Ukraine zwischen den Stühlen

Am Rande

Geschrieben von apxwn am

 timoschenko-barrosoDas Gesicht der notleidenden Julia Timoschenko ziert die Meldungen aus der Ukraine, die es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht riskiert hat, den Weg der “Euro-Integration” zu beschreiten. Dabei geht es natürlich nicht um Timoschenko: die EU hat den Ukrainern eine ziemlich erniedrigende Forderung unterbreitet, die auf die Person Julia Timoschenko fixiert ist, hat aber der ukrainischen Wirtschaft nichts anstelle des russischen Marktes anzubieten vermocht. Das war’s dann letztlich auch, was alle anderen Überlegungen dominierte.

 Die ukrainische Regierung hat durch den Stop der Euro-Integration mal wieder die schlechtestmögliche Wahl getroffen: indem sie nämlich gar nichts wählte und alles beim Alten beließ. Dabei muss sich die Ukraine irgendwann einmal entscheiden, es geht nicht ewig so zwischen den Stühlen. Entweder das russische oder das europäische Projekt. Unabhängigkeit war und bleibt ein Traum – davon zu sprechen, gibt es in der Ukraine keinerlei ernstzunehmenden Anlass.

Die Ukraine kann weder für Europa noch für Russland zu einem exklusiven Dienstleister werden – eher andersherum. Durch die Ausnutzung der strategisch und infrastrukturell bedeutenden Lage versuchen die Ukrainer, beide Seiten zu erpressen, aber bereits jetzt kann Russland durch den Bau von Umgehungstrassen sich gegenüber solchen Erpressungsversuchen ziemlich unnachgiebig zeigen. Der Bauabschluss von “South Stream” würde die Ukraine als Transitland für das einzige russische Exportprodukt sowieso komplett uninteressant machen.

Europa nun braucht die Ukraine lediglich als Markt für europäische Produkte im Austausch für Arbeitskraft und, mittelfristig … Schiefergas. Die Interessen der ukrainischen Eliten kümmern in beiden Fällen niemanden, zumal im Falle einer Euro-Integration diese Eliten samt ihrer restlichen Aktiva mindestens ein halber Kahlschlag erwartet. Es kann nun einmal nicht zwei Dorfälteste geben.

In Kiew spielt sich derweil das lustige Zahlenspiel von Demonstranten und Staatsmacht ab: wie viele waren denn nun auf den Straßen? Die Angaben von Regierung und Opposition differieren schon mal um ein paar Nullen, und interessanterweise beteiligen selbst radikal-islamistische Internetressourcen an dem Spiel: Kavkazcenter meldete gestern 100.000, Umma-News 50.000 Demonstranten. Die freuen sich ohnehin über jede Kombination. Wie dem auch sei – solange man Kräfte für solche Zahlenspielereien aufwendet, heißt das, dass es sonst keine Argumente gibt.

euromaidan

Die ukrainischen “Orangen” geraten so in dieselbe Lage, wie seinerzeit die russische “Weiße Schleife”. Nach den ersten Demonstrationen, als tatsächlich eine große Menschenmenge auf den Straßen war, gab es in den folgenden Demos einen deutlichen Abwärtstrend. Die Anführer der Proteste mussten unverhohlen lügen, um den Schwund ihrer Popularität und ihre Ideenlosigkeit zu kaschieren.

Die Ukraine hat als Staat nicht stattgefunden. Ein Failed State – das ist es so ziemlich, was die heutige Ukraine ist. Wie immer will niemand das eigene Versagen einräumen, und aus diesem Grunde sucht man auf der einen Seite ein Feindbild, auf der anderen einen lieben Onkel, der einem die eigenen Probleme wegschafft. Die Europhilen und Russophilen sind in dieser Herangehensweise weitgehend identisch, nur dass “Feind” und “lieber Onkel” einfach die Stellen tauschen. Die hausgemachte Krise selbst zu überwinden hat niemand Lust. Deswegen wird auch auf dem Maidan demonstriert – immer noch besser als arbeiten…..

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http://www.chartophylakeion.de/blog/2013/11/26/am-rande/#.UptqNuKmbnw

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