Steuerleute aus Washington

Palmyra
Palmyra

Übersetzung eines Textes (Quelle) von Jewgenij Satanowskij – erschienen auf vineyardsaker

Der Angriff auf Palmyra setzte professionelle Stabsarbeit voraus, zu der die IS-Kämpfer nicht in der Lage sind.

Am 11. Dezember haben die Kämpfer des IS die Truppen Assads aus Tadmor, dem historischen Palmyra, verdrängt und zum zweiten Mal diese Provinzstadt von weltweiter historischer Bedeutung besetzt. Das wäre strategisch nicht so wichtig, wenn sich nicht unweit eine Wegekreuzung befinden würde, die unter anderem zu dem vom IS seit einigen Jahren belagerten Deir ez-Zor – einschließlich der erdölverarbeitenden Industrie und der Basis der Luftwaffe – führt.

Charakteristisch ist, dass dem Angriff von 4000 bis 5000 IS-Kämpfern mit Panzern, mit SPW/SPz und der reaktiven Artillerie ein Anmarsch durch die Wüste von einer Strecke von mehreren hundert Kilometern voraus ging, der weder von der Aufklärung Assads noch mit russischen Mitteln korrekt gewürdigt wurde. Das zwingt die Experten, von der Möglichkeit eines Verrats auf höchster Führungsebene im Kommando der syrischen Armee oder ihrer Muchabarat (ziviler Geheimdienst) zu reden.

Verrat oder Fahrlässigkeit?

Ein eigenes Thema ist, woher diese tausenden von IS-Kämpfern gekommen sind. Wahrscheinlich kommen sie hauptsächlich aus Mossul, in dem die Kämpfe von den USA und ihren Verbündeten unterbrochen wurden – der irakische Ministerpräsident kündigte eine Aufstockung der Truppe an. Den Kämpfern aus Mossul scheinen sich Kollegen aus Rakka und Deir ez-Zor angeschlossen zu haben, wo die Kämpfe ebenfalls ruhen. Hier haben die USA erklärt, dass der Angriff um mindestens zwei Monate verschoben wird. Nach den Einschätzungen der „antiterroristischen Koalition“ waren an der Einnahme von Palmyra ungefähr drei-fünf Tausend Kämpfer beteiligt.

„Verhandlungen mit den Amerikanern über Syrien machen so lange keinen Sinn, wie die verbleibenden terroristischen Gruppen noch nicht kapituliert haben und aus dem Krieg ausgetreten sind.“

Außerdem ist es vollkommen unverständlich, wie die IS-Kämpfer durch die Gefechtsordnungen der Mossul belagernden Truppen hindurch sickern konnten und sich dann mit all ihrer Willkür auf das Schicksal der syrischen Hauptstadt werfen konnten. Und das, zum Beispiel, vor den Augen der kurdischen und türkischen Truppenteile, die um das Recht wetteifern, sich vor Rakka im Bündnis mit den Amerikanern mit dem IS schlagen zu dürfen. Und die sollen die Islamisten nicht bemerkt haben? Ungeachtet ihrer ganzen schweren Technik wurde niemand bemerkt? Und es gab keinen einzigen Schuss seitens der Luftwaffe der amerikanischen Koalition?

Dann endlich ist die Luftflotte Assads angekommen und – wir haben es bemerkt – auch die Luftflotte der Russischen Föderation. Der korrekten Berichterstattung wegen muß man auf das für Fliegerkräfte sehr ungünstige Wetter verweisen. Die Fluggruppen kämpften dann doch mit dem IS, der trotzdem nach schweren Kämpfen Palmyra eingenommen hat. Es war ganz deutlich zu sehen, dass die Planung einer solchen Operation eine professionelle Stabsarbeit war, zu der die Kämpfer einfach nicht in der Lage sind.

Die erste Welle der Angreifer wurde von den Fliegern Russlands noch halb zerstört, was aber den Ausgang der Schlacht insgesamt nicht beeinflusst hat: sie war verloren.

Vertrieben wurden die Kämpfer aus Palmyra beim ersten Mal nach einer komplizierten und sorgfältig vorbereiteten Operation, die geplant und unter der unmittelbaren Führung von russischen Militärberatern durchgeführt wurde.

Sowohl beim ersten Mal wie auch beim zweiten Mal wurde die Stadt von den Syrern ganz schnell aufgegeben, obwohl sie jetzt immerhin versuchten, die Einwohner zu evakuieren. Letzten Endes haben sie dann den überlegenen Kräften des Gegners die Stadt überlassen.

Assads Verlust von Palmyra hat viel zu genau mit der Vollendung der Operation im östlichen Aleppo übereingestimmt, um zufällig geschehen zu sein. Sehr wahrscheinlich ist, dass die USA in diesem Fall den IS erstmals wie ein Instrument eingesetzt haben, um militärisch unmittelbar Druck auf Damaskus auszuüben. Bisher haben sie nur ein Auge zugedrückt, wenn ihre Verbündeten innerhalb der „antiterroristischen Koalition“ – sicher Katar, möglicherweise auch Saudi-Arabien und die Türkei – die Kämpfer für ihre Interessen nutzten. Wahrscheinlich haben Doha, Er-Riad und Ankara seinerzeit die Handlungen in Syrien – falls notwendig – koordiniert. Welche der Versionen der Wirklichkeit entsprechen, bleibt bisher noch die Zusatzfrage. Bisher ist nur eins klar: Washington und seine Verbündeten haben nichts gegen den IS unternommen – und aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie auch im Folgenden keine Handlungen gegen den IS unternehmen, vorausgesetzt, dass diese terroristische Struktur mit Assad und den russischen Militärs kämpfen will.

Das zeigt aber auch, dass Verhandlungen mit ihnen über Syrien bis zum Erringen des endgültigen Sieges, dass heißt bis zur Vernichtung der terroristischen Gruppen keinen Sinn machen. Und bis zum Sieg bedeutet, dass sie nach der endgültigen Kapitulation unter den Garantien der Gesprächspartner von der Basis „Hmeimim“ aus dem Krieg austreten. Das wiederum widerspricht nicht nur der westlichen Logik, sondern auch der Logik der einheimischen Diplomaten: diese sehen den Sinn ihrer Tätigkeit in der Beschränkung und in dem Versuch, sich die Tätigkeit der Russischen Armee unterzuordnen, anstatt selbst den militärischen Erfolgen zu folgen und diese politisch zu festigen ….

Dass die Unterbrechung des Einsatzes der Luftwaffe der Russischen Föderation gegen die Terroristen und die freiwillig von Russland übernommenen Beschränkungen der Handlungen der Luftwaffe in Stadtgebieten und bei humanitären Pausen (auf denen die UNO und die USA bestanden) die Ergebnisse der Kriegsoperationen entwerten und den Krieg unendlich in die Länge ziehen, ist einer jeden Fachkraft klar. Die Frage, wann man den Armeen gestatten wird, ihre Arbeit zu machen, und zwar so, wie es für die Erringung eines Endergebnisses notwendig ist, kann man heute noch nicht beantworten.

Die aktuelle Situation in Palmyra – ist die Antwort der USA und ihrer Verbündeten auf die glänzenden Ergebnisse, die Russland und die von ihm unterstützten Kräfte in Aleppo erreicht haben. Diese Stadt wird keine Hauptstadt für die syrischen Dschihadisten, wie es seinerzeit Benghazi in Libyen wurde. Aber die erneute Einnahme von Palmyra führt vor, dass der syrische Krieg von seiner Vollendung noch fern ist.

Das erfordert die Analyse der Situation in Palmyra und auch in Mossul und Aleppo. Im Folgenden wird die Reinigung Idlibs, die Befreiung Palmyras von den IS-Kämpfern und die Deblockierung von Deir ez-Zor erfolgen – selbst die Vernichtung des IS im Irak ist nicht ausgeschlossen, auch wenn die USA in Wirklichkeit nichts gegen diese Organisation unternehmen, ihr alle Chancen gewähren. Wir betrachten im Folgenden eine Reihe der Aspekte des Krieges mit den Dschihadisten in Syrien und dem Irak. Dabei stützen wir uns auf die Artikel von J. B.Schtscheglowins, die für das Institut Naher Osten vorbereitet wurden.

Die Lehren von Mossul

Wir werden mit der Analyse der Situation um Mossul beginnen.

Am 03. Dezember ist das Kontingent der türkischen Truppen auf dem Territorium des Lagers der bewaffneten Miliz Al-Schikchan eingetroffen, um der irakischen Armee bei der Einnahme von Mossul Hilfe zu erweisen. Die türkische Verstärkung besteht aus drei Bataillonen mit schwerer Ausrüstung. Sie sollen der sunnitischen Miliz, die die Bezeichnung trägt „Die Nationalen Kräfte zur Befreiung Ninives“ bei der Befreiung der Provinz Ninive helfen. Das Lager Al-Schikchan ist an der Grenze von Dachuka und Ninive gelegen. In ihm durchlaufen unter Leitung von türkischen Ausbildern ungefähr 3500 Kämpfer der sunnitischen Miliz ein Ausbildungsprogramm. Sie sollen in allernächster Zeit in Richtung Mossul verlegt werden.

Nach der Schätzung der Experten ist es bisher noch zu früh, um über einen realen groß angelegten Angriff der türkischen Truppen und ihre Teilnahme am Sturm auf die irakische Hauptstadt des IS zu sprechen. Über die Rotation des türkischen Kontingentes kann man schon eher sprechen. Es ist noch die negative Reaktion des Ministerpräsidenten des Iraks, al-Abadi, auf die Teilnahme der Türkei im Bürgerkrieg in seinem Land in Erinnerung. Das wird Ankara berücksichtigen, ungeachtet der harten Sprüche der höchsten türkischen Führung. Die Türken sorgen sich eher um die Erhaltung ihrer Anwesenheit in Irakisch-Kurdistan, als um die Teilnahme an irgendwelchen Straßenkämpfen in Mossul oder die Befreiung des „sunnitischen Dreieckes“. In der Kurdischen Autonomie [den autonomen kurdischen Gebieten in Syrien] nimmt der Einfluss des Iran zu, weil er seine Kontakte mit dem Talabani-Klan und zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geschickt einsetzt. Dort gibt es Ausbilder der Islamischen Revolutionsgarden und es sind sogar reaktive Systeme für Salvenfeuer aus dem Iran aufgestellt.

Dabei wird die neue Etappe im Sturm auf Mossul, so scheint es, gerade geplant. Die irakischen Sondertruppen beteiligen sich zusammen mit der Polizei und den Landwehrmännern an den Straßenkämpfen. Laut Angaben von amerikanischen Militärs wird der Sieg in Mossul nicht so bald zu erwarten sein. Der Angriff dauert jetzt schon zwei Monate und die Amerikaner waren schon zweimal gezwungen, die ursprünglichen Pläne zu korrigieren. Nach alledem werden sie es noch ein drittes Mal machen müssen. Der Angriffsversuch der irakischen Sondertruppen ist auf Befehl von Ministerpräsident, al-Abadi, unternommen worden. Die Militärs versuchten, aus Osten anzugreifen, was dem IS ermöglichte, zu manövrieren und die Kräfte an den Prioritätsfrontabschnitten zu konzentrieren. Bei der Führung der Koalition und dem irakischen Kommando gaben die Nerven nach. Die letzten Luftangriffe auf die zivilen Ziele zeugten davon, dass die irakischen Militärs und die Amerikaner zum gewaltsamen Auspressen der Bevölkerung aus Mossul übergegangen sind. Zu dieser Taktik passt auch die Vernichtung der Wasserstationen, was ungefähr 650 000 Menschen das Trinkwasser entzogen hat.

Schon im Oktober hat Teheran auf den irakischen Ministerpräsidenten Druck ausgeübt, doch zum aktiven Kampf den Iranern loyal gegenüberstehende schiitische Kräfte aus der Volksmobilisierung heranzuziehen. Das wollte aber das Kommando der irakischen Armee nicht. Dabei ist die Artillerie der Regierungskräfte in der Stadt unergiebig. Die Kämpfer des IS haben auch bei Mossul ein System von unterirdischen Tunneln geschaffen, die es ermöglichen, plötzlich im Hinterland der irakischen Militärs aufzutauchen. Der IS verwendet Minenfallen und auch verminte Autos. Die engen Straßen gestatten es dann Todeskandidaten, die irakischen Angreifer anzugreifen. Das Kommando des IS nutzt sehr erfolgreich die Winterbedingungen für Streifzüge von mobilen Gruppen mit schwerer Ausrüstung im Hinterland der irakischen Truppenteile. Dabei ruft die Armee die Bevölkerung auf, in der Stadt zu bleiben, aber der Premierminister al-Abadi, die Stadt zu verlassen.

Die Sondertruppen Bagdads, die es schafften, sich an den östlichen Stadträndern Mossuls einzugraben, vermissten die ausreichende Unterstützung durch die 9. Division. Ihre Panzer versuchten, in die Stadt einzudringen, aber als sie auf Hinterhalte stießen, zogen sie sich wieder zurück. Die Verluste der irakischen Truppen betrugen im November ungefähr 2000 Menschen. Zur Unterstützung der 9. Division wurden die 15. und 16. hinzugezogen, was eine Konzentration fast aller angreifenden Verbände in der östlichen Richtung bedeutet. Truppenteile der 15. Division kontrollieren darüber hinaus den engen Frontabschnitt im Südwesten zwischen dem Weg nach Mossul und dem bis nach Tell-Afara. Das ist bisher die ganze Vorbereitung auf den Angriff, obwohl sogar die amerikanischen Militärs schon begonnen haben, am Kampf in den Straßen Mossuls teilzunehmen.

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