Forbes, 14 octobre 2012)

[7] «Insight: Is Ohio’s “secret” energy boom going bust?», par Edward McAllister et Selam Gebrekidan, Reuters, 22 octobre 2012.

[8] Variability of Distributions of Well Scale Estimated Ultimate Recovery for Continuous (Unconventional) Oil and Gas Resources in the United States, U.S. Geological Survey Oil and Gas Assessment Team. Document téléchargeable.

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