Sibel Edmonds: Operation Gladio-B — Teil 1

Sibel Edmonds

Dieser Artikel erschien am 8. März 2013 auf der Webseite American Judas (Übersetzung von politaia.org)

Vorbemerkungen:

Es gibt zwei bahnbrechende Ereignisse, die mehr als alle anderen Ereignisse mein Verständnis über die realen Geschehnisse auf der Welt geprägt haben; sie stehen im Widerspruch zu den Geschichten, die man uns erzählt. Diese Ereignisse haben mich veranlaßt, meinen Erkenntnisstand der politischen Realität zu dokumentieren.

Valerie Plame

Eines dieser Ereignisse sind die Lügen, welche dieses Land in den Irak-Krieg geführt haben und der Verrat der Regierung, um dieses Verbrechen zu rechtfertigen, was in der Aufdeckung der Identität von Valerie Plame als CIA-Agentin gipfelte.

Das zweite Ereignis sind die Lügen um 9/11, welche zur Entlassung und dem Maulkorberlass von Sibel Edmonds führten, einer FBI-Dolmetscherin.

Vor kurzem wurde Edmonds von dem kanadischen Journalisten James Corbett für seine Show The Corbett Report interviewt. Das Interview wurde in vier Abschnitte aufgeteilt, insgesamt dauert es vier Stunden. Danach kommt noch ein Frage-und-Antwort-Teil mit eineinhalb Stunden.

Dieser Blogeintrag ist der erste einer Reihe von Artikeln, in denen ich eine Zusammenfassung des Interviews auf  Basis meiner Notizen zu präsentieren versuche; zugleich möchte ich eine Analyse darüber bereitstellen, wie die explosiven Informationen von Edmonts mit früheren Untersuchungen zusammenhängen, die ich in Bezug auf 9/11 und Valerie Plame durchgeführt habe.

(Wenn Sie das Interview aus erster Hand hören wollen, hier sind die Links:  Part One, Part Two, Part Three, Part Four, Question and Answer.)

Operation Gladio-B: Zusammenfassung Teil 1

Sibel Edmonds beginnt ihr langes Interview mit einem Überblick, wie die Operation Gladio in die Türkei einsickerte. Sie erläutert, dass – obwohl das Operationsfeld global ist – die Türkei immer das wichtigste Operationszentrum von Gladio vor dem Fall der Sowjetunuion gewesen ist, weshalb sie tiefer auf die Situation der ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken eingehen müsse. Die Gründe dafür sind zum einem geographischer Natur und zum zweiten der Drogenhandel. Während des Kalten Krieges existierten hinter dem türkischen Militär immer das Paramilitär und ultra-nationalistische Gruppen. Diese Gruppen hatten ihre angebeteten Führer oder “Babas”, welche den Drogenhandel abwickelten. Edmonds sagt, sie konnte diese Typen an ihrem Aussehen erkennen, viele von ihnen trugen kleine “Hitler”-Schnurrbärte. Skandalöserweise holte die NATO, welche die Operation Gladio betrieb, diese Kerle aus den Gefängnissen, ließ sie vom türkischen Militär ausbilden und gab ihnen Pässe für ihre Operationen. Welche Operationen? Drogenhandel, Anschläge unter falscher Flagge, Attentate und Morde.

Ein herausragendes Beispiel eines solchen Gladio-Typs ist Abdullah Çatlı. Er war ein wichtiger paramilitärischer Nationalist mit einem so umfangreichen Strafregister, dass er auf der Interpol-Liste der 10 meistgesuchten Verbrecher stand. Als er während der 80er Jahre in der Schweiz im Hochsicherheitstrakt sitzt, entkommt er mit einem NATO-Helikopter! Als nächstes taucht er 1989 in London auf, wo man ihm die britische Staatsbürgerschaft verleiht. Danach reist er in die USA, wo er sich zwischen 1990 und 1991 hauptsächlich in Chicago aufhält; dort erhält er eine GreenCard . Es gibt Dutzende Einreise- und Ausreisevermerke in Amerika, die auf seine Teilnahme an ruchlosen Operationen schließen lassen, aber weil er 4 oder 5 Diplomatenpässe mit sich führt, hat er Immunitätund kann machen, was er will.

Im Jahre 1995 reist  Çatlı nach Aserbeidschan, um Präsident Aliyew zu ermorden. Das Attentat mißlingt, aber es erfüllt dennoch seinen Zweck: Aliyews Loyalität gegenüber der  NATO und den USA zu erzwingen. Vor dem Mordversuch verhielt sich Alijew loyal zu Russland; leider hatte er eine große Schwäche, die ausgenutzt wurde: Er hatte hohe Schulden in Spielkasinos. Nach dem Attentatsversuch wurde Alijew US-Bürger und Çatlı reiste nach erledigter Mission wieder zurück nach Chicago. Vor seinem Tod war er auch an der Organisation von Terror-Operationen im westchinesischen Turkestan involviert.

Bevor wir uns mit dem schmutzigen Details von Çatlıs Tod und den daraus folgenden Skandal beschäftigen, erläutert Edmonds den Kontext, in welchem dieser geschah: Im der Zeit von 1994-1996 gab es innerhalb der NATO eine Debatte, wie es mit der Operation Gladio weitergehen sollte, nachdem nun auch einige Nationen aus dem ehemaligen Sowjetblock auf Seiten der NATO standen. Es gab zwei Optionen: Weitermachen wie vor dem Fall der Sowjetunion oder weitermachen wie auf dem Balkan und in Afghanistan. Edmonds weiß nicht, ob die Entscheidung für die zweite Option vor dem Tod von Çatlı zustande kam oder ein Resultat seines Todes war. Jedenfalls steht fest, dass das ungeheure Ausmaß des Skandals die NATO gewissermaßen dazu zwang, in diese Richtung zu gehen.

Im Jahre 1996 wurde Çatlı bei einem schweren Autounfall in Susurluk (Türkei) getötet. Aber Çatlı war nicht die einzige bedeutende Person, die in dem Unfall involviert war. Im Auto befanden sich auch der Polizeichef, ein mächtiges Mitglied des Parlaments und die Geliebte von Çatlı, eine ehemalige Schönheitskönigin. Bevor die Details vertuscht werden konnten, hatte die lokale Polizei den Unfall bestätigt und lokale Medien hatten über den Fall berichtet. Die nachfolgende Untersuchung brachte ans Licht, was man den “tiefen Staat” nennt: Dass Morde im Namen des Staates vollzogen werden und der Staat den Drogenhandel betreibt. Die US/NATO hatte Angst, dass ihre Rolle in dem Zusammenhang ans Licht kommen würde.  “Susurluk” gelangte in der Türkei zu der Bedeutung, die “9/11” in den USA hat. Der US-Botschafter in der Türkei, Marc Grossman, wurde abberufen, obwohl er noch 1-2 Jahre Dienstzeit hatte. Major Douglas Dickerson, der Führungsoffizier von Gladio in Kasachstan und Turkmenistan, der mit der Entlassung von Edmonds Sibel aus dem FBI zu tun hatte, wurde auch gefeuert. Weiter wurde der Chef der Terrorbekämpfung (Attacken unter falscher Flagge) im türkischen Militär entlassen.

Zu diesem Zeitpunkt wandte sich die NATO den Plänen für Gladio B zu, wie es Edmonds bezeichnet. Gladio B sollte das Paramilitär und die Ultranationalisten außen vor lassen. Dafür sollten islamische Fraktionen, die Mudschaheddin eingesetzt werden. Einige der ultranationalen und paramilitärischen Gruppen drehten durch, wie Edmonds später genauer erklären wird.

Zentralasien

Zu der Zeit war man sich in der Türkei nicht ganz sicher, wie es mit Gladio weitergehen würde. Aber nach dem Tod von Çatlı schien man an eine bestimmte Führungsfigur zu denken: Diese war  Fethullah Gulen. Es war ein islamischer Prediger, den man “moderat” nannte; seine Botschaft war ähnlich der Botschaft anderer türkischen Prediger, welche die islamischen Brüder vereinen wollen, aber einzigartig in der Hinsicht, dass sie nicht nationalistisch ist, sondern auch die anderen zentralasiatischen Nationen einschließt. Seine Bewegung war aber damals bei den türkischen Militärs nicht besonders willkommen und als Gulen von ihnen bedroht wurde, ging er nach Washington D.C.

Nun steht er einer 20 Milliarden$-Organisation vor, welche 350 Moscheen und Koranschulen eröffnet hat! Aber es gibt einen Haken, wenn man beitreten will: man muss Englisch lernen.  Und: Alle “Englischlehrer” bekommen Diplomatenpässe.

Anwar Yusuf Turani

Edmonds nennt noch eine weitere wichtige Figur im Gladio-B-Netzwerk: Yusuf Turani. Turani erhielt 1997 die US-Staatsbürgerschaft und wurde als Exil-Präsident von Turkestan bezeichnet. Man muss hier nochmals betonen, dass mit Turkestan die chinesische Provinz Xinjiang gemeint ist.

Aber es gibt auch eine Beziehung der NATO zu einer anderen Person, deren Name bekannter sein dürfte: Ayman al-Zawahiri. In vielen Kreisen als das “Gehirn” hinter Al Kaida bekannt, arbeitete die NATO über Gladio eng mit Zawahiri und Bin Laden zusammen. Von 1997 bis 2001 umfasste Plan-B dutzende Operationen der Mudschaheddin.

Edmonds betont, dass die Mudschaheddin während dieser Zeit offiziell niemals als Al Kaida bezeichnet wurden, sondern immer als Mudschaheddin .

Die NATO bat Mubarak von Ägypten (woher Zawahiri stammt), Regimegegner freizulassen (Freunde von Zawahiri), die sie für Aufgaben in der Türkei brauchte. Während dieser Zeit reiste  Zawahiri in die  Türkei, arbeitet aber auch in Albanien und im Kosovo.

Edmonds nennt eine interessante Tatsache : Das FBI überwacht alle Staaten (über die diplomatischen Vertretungen) durch Aktionen wie Filmaufnahmen und Abhörmaßnahmen. Es gibt vier Ausnahmen: Die Türkei, Aserbeidschan, Großbritannien und Belgien.

Dann kommt 9/11. Die offizielle Reaktion? Die USA behaupten, dass ihre Partner, mit denen sie vorher gemeinsame Operationen durchführten, die Schuldigen sind. Das ist ein altes Spiel der Briten: “Benutze den Islam, damit Du bekommst, was Du willst”.  Der Kalte Krieg in seiner Bedeutung als “Ressourcenkrieg” hat niemals aufgehört. Der ultimative Preis ist Zentralasien, wie Zbigniew Brzezinski in seinem Buch The Grand Chessboard schrieb.

Edmonds geht nun auf die Rolle des Rauschgifthandels ein. Einer der Gründe, warum Belgien einer der vier Staaten ist, die nicht vom FBI überwacht werden, ist die Tatsache, dass das Land eine extrem wichtige Rolle bei der Distribution von Heroin spielt. Viele sagen, dass die Taliban vor 9/11 den Heroinanbau- und Handel unterbunden hätten. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Die Taliban kontrollierten Afghanistan seit 1996 und bis ins Jahr 2000 ging die Heroinproduktion nicht zurück. Die Taliban reduzierten die Produktion erst in der Zeit von 2000-2001. Bis 9/11 standen die Heroinhandel zu 70-80% unter russischer Kontrolle. Nach 9/11 ging diese Kontrolle auf die NATO über. Nach Übernahme der Mohnfelder durch die NATO schoss die Produktion in die Höhe.

Edmonds beendet den ersten Teil des Interviews mit der Anmerkung, dass die Gladio-Operationen mit den Operationen in Tschetschenien verknüpft waren und dass infolge der Ausrichtung auf Gladio-B viele türkische Ultranationalisten nach Russland flüchteten.

http://americanjudas.blogspot.co.uk/2013/03/synopsizing-sibel-edmonds-evolution-of.html

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