Vorbereitung für die Genf-2-Konferenz – von Thierry Meyssan

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Die letzten Kriegstage sind immer die tödlichsten. Die geschlagenen Armeen nehmen Rache für ihre Niederlage, indem sie unnötige Gräueltaten begehen, wie man es gerade in Adra gesehen hat, wo die den loyalen Arbeitern zugefügten Qualen in nichts jenen nachstehen, die während des Rückzuges des Dritten Reichs begangen wurden. Aber die Situation ist durch das Auseinanderbrechen der Überreste der Anti-syrischen Koalition kompliziert geworden, jeder der ehemaligen Partner versucht nun, seine Interessen auf Kosten seiner ehemaligen Verbündeten zu retten.

Am Vorabend der Genf-2-Konferenz fliegt das auseinander, was von der antisyrischen Koalition übrig geblieben ist, während die Staaten, welche Russland oder den Vereinigten Staaten bei ihrem Rückzug folgten, sich jetzt für den Wiederaufbau positionieren.

 Die erste Frage ist die Repräsentativität der Delegation der “syrischen Opposition.” Bis jetzt war ausschlaggebend, ob sie aus der Nationalen Koalition von Istanbul kam und/oder aus der nationalistischen, inneren und äusseren Opposition, die sich gegen die ausländische Einmischung gewehrt hatte. Jetzt muss auch noch ausgelotet werden, ob die Nationale Koalition die Interessen von Saudi-Arabien, Katar oder der Türkei vertritt.

Auf dem Boden haben sich die drei Kriegssponsoren getrennt und liefern sich einen gnadenlosen Kampf, ohne weiter den Sturz der Regierung im Auge zu behalten, die sie bekämpfen wollten. Wenn man auch immer noch über die Freie Syrische Armee spricht, so ist sie dennoch vom Schlachtfeld bereits verschwunden. Deshalb bleiben die Islamische Front (vor kurzem vom Prinz Bandar bin Sultan aufgebaut), die Al-Nusra Front (immer noch von Katar abhängig) und das Islamische Emirat von Irak und der Levante (EIIL, «Daesh “auf Arabisch), das von Recep Tayyip Erdoğan illegal finanziert wird, wie die türkische Polizei und Justiz gerade aufgezeigt haben.

[…] Wir erfahren, dass der Al-Kaida-Banker Yasin al-Qadi, der als solcher von den USA konzipiert wurde und nach dem die USA nach den Attacken auf die Botschaften in Kenia und Tansania (1998) [offiziell] fahndeten, ein persönlicher Freund des US-Vizepräsident Dick Cheney und des gegenwärtigen türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdoğan war.

Wir entdecken, dass dieser “Terrorist” einen ausschweifenden Lebensstil pflegte, im Privatjet herumreiste und dabei die UN-Sanktionen gegen ihn zum Gespött machte. Im Jahre 2012 besuchte er Erdoğan mindestens viermal. Er landete nach dem Abstellen der Kameras auf dem zweiten Flughafen in Istanbul und wurde vom Chef der Garde des Premierministers empfangen, ohne den Zoll passieren zu müssen.

Laut der türkischen Polizei und Richtern, welche diese Informationen aufdeckten und die am 17. Dezember 2013 mehrere in der Angelegenheit involvierte Minister-Kinder ins Gefängnis werfen ließen (bevor der Premierminister ihnen die Untersuchung entzog), hatten Yasin al-Qadi und Recep Tayyip Erdoğan ein ausgedehntes System entwickelt, um Gelder für die Finanzierung von Al-Kaida in Syrien zu verteilen.[…] http://www.politaia.org/terror/al-kaida-das-terror-werkzeug-der-nato/

Zuerst hat das IEIL (d. h. die Türkei, d.h. die NATO) das Hauptquartier der Freien Syrische Armee (FSA) angegriffen, und ausgeplündert. Ihre Kommandeure waren dann nach Katar und nach Europa geflohen, aber Prinz Bandar bin Sultan konnte einige Elemente für sich gewinnen und baute damit die Islamische Front auf, indem er sie mit neuen Söldnern aufstockte. Dann erhielt IEIL den Auftrag, den Großteil seiner Truppen in den Irak zu verlegen, wo es dann Ramadi und Falludschah einnahm. Da die Natur keine Leere duldet, haben alle anderen Kräfte, beginnend mit der Syrischen Armee, den frei gewordenen Raum ausgefüllt.

Die Golf- und atlantische Presse behauptet, die “Rebellen” hätten sich mit den “Loyalisten” gegen die “Dschihadisten” vereint und man werde eine “zweite syrische Revolution” erleben. Diese romantische Beschreibung hat den Vorteil, das Blatt der ersten Revolution zu wenden, ohne zu fragen, wie ihre Bilanz ausfällt. Die Realität ist aber, dass es keine erste Revolution gegeben hat und dass es auch jetzt keine andere geben wird.

Die westliche Presse scheint auch nicht daran interessiert zu sein, warum Al-Qaida, die ewige NATO-Hilfstruppe, diesmal den Befehl erhielt, das syrischen Schlachtfeld zugunsten des Irak zu räumen. Diese Operation hat drei Vorteile für Washington: zuerst wird sie mit dem Sieg des Präsidenten Nouri Al-Maliki enden und zur einstweiligen Stabilisierung des Irak beitragen, dann wird sie die Anzahl der Dschihadisten verringern, die sehr schwere Verluste durch eine frische und bestens ausgerüsteten Armee erleiden, und schließlich wird einer der Spieler, der wirklich nicht an Genf 2 teilnehmen konnte, eliminiert.

In ähnlicher Weise gab die NATO der libanesischen Armee Informationen über den Chef der Abdullah Azzam Brigaden, Majed al-Majed. Er wurde während seinem Transport per Krankenwagen vom Krankenhaus zu seinem Hauptquartier festgenommen, und sollte offiziell zehn Tage später an seinen Verletzungen gestorben sein. Er wurde wahrscheinlich von den Saudis liquidiert, die sich Sorgen darüber machten, was er verraten könnte.

Wenn alles so funktioniert hätte wie erwartet, müsste man heute nur die Al-Nusra Front vorfinden, was die Forderungen der nationalen Koalition dauerhaft reduziert hätte. Jedoch brachte die Sturheit von Saudi-Arabien die Islamische Front in Stellung, die auf Genf 2 Einfluss nehmen will.

Auch wenn Israel bei dem Zerfall der anti-syrischen Koalition nicht aufzutauchen scheint, verbirgt sich Tel Aviv gemäß seiner zehn Jahre alten Strategie hinter seinen Verbündeten – Frankreich und Saudi-Arabien. Die Netanjahu-Regierung lässt sich nur sehen, um den Contras mit ihrer Luftwaffe zu helfen oder ihnen eine Ausweichmöglichkeit auf den illegal besetzten Golan-Höhen bereitzustellen. Sie bedauert, in den letzten Wochen dort nicht eingreifen zu können, da die wichtigsten Kämpfe im nördlichen Syrien stattfinden.

In der Zwischenzeit hoffen die Delegationen der Staaten, welche die Besonnenheit hatten, sich vom Konflikt zurückzuziehen, oder die Syrien unterstützten, bei der Genf 2-Konferenz Dankbarkeit zu ernten. Sie sind etwa zwanzig, die auf Verträge für den Wiederaufbau hoffen, der von zwischenstaatlichen Organisationen finanziert wird.

Jetzt ist es schon klar, dass Saudi-Arabien und Frankreich die großen Verlierer von Genf 2 sein werden: sie werden mehr bezahlen müssen, als sie erhalten werden. Präsident François Hollande scheint sich nicht darüber zu sorgen, denn er hat seine Aufgabe im Dienste Israels erfüllt und betrachtet die Folgen für sein eigenes Land als sekundär. König Abdullah versucht seinerseits einen Trostpreis im Libanon zu bekommen. Die libanesische Mehrheit könnte die Ernennung einer Minderheitsregierung akzeptieren, deren einzige Funktion es wäre, das Geschenk von Saudi-Arabien über $ 3 Milliarden französischer Waffen zu billigen. Dann würde diese Regierung durch das Parlament gestürzt werden und das Land würde wieder in das Chaos zurückkehren.

Die Delegation der syrischen Regierung begegnet der Konferenz mit Optimismus. Die bewaffneten Oppositionskräfte sind seit dem Untergang der FSA und dem massiven Abzug der IEIL in Auflösung. Damaskus scheint mehr mit der Erfindung von Schmuckstücken für seine Gesprächspartner beschäftigt, um deren Niederlage zu verdecken und einen einvernehmlichen Sieg im allgemeinen Interesse zu feiern. In Damaskus plant man daher, temporäre Ministerien zu erstellen, die für die Beziehungen mit den großzügigen Spendern, die vorher Feinde waren, verantwortlich sind und sie ihren ehemaligen Kollaborateuren anzuvertrauen, aus denen wieder gute Bürger geworden sind. Die Nationale Koalition hätte so eine Zuständigkeit dank ihres vergangenen Verrates erworben.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Al-Watan (Syrien)

http://www.voltairenet.org/article181762.html

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