Zerwürfnis in der Türkei über Syrien-Politik Erdogans

nach einem Artikel von Christof Lehmann, nsnbc

Nach einer Periode erstaunlicher Ruhe über die sinistre Rolle der Türkei im verdeckten Krieg gegen Syrien, hat der Abschuss eines türkischen Militärflugzeugs über syrischem Territorium das heimische Pulverfass in der Türkei entzündet.

Die Erdogan-Regierung führt ihren Krieg der Worte und ihre verdeckten militärischen Übergriffe gegen Syrien fort und benutzt den Vorfall als Vorwand für eine direkte militärische Konfrontation mit Syrien, wobei man scheinheilig davon spricht, eine “Sicherheitszone” einrichten zu wollen.

Die sekuläre Republikanische Partei der Türkei, die CHP, hat von Anbeginn des verdeckten Krieges die türkischen Großmachtambitionen abgelehnt, erhob aber erst nach dem Abschuss der F4-Phantom ihre Stimme.

Der Beginn des verdeckten Krieges geht auf das Jahr 2010 zurück, als die Erdogan-Regierung bei dem Arrangement der Ermordung von neun türkischen Staatsbürgern durch israelische Truppen verwickelt war, die sich auf dem Schiff  Mavi Marmara der Gaza-Flottille befanden.

Der Vorfall wurde benutzt, um Erdogans schwindender Beliebtheit in der Heimat entgegenzuwirken, indem er Israel beschimpfte und die diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Verbindungen zu Israel kappt — für drei Wochen. [1] Dadurch festigte er seine Popularität soweit, dass er die Generäle feuern konnte, welche gegen militärische Aktionen in Syrien waren.

Die beiden Kriegstreiber Erdoğan und Gül habe nun leichtes Spiel mit dem türkischen Militär, welches mittlerweile von oppositionellen Kräften weitgehend gesäubert sein dürfte:

Izmir (Press TV) – Freitag, 15 Juni 2012: In der Türkei sind bei der zweiten Phase einer Operation gegen einen militärischen Spionagering weitere 29 Offiziere festgenommen worden.

Somit sind bislang 49 der insgesamt 51 Offiziere, gegen die das Gericht von Izmir einen Haftbefehl erteilt hatte, verhaftet worden. Die Festgenommenen bekleideten hohe Ämter im Verteidigungsministerium, beim Kommando der See- und Bodenstreitkräfte sowie in der medizinischen Fakultät der Armee. Ihnen wird Erpressung und illegale Informationsgewinnung vorgeworfen. Bei der ersten Phase der Operation “Stachel” wurden bereits im Mai 20 Offiziere wegen der Mitgliedschaft in einer Spionageorganisation festgenommen…..

Laut der  Tageszeitung Hürriyet Daily bezeichnete Premierminister Erdogan die CHP “als nichts anderes, als die Baath-Partei“.[2] Auf die Vorwürfe der Opposition bezüglich der türkischen Außen- und Militärpolitik antwortete Erdogan: “Sind Sie von der syrischen Baath-Partei oder von der Republikanischen Partei der Türkei? Was sind Sie?”

Auf der anschließenden Pressekonferenz führte Erdogan seine Kampagne fort und unterstellte der CHP mangelnden Patriotismus und warf ihr die Unterstützung Israels vor, während doch seine Regierung über den Gaza-Vorfall die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen hätte.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einige der Kritikpunkte der CHP darauf beruhen, dass führende CHP-Mitglieder von Erdogans Doppelspiel mit Israel wissen.

Die Türkei wird zunehmend in drei Richtungen polarisiert. Diese sind:

1) Die Erdogan-Regierung mit ihrer eigenen Muslim-Bruderschaft, die sich auf die NATO, die Golf-Staaten (GCC), Israel, die Al-Kaida-Proxis  eingelassen hat.

2) Die sekuläre CHP, die traditionell einen starken Einfluss im türkischen Militär und auf andere Oppositionsgruppen hat; dazu die Arbeiterbewegungen und sekuläre Organisationen, die wissen, dass die Großmachtambitionen der Türkei teuer zu stehen kommen und der Sturz der syrischen Regierung nach hinten losgehen könnte.

3) Die Bevölkerung in den vorwiegend kurdischen Regionen der Türkei mit der PKK und anderen kurdischen Fraktionen, die sich zusammen mit dem Syrischen Kurdischen Nationalrat, dem PYD und weiteren kurdischen Mitspielern Gedanken über die Konsequenzen machen, welche der Sturz der syrischen Regierung für die Region bedeuten würde.[3]

Gebiete mit kurdicher Bevölkerung

Wahrscheinlich wird die heimische Opposition in der Türkei nicht in der Lage sein, gegen die Kräftekonstellation Erdogan-Regierung/NATO/Golfrat/Israel den Ausbruch des Krieges zu verhindern, der regionale und vermutlich globale Konsequenzen haben wird.

Das heimische Zerwürfnis ist kein Zeichen dafür, dass die Türkei ihre Terrorbrigaden  und ihr Militär zurückzieht, welches in Kriegsbereitschaft steht. Es ist sogar fraglich, ob ein Engagement des Iran, Russlands und möglicherweise des Iraks gegen die NATO und die Türkei die Wahnsinnsfahrt in den Krieg stoppen kann…

Das interne Zerwürfnis in der Türkei ist jedoch ein Indikator für die möglichen Konsequenzen aus dem abenteuerlichen Spiel, das die Türkei mit den bewaffneten Brigaden der Muslimbruderschaft, mit den von Libyen, Saudi-Arabien und Katar gesponserten Al-Kaida-Brigaden, mit den syrischen Salafisten-Brigaden, mit der NATO, dem Golfrat und den israelischen Strippenziehern spielt.  Der Schuss könnte nach hinten losgehen.

Der Yinon-Plan

Der Yinon-Plan ist ein israelischer Strategieplan zur Garantie der israelischen Überlegenheit und stellt insofern eine Fortsetzung der britischen strategischen Zielplanung dar. Er fordert und drängt darauf, dass Israel seine geopolitische Umgebung über eine Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Staaten in kleinere und schwächere staatliche Gebilde umgestalten müsse.
Israelische Strategieexperten sahen den Irak als die größte strategische Herausforderung seitens eines arabischen Staates an. Aus diesem Grunde stand der Irak im Zentrum der Balkanisierung des Nahen und Mittleren Ostens und der arabischen Welt. Auf der Grundlage der Konzepte des Yinon-Plans haben israelische Strategen die Aufteilung des Irak in einen kurdischen Staat und zwei arabische – einen schiitischen und einen sunnitischen – Staaten gefordert. Den ersten Schritt zur Umsetzung dieser Pläne bildete der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, der schon im Yinon-Plan [dieses Strategiepapier wurde nach seinem Verfasser Oded Yinon, einem hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums, der es 1982 veröffentlichte, benannt] erörtert worden war.

Die Zeitschrift The Atlantic und das amerikanische Armed Forces Journal veröffentlichten beide 2006 weitverbreitete Karten, die sich an den Konzepten des Yinon-Plans orientierten. Neben einem dreigeteilten Irak, den auch der sogenannte »Biden-Plan« des heutigen amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden vorsah, setzte sich der Yinon-Plan auch für eine Aufteilung des Libanon, Ägyptens und Syriens ein. Auch die Zersplitterung des Iran, der Türkei, Somalias und Pakistans passt in das Konzept dieser Politik. Darüber hinaus befürwortet der Yinon-Plan eine Auflösung [der existierenden staatlichen Strukturen] Nordafrikas, die, so prognostiziert er, von Ägypten ausgehen und dann auf den Sudan, Libyen und den Rest der Region übergreifen werde.

Geplante Umgestaltung "New Middle East"

Das Ergebnis von Erdogans Spiel könnte eine gewaltig geschrumpfte Türkei sein.

http://nsnbc.wordpress.com/2012/06/30/turkey-triple-split-over-syria/

http://www.syriaonline.sy/?f=Details&catid=12&pageid=2860

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