Unfassbar: Kinderehen immer noch ein gängiges Modell

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Deutschland hat ein „Gesetz“ gegen Kinderehen. Dieses Gesetz gibt es seit dem 22. Juli 2017 – und scheint nach einer Auskunft der „Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ nicht „in allen Bundesländern in der Praxis angekommen“ zu sein.

Mangelnde Umsetzung

Das Gesetz, so heißt es in der Stellungnahme, würde durch „mangelnde Umsetzung (…) bei den Betroffenen nicht „ankommen. Die offiziellen Zahlen zur Anzahl der Verheirateten, die noch minderjährig sind, würde zudem wohl die tatsächliche Zahl nicht widerspiegeln, so die Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. Der Grund liegt leider nach Ansicht von Beobachtern praktisch auf der Hand. Die Mädchen würden sich entweder nicht trauen, Hilfe zu holen oder sie würden gar nicht wissen, welche Rechte sie haben. Die Behörden haben in diesen Fällen bis dato zudem nicht helfen können.

Die „SOS Kinderdörfer“ hatten schon im Mai 2016 das Problem angesprochen, dass viele Zwangsehen noch auf dem Weg nach Europa zustande gekommen wären. Besonders betroffen seien minderjährige Mädchen aus Syrien. Die Zahlen dazu: Noch vor Beginn des Syrien-Krieges waren 13 % aller Hochzeiten mit entweder einem oder beiden minderjährigen Partnern geschlossen worden. Der Anteil ist im Mai 2016 demnach auf mehr als 51 % gewachsen.

Dabei ging es den Angaben zufolge vor allem darum, Töchter in „der unsicheren und instabilen Fluchtsituation (zu) helfen“ und finanziell sowie körperlich „abzusichern“. Ein besonderes Motiv allerdings dürfte auch die häufig gezahlte Mitgift an die Eltern sein, so Beobachter. Tatsächlich, so die SOS-Kinderdörfer, sei die Armut der Eltern häufig mitverantwortlich für diese Form der Zwangsverheiratung gewesen.

Es zeige sich allerdings, dass die Betroffenen später von sozialen Kontakten abgeschnitten würden, den Bildungsweg abbrechen würden und schlicht sexuell missbraucht würden. In Deutschland sind diese Fälle bis dato teils gar nicht behandelt worden. Für Berlin meldet „Terre des Femmes“ genau drei Fälle von „verheirateten Minderjährigen“. In Bayern wurden gleich 367 Fälle angezeigt. Die Organisation forderte die Bundesregierung dazu auf, sicherzustellen, dass die Länder ihrer Rechtspflicht nachkommen würden. Wir werden diese Fälle verfolgen.

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