Unmut der Ägypter über festgefahrene, verratene Revolution steigt

Bis zu den angesetzten Wahlen Ende November in Ägypten ist es nicht mehr allzu lange hin. Dennoch scheint es zurzeit so, als wäre die Revolution noch lange nicht vorbei.

Nachdem es am Wochenende zu blutigen Protesten in Kairo kam, bei denen mindestens 25 Menschen starben, davon 17 Kopten, kam es auch in der Nacht auf Dienstag erneut zu Demonstrationen der koptischen Gemeinde. Sie nutzte die Trauerstunde in der koptischen Kathedrale in Kairo, um immer wieder gegen den Militärrat zu protestieren.

Tatsächlich ist es so, dass sich der Militärrat scheinbar festgesetzt hat und nun droht, hart gegen weitere Demonstrationen vorzugehen, die die Ruhe und Stabilität des Landes gefährden könnten. Fakt ist aber, dass die Menschen unzufrieden sind mit der Starre des Militärs und der Brutalität mit der es vorgeht. Es ist anzunehmen, dass das Volk nicht aufhören wird, auf der Straße, auf dem Tahrir-Platz zu demonstrieren, bis ihre demokratischen Ziele umgesetzt wurden.

Wo sich das Militär endgültig positionieren wird und welche Ziele es eigentlich verfolgt, ist ziemlich unklar, da bisher nicht wirklich viel nach außen drang. Man kann aber davon ausgehen, dass es keine Macht einbüßen will, ob nun als Regierungsteil oder unter einer zivilen Regierung. Fakt ist, die Rufe nach dem Rücktritt Tantawis werden immer lauter. Man vermutet sogar in manchen Kreisen Teile des Militärs oder der alten Mubarak-Getreuen hinter den Unruhen zwischen Kopten und Muslimen.

Böse Zungen behaupten, dass versucht wird durch das Schüren von Gewalt zwischen den Religionsgruppen, Chaos und Angst zu verbreiten, so dass die Menschen die Revolution vergessen und sich der Militärrat festsetzen kann. Gelder für den Militärrat gibt es nach wie vor von außen. Aus diesem Grund dürfte es auch nicht verwundern, dass beispielsweise die USA und Deutschland bisher ziemlich schweigsam sind trotz der neuen Gewaltwelle in Ägypten, die mit Sorge zu beobachten ist.

Ein Minister in Kairo zieht nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens nun erste Konsequenzen und hat seinen Rücktritt bekannt geben lassen. Unter den derzeit herrschenden Zuständen und der sich zuspitzenden Gewalt derer, die nicht von ihrer früheren Macht abtreten wollen, kann nicht wirklich gearbeitet werden. Das dürfte besonders deutlich daran werden, dass nach dem Sturz Mubaraks vor acht Monaten noch keine Reformen eingeleitet wurden und dass die Notstandsgesetze immer noch Bestand haben. Des Weiteren gibt es in vielen hohen Posten immer noch frühere Weggefährten Mubaraks, die um ihre Posten ringen und so eigentlichen Fortschritt bremsen.

Seit Februar wurden viele Zivilisten von Militärgerichten verurteilt. Der wohl bekannteste Fall dürfte Maikel Sanad sein, der sich seit 50 Tagen in Hungerstreik befindet, um gegen sein Urteil zu protestieren. Aufgrund seiner Meinungsäußerung auf seinem Blog und der Kritik am Militär wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein zunächst verschobenes Berufungsgericht wird diese Woche nun doch abgehalten aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht wollte man gerade an ihm ein Exempel statuieren und eine Warnung an all die schicken, die sich gegen den Militärrat stellen wollen.

Tatsächlich ist die Situation in Ägypten zurzeit sehr verworren. Man weiß nicht, wie sich die Fehde zwischen Kopten und Muslimen weiter entwickeln wird. Hier geht es um den Kampf um Land zwischen den Religionen und die Unterdrückung der Kopten durch Muslime und Islamisten. Gerade die Islamisten, die sich betont demokratisch zeigen und dies beweisen, in dem sie einen Christen befürworten, streben seit dem Sturz Mubaraks enorm empor. Deren eigentlichen Beweggründe und Interessen liegen aber genauso im Verborgenen wie die des Militärs.

Experten geben die Hoffnung nicht auf, dass die Demokratie in Ägypten Einzug halten wird. Da kann man nur die Daumen drücken, dass dem wirklich so ist und dass es nicht Jahre dauern wird, bis das erreicht wird.

Ein Blick in den Irak zeigt, dass es bei weitem nicht so einfach ist. Auch wenn der Irak eine demokratisch gewählte Regierung hat, kommt man keinen Schritt weiter, weil die Regierung nichts tut und man alten Denkmustern und Strukturen nach wie vor verfallen ist. Auch im Irak spielt die religiöse Komponente eine sehr wichtige Rolle.(sarsura-syrien)

http://german.irib.ir/analysen/beitraege/item/131541-unmut-der-%C3%A4gypter-%C3%BCber-festgefahrene-verratene-revolution-steigt

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