Steuern für die Wohltaten der Sklaverei und Kolonisierung

Frankreich: Kolonisierung in Afrika

14 African Countries Forced by France to Pay Colonial Tax For the Benefits of Slavery and Colonization

von Mawuna Remarque Koutonin – Übersetzung von Dagmar Henn – erschienen auf vineyardsaker.de

Wissen Sie, wie viele afrikanische Länder seit ihrer Unabhängigkeit bis heute Kolonialsteuern an Frankreich zahlen?

Als Sékou Touré von Guinea 1958 entschied, sich aus dem französischen Kolonialreich zu lösen und für die Unabhängigkeit des Landes stimmte, wurde die französische Kolonialelite in Paris zornig, und in einem historischen Akt des Zorns zerstörte die französische Verwaltung in Guinea alles im Land, was für das stand, was sie die Wohltaten der französischen Kolonisierung nannten.

Dreitausend Franzosen verließen das Land, nahmen all ihren Besitz mit und zerstörten alles, was nicht bewegt werden konnte: Schulen, Kindergärten, öffentliche Verwaltungsgebäude wurden zerstört; Autos, Bücher, Medikamente, die Instrumente in Forschungseinrichtungen, Traktoren wurden zerstört und sabotiert; Pferde und Kühe in den Farmen getötet, und Nahrungsmittel in Lagerhäusern wurden verbrannt oder vergiftet.

Der Zweck dieses schändlichen Tuns war es, eine deutliche Botschaft an alle anderen Kolonien zu schicken, dass die Kosten einer Zurückweisung Frankreichs sehr hoch sein würden.

Langsam verbreitete sich Furcht in der afrikanischen Elite, und nach Guinea fand niemand mehr den Mut, dem Beispiel Sékou Tourés zu folgen, dessen Losung lautete: „Wir ziehen die Freiheit in Armut der Sklaverei im Überfluss vor.“

Sylvanus Olympio, der erste Präsident der Republik Togo, ein kleines Land in Westafrika, fand einen Kompromiss mit den Franzosen.

cfa-karte
Die Länder, die den CFA-Franc als Währung verwenden, teilen sich in zwei den ehemaligen Kolonialverwaltungsgebieten entsprechenden Währungsräumen: Französisch-Westafrika wurde zum Währungsraum CFA-BCEAO, der sich nun zur Währungs- und Wirtschaftsgemeinschaft UEMOA erweitert hat. Die Abkürzung CFA hat in diesem Währungsraum die Bedeutung: Franc de la Communauté Financière d’Afrique. Die teilnehmenden Länder sind: Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal,Togo. Französisch-Äquatorialafrika wurde zum Währungsraum CFA-BEAC, der sich nun zur Währungs- und Wirtschaftsgemeinschaft CEMAC erweitert hat. Die Abkürzung CFA hat in diesem Währungsraum die Bedeutung: Franc de la Coopération Financière en Afrique Centrale. Zum Währungsraum gehören die Länder: Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Tschad, Kongo/Brazzaville, Äquatorial Guinea, Gabun.

Er wollte nicht, dass sein Land weiter unter französischer Herrschaft bleibt, daher weigerte er sich, den Vertrag über die Fortsetzung der Kolonisierung zu unterzeichnen, den de Gaulle vorschlug, aber stimmte zu, eine jährliche Schuld an Frankreich für die sogenannten Wohltaten zu begleichen, die Togo aus der französischen Kolonisierung erhalten habe.

Das war die Bedingung der Franzosen, um das Land nicht zu zerstören, ehe sie es verliessen. Die von Frankreich geschätzte Summe war jedoch so hoch, dass die Erstattung der sogenannten „kolonialen Schuld“ 1963 beinahe 40% des Jahreshaushalts des Landes betrug.

Die finanzielle Lage des frisch unabhängigen Togo war sehr instabil, daher entschied Olympio, um der Lage zu entrinnen, aus der französischen Kolonialwährung FCFA (dem Franc für die französischen Afrikakolonien) auszusteigen und eine eigene Landeswährung auszugeben.

Am 13. Januar 1963, drei Tage, nachdem er mit dem Druck der eigenen Landeswährung begonnen hatte, tötete ein Trupp analphabetischer Soldaten mit Unterstützung Frankreichs den ersten gewählten Präsidenten des frisch unabhängigen Afrika. Olympio wurde von einem ehemaligen Sergeanten der französischen Fremdenlegion namens Etienne Gnassingbe ermordet, der angeblich eine Belohnung in Höhe von 612$ für den Auftragsmord von der französischen Botschaft erhielt.

Olympios Traum war es, ein unabhängiges, autarkes und sich auf sich selbst verlassendes Land aufzubauen. Aber den Franzosen gefiel diese Idee nicht.

Am 30. Juni 1962 beschloss Modiba Keita, der erste Präsident der Republik Mali, ebenfalls, sich aus der französischen Kolonialwährung FCFA zurückzuziehen, die den 12 neuen unabhängigen afrikanischen Ländern aufgezwungen wurde. Für den Präsidenten Malis, der eher zu einer sozialistischen Wirtschaft neigte, war es klar, dass der Vertrag zur Verlängerung der Kolonisierung mit Frankreich eine Falle war, eine Last für die Entwicklung des Landes.

Am 19. November 1968 wurde Keita, wie Olympio, Opfer eines Putsches, der von einem anderen ehemaligen französischen Fremdenlegionär durchgeführt wurde, dem Leutnant Mossa Traoré.

Tatsächlich sollte Frankreich in jener turbulenten Periode, in der die Afrikaner darum kämpften, sich von der europäischen Kolonisierung zu befreien, öfter seine vielen ehemaligen Fremdenlegionäre nutzen, um Putsche gegen gewählte Präsidenten durchzuführen:

  • Am 1. Januar 1966 putschte Jean-Bédel Bokassa, ehemaliger Fremdenlegionär, gegen David Dacko, den ersten Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik.
  • Am 3. Januar 1966 wurde Maurice Yaméogo, der erste Präsident der Republik Obervolta, jetzt Burkina Faso genannt, Opfer eines Putsches durch Aboubacar Sangoulé Lamizana, einen ehemaligen Fremdenlegionär, der mit französischen Truppen in Indonesien und Algerien gegen die Unabhängigkeit dieser Länder kämpfte.
  • Am 26. Oktober 1972 putschte Maurice Kérékou, Leibwächter des Präsidenten Hubert Maga, erster Präsident der Republik Benin, gegen den Präsidenten, nachdem er von 1968 bis 1970 französische Militärschulen besucht hatte.

Im Verlauf der letzten 50 Jahre haben insgesamt 67 Putsche in 26 afrikanischen Ländern stattgefunden; 16 davon sind französische Exkolonien; das heisst, 61% der Putsche fanden im frankophonen Afrika statt.

Wie diese Zahlen belegen, ist Frankreich verzweifelt und aktiv dabei, seine Kolonien festzuhalten, gleich um welchen Preis.

Im März 2008 sagte der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac:

„Ohne Afrika gleitet Frankreich auf den Rang einer drittrangigen Macht ab.“

Chiracs Vorgänger Francois Mitterand hatte bereits 1957 vorhergesagt:

„Ohne Afrika wird Frankreich im 21. Jahrhundert keine Geschichte haben.“

Zu diesem Zeitpunkt, da ich diesen Artikel schreibe, sind 14 afrikanische Länder durch einen kolonialen Vertrag mit Frankreich verpflichtet, 85% ihrer Devisenreserven in der französischen Zentralbank zu lagern, unter Kontrolle des französischen Finanzministers. Bis heute (2014) zahlen Togo und 13 weitere afrikanische Länder noch immer die Kolonialschulden an Frankreich. Afrikanische Politiker, die sich weigern, werden getötet oder Opfer eines Putsches. Jene, die gehorchen, werden unterstützt und von Frankreich mit einem opulenten Lebensstil belohnt, während ihre Völker extreme Armut und Verzweiflung erleiden.

Dieses System ist so bösartig, dass selbst die Europäische Union dagegen Stellung bezog, aber Frankreich ist nicht bereit, von einem kolonialen System zu lassen, dass jedes Jahr etwa 500 Milliarden Dollar aus Afrika in seinen Haushalt spült.

Wir werfen afrikanischen Staatsführern oft Korruption vor, und dass sie den Interessen westlicher Nationen dienen statt den eigenen, aber es gibt eine klare Erklärung für dieses Verhalten. Sie verhalten sich so, weil sie fürchten, getötet zu werden, oder Opfer eines Putsches zu werden. Sie wollen eine starke Nation, die sie im Falle einer Aggression oder von Problemen stützen kann. Aber der westliche Schutz wird oft, anders als der Schutz durch eine freundliche Nation, nur gewährt, wenn diese Staatsmänner im Gegenzug dem Dienst an den Interessen ihres eigenen Volkes oder ihrer Nation abschwören.

Afrikanische Staatsmänner würden im Interesse ihrer Völker arbeiten, wenn sie nicht ständig von den kolonialen Ländern bedroht und eingeschüchtert würden.

1958 erklärte Leopold Sédar Senghor, die Folgen der Entscheidung für die Unabhängigkeit von Frankreich fürchtend:

“ Die Wahl des senegalesischen Volkes ist die Unabhängigkeit; sie wollen, dass sie nur in Freundschaft mit Frankreich stattfindet, nicht im Streit.“

Von da an akzeptierte Frankreich nur eine „Unabhängigkeit auf dem Papier“ für seine Kolonien, aber unterschrieb bindende „Kooperationsvereinbarungen“, die die Natur der Beziehung zu Frankreich detailliert beschrieben, insbesondere die Bindungen an die französische Kolonialwährung (den Franc), das französische Bildungssystem, militärische und geschäftliche Vorteile.

Im Folgenden stehen die elf Hauptbestandteile der Verträge zur Fortsetzung der Kolonisierung seit den 1050ern:

  1. Kolonialschulden für die Wohltaten der französischen Kolonisierung

Die neu „unabhängigen“ Länder sollten für die Infrastruktur zahlen, die Frankreich während der Kolonisierung im Land errichtet hatte.

  1. Automatische Beschlagnahme der nationalen Reserven

Die afrikanischen Länder sollten ihre nationalen Devisenreserven in der französischen Zentralbank lagern.

Frankreich hat seit 1961 die Reserven von vierzehn afrikanischen Ländern gelagert: Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo-Brazzaville, Äquatorialguinea und Gabun.

Weiterlesen

Siehe auch–> Dass französische Konlonialreich im Gewande der CFA-Zone

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick

1 Trackback / Pingback

  1. Steuern für die Wohltaten der Sklaverei und Kolonisierung | No-Zensur Das freie Wort für eine freie Welt !

Kommentar hinterlassen